PrÀvention: 40% aller Krebsneuerkrankungen sind vermeidbar
Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 06:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Angesichts eines Gesundheitssystems, das jĂ€hrliche Kosten in Höhe von 500 Milliarden Euro verursacht, fordern fĂŒhrende wissenschaftliche Institutionen eine grundlegende Neuausrichtung der PrĂ€ventionspolitik.
Eine gemeinsame Stellungnahme der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, des Wissenschaftsrates, des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und der Deutschen Krebshilfe mahnt eine ressortĂŒbergreifende Strategie an. Demnach mĂŒssten kĂŒnftig alle Ministerien gesundheitliche Aspekte in ihre politischen Entscheidungen einbeziehen.
Potenziale und strukturelle Forderungen der Wissenschaft
Das Potenzial prĂ€ventiver MaĂnahmen wird von Experten als erheblich eingestuft. Nach Angaben des DKFZ-Chefs Baumann wĂ€ren rund 40 % aller Krebsneuerkrankungen vermeidbar.
Um diesen Wert zu erreichen, fordert der Chef des Wissenschaftsrates, Wick, die Verankerung der PrĂ€vention als verbindliche ZielgröĂe in sĂ€mtlichen Politikbereichen. Ein solcher Ansatz wurde auch im Rahmen eines Parlamentarischen Abends am 8. September 2026 in Berlin thematisiert.
Die politische Umsetzung steht jedoch vor finanziellen Herausforderungen. Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann skizzierte in seiner ersten Rede vor dem Bundestag Leitlinien fĂŒr eine verlĂ€ssliche Versorgung und solide Finanzen.
FĂŒr das Jahr 2027 ist ein Etat des Bundesministeriums fĂŒr Gesundheit in Höhe von 14,33 Milliarden Euro vorgesehen, was einen RĂŒckgang gegenĂŒber den 21,77 Milliarden Euro im Jahr 2026 bedeutet. Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung sollen laut Planungen von 16,8 auf 12,5 Milliarden Euro sinken.
ErnÀhrung als Hebel zur Krankheitsvermeidung
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Ein zentraler Baustein der PrĂ€vention ist die ErnĂ€hrung. Bei einem Pressetermin wies der Mediziner Martin Grassberger auf die Risiken hin, die durch Bodenerosion, den Klimawandel und eine industrialisierte Landwirtschaft fĂŒr die NĂ€hrstoffversorgung entstehen. Eine vorwiegend pflanzliche und ballaststoffreiche ErnĂ€hrung habe maĂgeblichen Einfluss auf die Gesundheit.
Passend dazu veröffentlichte die Stiftung Warentest einen Ratgeber zur prĂ€ventiven ErnĂ€hrung fĂŒr Herz und Hirn. Die Empfehlungen konzentrieren sich auf pflanzenbetonte Kost sowie spezifische Fettquellen aus NĂŒssen, Fisch und Pflanzenölen wie Raps-, Lein- oder Algenöl. Der Ratgeber enthĂ€lt Analysen zu 150 Lebensmitteln hinsichtlich ihres Fett- und Kaloriengehalts.
Besondere Aufmerksamkeit gilt der Versorgung in Bildungseinrichtungen. Von September 2026 bis August 2028 lĂ€uft das Forschungsprojekt âKiSMoâ der Hochschule OsnabrĂŒck in Kooperation mit den UniversitĂ€ten Konstanz und Göttingen. Ziel ist ein bundesweites Monitoring der Kita- und Schulverpflegung, um Daten zu QualitĂ€t, Kosten und Nachhaltigkeit fĂŒr rund sechs Millionen Kinder und Jugendliche zu erheben.
FrĂŒherkennung und kommunale Herausforderungen
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Im Bereich der FrĂŒherkennung gibt es Bestrebungen fĂŒr neue Standards. Ein internationales Konsensuspapier empfiehlt ein bevölkerungsweites Screening auf Typ-1-Diabetes bei Kindern im Alter von 2 bis 4 Jahren sowie in spĂ€teren Intervallen. Da ĂŒber 85 % der Betroffenen keine familiĂ€re Vorbelastung aufweisen, könne eine frĂŒhzeitige Diagnose das Risiko schwerer Komplikationen senken.
Bei der Darmkrebsvorsorge bleibt die Altersgrenze fĂŒr organisierte Programme vorerst bestehen. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beschloss Ende August 2026, die FrĂŒherkennung nicht auf Personen unter 50 Jahren mit familiĂ€rem Risiko auszuweiten.
Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) bewertet dies als nachvollziehbar, plĂ€diert jedoch fĂŒr risikoadaptierte Lösungen bereits zehn Jahre vor dem Erkrankungsalter betroffener Angehöriger.
Die Umsetzung vor Ort wird oft durch bĂŒrokratische HĂŒrden erschwert. Eine Studie des PKV-Verbands und der TU Dresden zu kommunalen Projekten identifizierte die persönliche Ansprache und lokale Vernetzung als Erfolgsfaktoren. Kritisiert wurde jedoch, dass eine befristete Förderung und unklare ZustĂ€ndigkeiten die dauerhafte Etablierung solcher Initiativen behindern.
Daten des Robert Koch-Instituts aus einer Erhebung zwischen dem FrĂŒhjahr 2021 und dem FrĂŒhjahr 2023 unterstreichen die Notwendigkeit lokaler Angebote: 78 % der Menschen ab 65 Jahren bewegen sich zu wenig, und lediglich 2 % dieser Altersgruppe weisen keinerlei gesundheitliche Risikofaktoren auf.
