Prävention, Statine

Prävention ab 70: Statine senken Herzinfarkt-Risiko um 43%, helfen nicht bei Demenz

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 09:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bei über 70-Jährigen verringerte Atorvastatin kardiovaskuläre Ereignisse, zeigte aber keinen Demenzvorteil und gleich häufige schwere Nebenwirkungen.

STAREE-Studie: Statine senken Herzrisiken, nicht Demenz
Ein minimalistischer, heller medizinischer Laborraum mit einem Glasbecher auf einer weißen Oberfläche. Illustration mit AI erstellt.

Die präventive Gabe von Statinen bei älteren Erwachsenen ohne vorbestehende Erkrankungen ist Gegenstand intensiver wissenschaftlicher Diskussionen. Im August 2026 veröffentlichte das Fachjournal New England Journal of Medicine die Ergebnisse der STAREE-Studie, die den kardiovaskulären Nutzen und die Verträglichkeit einer Statinbehandlung bei über 70-Jährigen über mehrere Jahre hinweg systematisch analysierte.

Kardiovaskuläre Effekte und Demenzrisiko im Fokus

An der STAREE-Studie nahmen 9.971 Personen im Alter von mindestens 70 Jahren teil, die zu Beginn der Untersuchung weder an einer koronaren Herzkrankheit noch an Diabetes oder Demenz litten. Über eine mediane Nachbeobachtungszeit von 5,9 Jahren erhielt die Behandlungsgruppe täglich 40 mg Atorvastatin, während die Kontrollgruppe ein Placebopräparat einnahm.

Die Ergebnisse belegen eine messbare Risikoreduktion: Kardiovaskuläre Ereignisse traten in der Atorvastatin-Gruppe mit 10,9 pro 1.000 Personenjahre auf, verglichen mit 15,5 in der Placebogruppe. Dies entspricht einer Hazard Ratio (HR) von 0,70 und einer Number Needed to Treat (NNT) von 37. Bei Herzinfarkten lag die Hazard Ratio bei 0,57. Beim Auftreten von Demenzerkrankungen zeigte sich hingegen kein signifikanter Vorteil der Therapie: In der Statingruppe lag die Rate bei 10,6 pro 1.000 Personenjahre, in der Vergleichsgruppe bei 10,3. Schwere Nebenwirkungen wurden mit jeweils 2,7 Prozent in beiden Studienarmen auf identischem Niveau registriert.

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Muskelbeschwerden und Risiken von Verschreibungskaskaden

Laut Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) fordern kardiovaskuläre Erkrankungen jährlich 17,9 Millionen Todesfälle, was den weiten Einsatz cholesterinsenkender Medikamente begründet. Dennoch rücken mögliche Begleiterscheinungen in den Mittelpunkt der Betreffen.

Eine in Science Advances publizierte Studie der McMaster-Universität unter Leitung von Jonathan Schertzer identifizierte Mechanismen, über die Statine die Energiegewinnung der Muskelzellen stören und lokale Immunreaktionen auslösen können.

Statin-assoziierte Muskelbeschwerden betreffen schätzungsweise 7 bis 29 Prozent der Behandelten, während schwere Komplikationen wie eine Rhabdomyolyse mit einer Häufigkeit von rund 1 zu 10.000 bis 1 zu 100.000 selten bleiben.

Die Nebenwirkungen können zudem weiterführende medikamentöse Therapien nach sich ziehen. Eine im BMJ veröffentlichte Untersuchung an fast 2,3 Millionen älteren Erwachsenen ermittelte 24 Hochpriorität-Verschreibungskaskaden. Während 55 Prozent der analysierten Senioren Statine einnahmen, erhielten 10,9 Prozent der Neuanwender – rund einer von neun Patienten – innerhalb eines Jahres zusätzlich ein Schmerzmittel.

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Personalisierte Therapie und nicht-medikamentöse Optionen

Auswertungen legen nahe, dass ein Absetzen von Statinen im höheren Alter das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse nicht zwangsläufig steigert. Fachleute empfehlen daher zunehmend personalisierte Entscheidungen, bei denen der präventive Nutzen gegen Nebenwirkungen und Interaktionen abgewogen wird.

Für Patienten mit unzureichendem Ansprechen auf Statine oder bestehenden Gefäßerkrankungen stehen alternative Lipidsenker wie der PCSK9-Hemmer Alirocumab (Praluent) bereit, wenngleich dieser bei rund 7,2 Prozent der Anwender Reaktionen an der Injektionsstelle auslöst.

Zugleich verweisen Ernährungsmediziner auf das Potenzial von Lebensstilinterventionen: Ausgewogene Ernährungskonzepte können die Blutfettwerte im Schnitt um 10 bis 20 Prozent und in Einzelfällen um bis zu 50 Prozent verringern.

Empfohlen werden unter anderem der tägliche Verzehr einer Handvoll Nüsse, mehrmals wöchentlich Hülsenfrüchte sowie mindestens 30 Gramm Ballaststoffe pro Tag. Ergänzende Bewegung kann den Blutdruck zudem um 5 bis 9 mmHg senken.

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