Progressive Muskelrelaxation: Studie mit 106 Patienten zeigt weniger Angst
Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 20:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deFachpublikationen und medizinische Register dokumentieren die Wirkungsweise strukturierter Entspannungsverfahren bei der Linderung von Angstzuständen. Neben der historischen Entwicklung klassischer Methoden wie dem Autogenen Training stehen dabei standardisierte Ansätze wie die Progressive Muskelrelaxation im Zentrum klinischer Untersuchungen.
Klinische Belege für die Progressive Muskelrelaxation
Die Wirksamkeit der von Edmund Jacobson begründeten Progressiven Muskelrelaxation (PMR) wurde in einer 2025 durchgeführten randomisierten kontrollierten Studie am Imam Khomeini Hospital in Sari untersucht.
An der im Journal of Pain Research (Vol. 2026:19) publizierten Untersuchung nahmen 106 Discektomie-Patienten teil, aufgeteilt in zwei Gruppen zu je 53 Personen. Die Interventionsgruppe absolvierte ab zwei Tage präoperativ bis sieben Tage postoperativ zweimal täglich eine 15-minütige Einheit.
Die Ergebnisse zeigten bei der Zustandsangst eine signifikante Verringerung mit einer adjustierten Mitteldifferenz von -12,02 (95% CI -15,06 bis -8,98; P<0,001; partielles ?²=0,374). Die Eigenschaftsangst sank adjustiert um -7,43 (95% CI -10,31 bis -4,56; P<0,001).
Beim postoperativen Schmerz zeigte sich eine signifikante Gruppe×Zeit-Interaktion (P<0,001) mit messbaren Vorteilen nach der Abendsitzung am zweiten postoperativen Tag (P=0,008) sowie nach beiden Sitzungen am siebten postoperativen Tag (P<0,001).
Zudem fielen die Veränderungen bei systolischem und diastolischem Blutdruck, Herzfrequenz, Atemfrequenz sowie Sauerstoffsättigung adjustiert signifikant aus (alle P?0,012).
Physiologische Wirkungsweise und Benson-Methode
Entspannungstraining zielt generell darauf ab, emotionale Erregung, Muskelanspannung und Überaktivität des Nervensystems zu reduzieren. Durch die Aktivierung des Parasympathikus sinken Herzfrequenz und Blutdruck, während der Organismus auf eine tiefe Bauchatmung umstellt.
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Methodisch wird zwischen körperlichen Verfahren wie der PMR und kontrollierten Atemübungen sowie mentalen Techniken wie geführter Imagination, Achtsamkeit und Meditation unterschieden.
Eine in den 1970er Jahren von Herbert Benson entwickelte Variante, die Benson-Relaxationstechnik (BRT), setzt auf eine 20-minütige Abfolge aus Muskelentspannung von den Füßen bis zum Kopf, Nasenatmung und einer stillen Fokussierung auf die Zahl eins beim Ausatmen. Die Methode reguliert den Hypothalamus und stellt das Gleichgewicht zwischen Sympathikus und Parasympathikus wieder her.
In Pflege-Übersichtsarbeiten wird der Nutzen der BRT bei diversen Indikationsfeldern beschrieben: Saifan belegte eine Reduktion von Angst und Depression bei Multipler Sklerose, Heshmati-Far zeigte Verbesserungen bei Alltagsaktivitäten von Hämodialyse-Patienten, Septimar dokumentierte Blutzuckersenkungen bei Diabetes und Molazem eine Schmerzlinderung bei Hämophilie.
Zudem reduzierten sich laut Barabady präoperative Ängste und der Propofol-Bedarf bei Kataraktoperationen, während Keihani Schmerzminderungen nach Spinalanästhesien feststellte. Bagheri beobachtete Verbesserungen der Schlafqualität nach Bypass-Operationen durch BRT und PMR, und Pishgooie verzeichnete Schmerzsenkungen nach Laminektomien an sämtlichen Messzeitpunkten.
Neben klinischen Entspannungsmethoden gibt es weitere wissenschaftlich untersuchte Ansätze, die speziell auf die Regulierung wichtiger Körperwerte wie den Blutdruck abzielen. Dieser kostenlose Report stellt drei gezielte Übungen vor, die laut Studienlage eine hohe Wirksamkeit bei minimalem Zeitaufwand zeigen. Gratis-Report: 3 Übungen gegen Bluthochdruck sichern
Therapeutische Einordnung und Präventionspraxis
Der Psychologe Pavel Javneryov ordnet Methoden wie die Jacobson-Entspannung oder die 4-7-8-Atemtechnik als rein symptomatische Hilfen ein. Sie könnten den Körper beruhigen und die Anspannung des Nervensystems akut absenken, beseitigten Ängste jedoch nicht grundlegend.
Für eine nachhaltige Senkung des Angstniveaus gelte die kognitive Verhaltenstherapie als wirksamster Ansatz, da sie auf das Erkennen und Verändern angstauslösender Denkmuster abziele, während bei Bedarf auch medikamentöse Beruhigungsmittel herangezogen würden.
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