Prostatakrebs, ASTRO

Prostatakrebs: ASTRO empfiehlt kürzere Bestrahlung für alle Risikogruppen

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 22:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die ASTRO empfiehlt kompaktere Strahlentherapien bei lokalisiertem Prostatakrebs; die Wirksamkeit bleibt laut Studien vergleichbar.
Ein klinischer Behandlungsraum für Strahlentherapie mit einem modernen Linearbeschleuniger in einer ruhigen, sterilen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Die Behandlung des lokalisierten Prostatakarzinoms erfährt eine deutliche Verschiebung hin zu kompakteren Therapieplänen. Die American Society for Radiation Oncology (ASTRO) hat ihre klinische Leitlinie zur hypofraktionierten Strahlentherapie bei lokalisiertem Prostatakarzinom grundlegend aktualisiert.

Die Fachgesellschaft spricht sich darin für kürzere Kurse der externen Strahlentherapie (EBRT) aus. Das Regelwerk, das in der Fachzeitschrift Practical Radiation Oncology publiziert wurde, ersetzt die bisherigen Empfehlungen aus dem Jahr 2018.

Moderate Hypofraktionierung für alle Risikogruppen

Im Zentrum der überarbeiteten Leitlinie steht die Empfehlung, die moderate Hypofraktionierung der herkömmlichen, konventionellen Fraktionierung bei einer definitiven EBRT als Primärtherapie vorzuziehen. Diese Empfehlung gilt für Patienten über alle Risikogruppen hinweg. Durch dieses Vorgehen verkürzt sich die Gesamtdauer des Behandlungszyklus auf vier bis sechs Wochen.

Als wissenschaftliche Grundlage für diesen Schritt verweist die ASTRO auf Erkenntnisse aus randomisierten Studien mit über 7.000 Patienten. Die Daten belegen bei kürzeren Behandlungszyklen eine vergleichbare Tumorkontrolle, ein ähnliches Nebenwirkungsprofil sowie eine gleichwertige Lebensqualität im Vergleich zu langwierigeren Bestrahlungskonzepten.

Hinsichtlich der Dosierung empfiehlt die Fachgesellschaft spezifische moderate Schemata: entweder 6000 bis 6200 cGy verteilt auf 20 Fraktionen oder 7000 cGy aufgeteilt auf 28 Fraktionen.

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Stellenwert der Ultrahypofraktionierung

Eine noch stärkere Verkürzung ermöglicht die sogenannte Ultrahypofraktionierung, auch bekannt als stereotaktische Körperstrahlentherapie (SBRT). Bei diesem Ansatz wird die gesamte Bestrahlung in fünf Sitzungen innerhalb von ein bis zwei Wochen verabreicht.

Die Leitlinie spricht für dieses Verfahren eine starke Empfehlung als Standardoption aus, insbesondere bei Patienten mit intermediärem Risiko sowie bei Niedrigrisikopatienten, die sich gegen eine aktive Überwachung entschieden haben.

Für Betroffene mit einem hohen oder sehr hohen Risikoprofil stuft die Fachgesellschaft die Ultrahypofraktionierung hingegen lediglich als bedingt empfohlen ein. Das empfohlene Dosisintervall für diese Kurzzeittherapie liegt bedingt bei 3625 bis 4000 cGy in fünf Fraktionen. Behandlungskonzepte mit weniger als fünf Fraktionen sollten nach Vorgabe der ASTRO außerhalb von klinischen Studien nicht zum Einsatz kommen.

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Individuelle Faktoren und epidemiologische Relevanz

Bei der Auswahl des passenden Therapieregimes spielen individuelle Vorerkrankungen der Patienten weiterhin eine entscheidende Rolle. Zeigen Patienten ausgeprägte vorbestehende Harnwegssymptome, wird laut Leitlinie die moderate Hypofraktionierung bedingt bevorzugt, um Risiken für das Harntraktgewebe abzuwägen.

Die Anpassung der Bestrahlungsstandards betrifft eine große Zahl von Patienten. Nach Einschätzung der Fachgesellschaft werden für das Jahr 2026 allein in den USA fast 334.000 neue Prostatakrebsfälle erwartet. Durch die Reduzierung der Behandlungswochen können logistische Belastungen für Patienten und medizinische Einrichtungen verringert werden, ohne die onkologische Wirksamkeit zu beeinträchtigen.

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