Praxen-Umfrage, Großkrisen

Praxen-Umfrage: 90 Prozent schlecht auf Großkrisen vorbereitet

Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 07:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien und Praxisbeispiele zeigen: Mentale Übungen, klare Zuständigkeiten und bessere Krisenvorsorge sollen Menschen und Organisationen widerstandsfähiger machen.

Resilienz im Fokus: Warum Training und Strukturen Krisenfestigkeit stärken
Eine weitläufige, ruhige Berglandschaft mit markanten Gesteinsformationen bei Sonnenaufgang, die Beständigkeit und Ruhe symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Angesichts tiefgreifender industrieller Wandlungsprozesse, geopolitischer Spannungen und steigender Alltagsbelastungen setzen Institutionen und Unternehmen verstärkt auf Konzepte zur Förderung von Resilienz. Die psychologische Vorbereitung und die Festigung mentaler Stabilität rücken dabei in den Mittelpunkt, um die Handlungsfähigkeit in Extremsituationen sicherzustellen.

Psychologische Mechanismen und individuelle Anpassungsfähigkeit

Wissenschaftliche Erkenntnisse des Leibniz-Instituts für Resilienzforschung verdeutlichen, dass Resilienz trainierbar und zum Teil genetisch bedingt ist. Untersuchungen der Harvard University zeigen zudem, dass krisenfeste Organisationen vor allem auf psychologische Sicherheit anstelle stoischer Führungskräfte setzen. Krisenfestigkeit entsteht demnach maßgeblich durch funktionierende Strukturen und eine entsprechende Kultur.

Nach Einschätzung der Psychologin Stefanie Stahl ist das menschliche Gehirn nicht darauf ausgelegt, die Fülle negativer Nachrichten in Echtzeit zu verarbeiten. Infolgedessen falle das subjektive Bedrohungsgefühl häufig größer aus als die konkrete Gefahr. Zuversicht lasse sich jedoch durch gezieltes Handeln in jenen Bereichen wiedergewinnen, die man selbst beeinflussen kann.

Auch im Bereich der Einsatzvorbereitung spielt systematisches Training eine tragende Rolle. Die Astronautin und Meteorologin Insa Thiele-Eich verwies in einem Fachgespräch darauf, dass der Katastrophenschutz methodisch von der Raumfahrtausbildung profitieren könne.

Entscheidend seien das Einstudieren von Handlungsautomatismen, das ernsthafte Aufnehmen von Warnungen sowie eindeutig geregelte Zuständigkeiten, da Resilienz erlernbar sei.

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Im sportlichen Bereich hoben die Mentaltrainer Michael Draksal und Andreas Bosch im Rahmen einer Podcast-Produktion hervor, wie wichtig gezielte Drucksimulationen im Training sowie mentale Routinen nach Fehlern für die Leistungsstabilität sind.

Präventionsangebote gegen steigende Belastungsmuster

Dass mentale Unterstützung auch in der breiten Bevölkerung an Bedeutung gewinnt, zeigen aktuelle Erhebungen. Laut einer Studie des Robert Koch-Instituts verzeichnet fast ein Viertel der Erwachsenen in Deutschland eine erhöhte Stressbelastung, wobei Frauen sowie die Gruppe der 18- bis 29-Jährigen besonders stark betroffen sind.

Als Reaktion darauf startete die AOK Bayern Anfang September in Zusammenarbeit mit der Aumio GmbH die Anwendung Ally. Das Präventionsangebot richtet sich an Versicherte im Alter von 18 bis 65 Jahren und umfasst 24 Einheiten über einen Zeitraum von drei Monaten.

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Dauerstress und Erschöpfung sind oft die Folge einer dauerhaft hohen Belastung des Nervensystems. Ein kostenloser Report enthüllt, wie man den Vagusnerv als natürlichen „Gesundheitsschalter“ aktiviert, um die eigene Stressresistenz im Alltag zu erhöhen. Kostenlosen Report zur Vagus-Therapie anfordern

Zudem stellte die AOK ein Trainingsprogramm zur Vorbereitung auf Arztgespräche vor, welches auf Daten des Heidelberger IKPF basiert; laut der Vorstandsvorsitzenden Carola Reimann beeinflusst ein gelungener Austausch maßgeblich den Therapieerfolg.

Organisatorische Belastbarkeit in sicherheitsrelevanten Bereichen

Neben individuellen Methoden fordern Fachleute auch im gesamtgesellschaftlichen Kontext eine stärkere strukturelle Vorbereitung. Kapitän zur See Michael Giss, Kommandeur des Landeskommandos Baden-Württemberg, forderte Unternehmen zu einer intensiveren Krisenvorsorge auf.

Da hybride Kriegsführung keine klassischen Aufmarschgebiete benötige, fehle es in Wirtschaft und Bevölkerung mitunter an Problembewusstsein für bestehende Risiken. Eine NATO-Verlegung an die Ostflanke könne demnach rund 800.000 Soldaten und 200.000 Fahrzeuge über einen Zeitraum von bis zu sechs Monaten umfassen.

Wie groß die praktischen Lücken im Ernstfall sein können, belegt eine Befragung von 4.005 Ärzten und Psychotherapeuten im Rahmen des Zi-Praxis-Panels von Ende April bis Ende Juli 2026. Demnach gaben rund 90 Prozent der Praxen an, schlecht auf Großkrisen vorbereitet zu sein.

Etwa 80 Prozent sehen sich unzureichend für einen Massenanfall von Verletzten gerüstet, lediglich zehn Prozent verfügen über Notstromaggregate, und 93 Prozent kennen ihre zugedachte Funktion im Katastrophenfall nicht.

Um solchen Schwachstellen zu begegnen, betonte auch Oberst Michael Trautermann bei einem Branchentreffen in Mainz vor rund 300 Teilnehmenden, dass die Streitkräfte für logistische Aufgaben auf verlässliche Unterstützung aus zivilen Sektoren angewiesen bleiben.

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