PrÀbiotika, Zwillingspaare

PrÀbiotika im Alter: 36 Zwillingspaare zeigen kognitive Vorteile nach 12 Wochen

Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 18:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Untersuchungen beleuchten Bolotanas hohe Lebenserwartung, mögliche PrÀbiotika-Effekte und bakterielle Wege zur Vitamin-B12-Bildung.

Langlebigkeit, Darmmikrobiom und Vitamin B12: Neue Studien im Überblick
Eine sonnenbeschienene HĂŒgellandschaft auf Sardinien mit alten Steinmauern und OlivenbĂ€umen in einer hĂŒgeligen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Wissenschaftliche Untersuchungen analysieren sowohl die ErnĂ€hrungsgewohnheiten in Regionen mit vielen HundertjĂ€hrigen als auch die Rolle prĂ€biotischer Energiequellen fĂŒr die Entstehung biologischer MolekĂŒle. Neue demografische und mikrobiologische Studien liefern detaillierte Einblicke in die ZusammenhĂ€nge zwischen ErnĂ€hrungsweisen, bakteriellen Prozessen im Darm und menschlicher Langlebigkeit.

Ungewöhnlich hohe Lebenserwartung in Zentralsardinien

Eine demografische Beobachtungsstudie der UniversitÀt Sassari und der University of Alabama widmete sich der Gemeinde Bolotana in der Region Marghine, rund 110 Kilometer von der bekannten sardischen Blue Zone Ogliastra entfernt. Auf Basis von Bevölkerungs-, Zivil- und Kirchenregistern wurden im Zeitraum von 2021 bis 2025 alle Einwohner ab 70 Jahren mit insgesamt 3.138 beobachteten Personenjahren erfasst.

Den Ergebnissen zufolge hatten 70-jÀhrige MÀnner in Bolotana zwischen 2021 und 2025 durchschnittlich 16,02 weitere Lebensjahre vor sich, wÀhrend dieser Wert bei Frauen 20,85 Jahre betrug.

Nach Berechnungen der Forschenden erreichen 13,83 Prozent der 70-jĂ€hrigen Frauen das 100. Lebensjahr, was mehr als dreimal so hoch ist wie der Vergleichswert fĂŒr Nuoro, Sardinien und Italien von 3,54 Prozent. Das 95-Prozent-Konfidenzintervall fĂŒr Frauen lag bei 7,33 bis 23,75 Prozent. Bei den 70-jĂ€hrigen MĂ€nnern lag der Anteil bei 4,92 Prozent.

Historische Daten verdeutlichen den Trend: Von 3060 zwischen 1900 und 1925 in der Gemeinde geborenen Personen erreichten 38 das 100. Lebensjahr. Dies entspricht 1242 HundertjĂ€hrigen pro 100.000 Geburten im Vergleich zu einem italienischen Referenzwert von 793. Unter Einbezug des Jahres 2020 sank die Überlebenswahrscheinlichkeit bis 100 bei Frauen leicht auf 12,48 Prozent, wĂ€hrend eine frĂŒhere Analyse fĂŒr die Jahre 2015 bis 2019 lediglich 1,46 Prozent ergeben hatte.

Als begĂŒnstigende Faktoren werden mediterrane ErnĂ€hrung, alltĂ€gliche Bewegung, genetische EinflĂŒsse und ausgeprĂ€gte familiĂ€re Strukturen diskutiert. An der Untersuchung waren unter anderem Prof. Giovanni Mario Pes, der das Blue-Zone-Konzept mitprĂ€gte, sowie Dan Buettner beteiligt.

Mitautor S. Jay Olshansky erhielt laut Autorenangaben Beratungshonorare im Umfeld eines geplanten Blue Zone Research Institute; zudem sehen einige Demografen den Begriff inzwischen stark kommerzialisiert.

PrÀbiotika und Zusammensetzung des Darmmikrobioms

Neben regionalen Lebensweisen steht das Mikrobiom im Fokus ernÀhrungswissenschaftlicher Studien. Eine 2024 in Nature Communications veröffentlichte doppelblinde Zwillingsstudie des King's College London untersuchte 36 Zwillingspaare ab 60 Jahren. Ein Zwilling erhielt tÀglich ein PrÀbiotikum in Form von Inulin oder Fructooligosaccharid (FOS) zusammen mit Proteinpulver, der andere ein Placebo.

Nach drei Monaten zeigten sich in der PrĂ€biotika-Gruppe höhere Werte in kognitiven Tests sowie ein vermehrtes Vorkommen von Bifidobacterium, wĂ€hrend messbare körperliche Effekte wie ein RĂŒckgang des Muskelverlusts ausblieben. Forscherin Mary Ni Lochlainn verwies darauf, dass sich Effekte bereits nach 12 Wochen zeigten.

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Wie Ballaststoffe im Darm verarbeitet werden, hĂ€ngt zudem eng von der vorhandenen Bakteriengemeinschaft ab. Eine Studie des Helmholtz-Zentrums fĂŒr Infektionsforschung in Nature Microbiology mit einer definierten Gemeinschaft aus 21 Darmbakterien zeigte, dass das Kohlenhydrat Arabinan das Bakterium Segatella copri erst dann dominieren ließ, wenn Escherichia coli oder verwandte Enterobacteriaceae anwesend waren.

ErgĂ€nzend stellte die UniversitĂ€t Hohenheim fest, dass ballaststoffreiche Kost und Intervallfasten trotz unterschiedlicher bakterieller Profile zu Ă€hnlichen quantitativen VerĂ€nderungen fĂŒhren: Beide ErnĂ€hrungsformen verkĂŒrzten die Darmpassage, reduzierten die mikrobielle Dichte im Stuhl und senkten EntzĂŒndungsmarker im Darm.

Fettreiche Kost bewirkte hingegen das Gegenteil. Prof. Christine Moissl-Eichinger von der Medizinischen UniversitĂ€t Graz betont in diesem Kontext, dass Menschen mit vielen methanproduzierenden Archaeen insgesamt gesĂŒnder seien und lĂ€nger lebten, wĂ€hrend die Weltgesundheitsorganisation tĂ€glich 25 bis 30 Gramm Ballaststoffe empfiehlt.

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Bakterielle Synthese von Vitamin B12 in pflanzlichen Lebensmitteln

PrĂ€biotische und bakterielle Mechanismen spielen auch bei der NĂ€hrstoffanreicherung pflanzlicher Produkte eine Rolle. Dr. Lu Gao erhielt fĂŒr Forschungen an Haferdrink an der Hochschule Fulda und dem Max-Rubner-Institut Kiel den Heinrich-Stockmeyer-Wissenschaftspreis, der mit 20.000 Euro dotiert ist.

Gao zeigte, dass MilchsÀurebakterien der Gattung Lactobacillus allein kaum Vitamin B12 bilden, eine Kombination mit PropionsÀurebakterien jedoch die Entstehung von biologisch aktivem Vitamin B12 deutlich steigert.

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