Project Panama: Anthropic kauft täglich 11.000 Bücher für KI-Training
Veröffentlicht am: 15.08.2026 um 23:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Technologieunternehmen Anthropic verfolgt im Rahmen einer Initiative mit dem Namen „Project Panama“ eine ungewöhnliche Strategie zur Beschaffung von Trainingsdaten. Das Unternehmen kauft in großem Umfang physische Gebrauchtbücher auf, um diese zu digitalisieren und anschließend zu entsorgen. Berichten zufolge erwirbt Anthropic täglich bis zu 11.000 Bücher für diesen Zweck.
Destruktives Scannen als Methode zur Datenaufbereitung
Der Prozess hinter „Project Panama“ ist auf Effizienz und die Gewinnung hochwertiger digitaler Texte ausgelegt. Die erworbenen physischen Bücher werden einem sogenannten destruktiven Scan-Verfahren unterzogen. Dabei werden die Buchrücken aufgeschnitten, um die einzelnen Seiten schnell und präzise einscannen zu können. Nach Abschluss der Digitalisierung werden die Originale nicht erhalten, sondern das Papier wird dem Recycling zugeführt.
Gerichtsdokumenten zufolge ist das Ziel des Projekts, alle verfügbaren Bücher weltweit auf diese Weise zu erfassen. Anthropic begründet dieses Vorgehen unter anderem mit der abnehmenden Qualität von online verfügbaren Daten sowie einer spezifischen rechtlichen Bewertung des sogenannten Fair-Use-Prinzips. Das Unternehmen bestreitet in diesem Zusammenhang jedoch, seltene Bücher aufzukaufen oder zu vernichten.
Rechtliche Bewertung und frühere Auseinandersetzungen
Die Praxis des Unternehmens wurde bereits juristisch geprüft. Am 23. Juni 2025 entschied der US-Bezirksrichter William Alsup im Fall Bartz v. Anthropic, dass die Nutzung der gekauften Bücher durch das Unternehmen rechtmäßig sei. Der Richter bewertete den Prozess als äußerst transformativen Fair Use (angemessene Verwendung).
Diese Entscheidung steht im Kontrast zu anderen rechtlichen Herausforderungen des Unternehmens. Separat von Project Panama wurde Anthropic vorgeworfen, über 7 Millionen Bücher piratisiert zu haben. In diesem Fall kam es zu einer Einigung über eine Zahlung von 1,5 Milliarden US-Dollar, die im Juli 2026 gerichtlich genehmigt wurde.
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Während der aktuelle physische Aufkauf rechtlich gestützt wird, weist eine Professorin der Universität Oxford darauf hin, dass etwa das britische Urheberrecht explizite Erlaubnisse für das Kopieren von geschützten Werken verlangt.
Auswirkungen auf den internationalen Buchmarkt
Buchhändler in Großbritannien und Irland berichten bereits seit Mai 2026 von ungewöhnlichen Sammelbestellungen durch nicht identifizierte Käufer. Der Buchladen Kennys in Irland erhielt beispielsweise eine Bestellung über 5.000 Bücher. Ein anderer Verkäufer gab an, seit Anfang des Jahres 6.000 Bücher für anonyme Abnehmer bereitgestellt zu haben.
Besonders auffällig sind die Transaktionen bei dem bekannten Buchladen Barter Books in Northumberland. Dort wurde eine gesamte Wochenmenge an Beständen in einer einzigen Sammelbestellung an ein kanadisches Unternehmen veräußert. Insgesamt verkaufte der Laden Bücher im Wert von 4.000 Pfund Sterling an drei Käufer.
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Ein Verantwortlicher des Buchladens beschrieb die Bestellungen, die vor etwa drei Monaten begannen, als völlig unsortiert und ohne thematische Konsistenz. Die Käufer würden zudem den vollen Preis zahlen, was für Großabnehmer im Gebrauchtbuchsektor unüblich ist.
Innerhalb der Branche wächst die Besorgnis über den massenhaften Abzug von physischen Büchern aus dem Markt. Buchhändler warnen vor einem möglichen Verlust von kulturellem Erbe, wenn Bestände systematisch aufgekauft und vernichtet werden, nur um als Datenquelle für KI-Modelle zu dienen.
Zwischenzeitlich bewarb auch die Plattform ISBNdb Trainingsdaten für künstliche Intelligenz unter strengen Geheimhaltungsvereinbarungen, löschte die entsprechende Seite jedoch kurze Zeit später wieder.
