Prostatakrebs: Darolutamid senkt Metastasen- oder Sterberisiko um 58 Prozent
Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 02:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deNeue Studienergebnisse eröffnen veränderte Perspektiven für die Behandlung von Prostatakrebs-Patienten mit hohem Rezidivrisiko. Eine Interimsanalyse der Phase-III-Studie DASL-HiCaP (NCT04136353), durchgeführt von der ANZUP Clinical Trials Group und Bayer, wurde beim ESMO-Kongress 2026 in Madrid im Rahmen des Presidential Symposium I als Late-Breaking Abstract vorgestellt.
Die Auswertung zeigt, dass der Wirkstoff Darolutamid in Kombination mit einer Androgendeprivationstherapie (ADT) und lokoregionärer Strahlentherapie das Risiko für Metastasen oder Tod im Vergleich zu Placebo plus ADT und Strahlentherapie um 58 Prozent senkte (HR 0,42; 95%-KI 0,27–0,66; p=0,0001). Die mediane Nachbeobachtungszeit lag bei 3,8 Jahren.
Signifikante Verlängerung des metastasenfreien Überlebens
Die Rate des metastasenfreien Überlebens (MFS-CI) nach vier Jahren erreichte unter Darolutamid 95 Prozent, verglichen mit 88 Prozent in der Placebogruppe. Dabei traten 27 MFS-CI-Ereignisse im Verum-Arm gegenüber 63 Ereignissen im Kontrollarm auf. Betrachtet man die Metastasen isoliert, verzeichnete der Darolutamid-Arm 9 Fälle, was 33 Prozent der MFS-Ereignisse entsprach.
Im Placebo-Arm traten 46 Metastasen auf, was 73 Prozent der Ereignisse ausmachte. Todesfälle ohne vorherige Metastasen machten 18 Fälle (67 Prozent) im Verum-Arm und 17 Fälle (27 Prozent) im Placebo-Arm aus. Von den insgesamt 21 beziehungsweise 24 Todesfällen waren 4 im Darolutamid- und 7 im Kontrollarm auf den Prostatakrebs zurückzuführen.
Auch bei weiteren Endpunkten ergaben sich Vorteile für die intensivierte Therapie. Das PSA-progressionsfreie Überleben zeigte eine Risikoreduktion um 53 Prozent (HR 0,47; 95%-KI 0,33–0,67) mit einer 4-Jahres-Rate von 91 Prozent gegenüber 83 Prozent bei 46 versus 95 Ereignissen. Das kastrationsresistenzfreie Überleben nach vier Jahren bezifferte die Analyse auf 99 Prozent im Vergleich zu 95 Prozent unter Placebo (HR 0,22; 95%-KI 0,09–0,52).
Hinsichtlich des prostatakrebsspezifischen Überlebens (PCSS-HR 0,58; 95%-KI 0,17–1,97; jeweils 99 Prozent nach vier Jahren bei 4 versus 7 Ereignissen) und des Gesamtüberlebens (OS-HR 0,88; 95%-KI 0,49–1,59; 97 Prozent gegenüber 95 Prozent nach vier Jahren bei 21 versus 24 Todesfällen) zeigte sich bisher kein statistisch signifikanter Unterschied. Die Nachbeobachtung der Patienten wird fortgesetzt.
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Studiendesign und Subgruppenanalysen
Die multizentrische Studie umfasste Teilnehmer aus Australien, Neuseeland, Kanada, den USA, Irland und dem Vereinigten Königreich. Die Dosierung von Darolutamid betrug 600 mg zweimal täglich über einen Zeitraum von 96 Wochen. Insgesamt erhielten 935 Patienten (85 Prozent) eine primäre Strahlentherapie und 171 Patienten (15 Prozent) eine Salvage-Strahlentherapie.
Bei 613 Patienten (55 Prozent) wurde vor Studienbeginn eine PSMA-PET-Untersuchung durchgefĂĽhrt. Die vorgelegte Interimsanalyse erfolgte nach 67 Prozent der fĂĽr die finale Auswertung notwendigen Ereignisse bei einem Follow-up von 46 Monaten.
In der Subgruppe der Patienten mit Nodalstatus N1, die 316 Teilnehmer umfasste, lag die Hazard Ratio für das metastasenfreie Überleben bei 0,39 (95%-KI 0,19–0,81). Dieser Wert bewegt sich in einem ähnlichen Rahmen wie frühere Studienergebnisse aus der STAMPEDE-Studie (774 N1-Patienten; HR 0,49; 95%-KI 0,38–0,64) und der ENZARAD-Studie (88 N1-Patienten; HR 0,43; 95%-KI 0,20–0,92).
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Die Diskutantin beim Kongress, Silke Gillessen, merkte an, dass die Indikation bei Patienten mit N1-Befund am klarsten erscheine, zugleich jedoch Biomarker erforderlich seien, um eine potenzielle Ăśberbehandlung zu vermeiden.
Verträglichkeit und regulatorischer Status
Die Auswertung der Sicherheitsdaten ergab keine neuen Sicherheitssignale. UnerwĂĽnschte Ereignisse ab dem Schweregrad 3 traten bei 43 Prozent der Patienten im Darolutamid-Arm und bei 36 Prozent in der Placebogruppe auf.
Fatigue oder Asthenie vom Grad 2 oder höher betraf 14 Prozent gegenüber 10 Prozent. Hypertonie lag bei 7 Prozent im Vergleich zu 9 Prozent, während kardiale Ereignisse in beiden Behandlungsgruppen bei jeweils 3 Prozent verzeichnet wurden.
Die in Madrid vorgestellten Daten sind bislang noch nicht durch ein Peer-Review-Verfahren gelaufen. Zudem verfĂĽgt das unter dem Namen NUBEQA vermarktete Darolutamid von Bayer bislang ĂĽber keine Zulassung fĂĽr das Hochrisiko-Setting vor dem Auftreten von Metastasen.
In den USA ist das Medikament fĂĽr die Behandlung von metastasiertem hormonsensitivem Prostatakrebs (mCSPC, mit oder ohne Docetaxel) und nicht-metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakrebs (nmCRPC) zugelassen.
Nach Angaben von Bayer Australia wird das Präparat im dortigen staatlichen System (PBS) derzeit ausschließlich für metastasierten oder ADT-resistenten Prostatakrebs erstattet, weshalb für einen erweiterten Einsatz zunächst eine Anpassung beantragt werden müsste.
