Prostatakrebs, Erhöhter

Prostatakrebs: Erhöhter PSA-Wert ist kein Krebsbeweis

Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 08:06 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ein erhöhter PSA-Wert kann viele Ursachen haben. Fachleute empfehlen eine risikobasierte Abklärung mit weiteren Untersuchungen statt vorschneller Schlüsse.

PSA-Wert erhöht: Warum der Befund noch keine Krebsdiagnose ist
Ein heller, minimalistischer Untersuchungsraum in einer medizinischen Praxis mit einem leeren Stuhl und einer Liege. Illustration mit AI erstellt.

Ein erhöhter PSA-Wert löst bei vielen Männern zunächst Sorge aus. Mediziner betonen jedoch übereinstimmend, dass der Wert allein keine Krebsdiagnose darstellt, sondern lediglich als allgemeines Signal für die Prostatagesundheit zu verstehen ist. Aus diesem Grund raten Ärzte auch dazu, das Screening nicht aus Angst zu meiden.

PSA-Werte im Kontext lesen

Dr. Patience Naa Adaku Bortie von der GPHA Clinic erklärte laut einem Bericht vom 14. September 2026, dass ein erhöhter PSA-Wert kein Beweis für Krebs sei. Auch Infektionen, Entzündungen, Ejakulation oder sportliche Betätigung könnten den Wert vorübergehend erhöhen. Als Referenzbereich gelten demnach Werte von 0 bis 4, wobei zusätzlich altersspezifische Grenzwerte zu berücksichtigen seien.

Diese Einschätzung deckt sich mit den Aussagen mehrerer türkischer Fachärzte, die ebenfalls Mitte September 2026 zitiert wurden. Prof. Dr. Eyüp Veli Küçük vom Memorial Göztepe Krankenhaus wies darauf hin, dass auch eine gutartige Prostatavergrößerung oder Entzündungen den PSA-Wert erhöhen können – und dass umgekehrt ein normaler Wert Krebs nicht ausschließe. Er plädierte für eine risikobasierte Früherkennung statt eines einheitlichen Testalters für alle Männer.

Op. Dr. Fatih Kocamano?lu vom Yozgat ?ehir Hastanesi ergänzte, dass Prostatakrebs im Frühstadium häufig symptomlos verlaufe und das Risiko ab dem 50. Lebensjahr steige. Er empfahl den PSA-Test grundsätzlich ab 50 Jahren, bei familiärer Vorbelastung oder afrikanischer Herkunft bereits ab 45 Jahren und bei einer BRCA2-Mutation ab 40 Jahren. Eine Biopsie solle erst nach vorheriger multiparametrischer MRT-Untersuchung erfolgen.

Warnzeichen und Diagnoseweg

Häufiges Wasserlassen, nächtlicher Harndrang, ein schwacher Harnstrahl sowie Schmerzen oder Blut im Urin gelten als mögliche Warnzeichen, auch wenn Prostatakrebs im Frühstadium oft keine Beschwerden verursacht. Der diagnostische Weg führt in der Regel über rektale Tastuntersuchung, MRT und gegebenenfalls eine gezielte oder transperineale Biopsie.

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Die Therapie richtet sich individuell nach PSA-Wert, Gleason-Score und Krankheitsstadium; als moderne Optionen werden robotergestĂĽtzte oder laparoskopische Verfahren, HIFU, Kryoablation und irreversible Elektroporation genannt. Bei langsam wachsenden FrĂĽhstadien kann laut Berichten vom 15. September 2026 auch eine aktive Ăśberwachung eine geeignete Strategie sein.

Prof. Dr. Soner Çoban vom Bursa Yüksek ?htisas E?itim ve Ara?t?rma Hastanesi bezeichnete Prostatakrebs als zweithäufigste Krebsart bei Männern – demnach ist jeder achte Mann betroffen. Er empfahl eine Früherkennung ab 40 Jahren bei familiärer Vorbelastung beziehungsweise ab 50 Jahren generell und verwies darauf, dass die Heilungsrate bei früher Erkennung nahe 100 Prozent liege.

Internationale Zahlen und Empfehlungen

Weltweit wurden laut GLOBOCAN 2022 rund 1.467.854 Neudiagnosen und 397.430 Todesfälle durch Prostatakrebs verzeichnet, was 7,3 Prozent aller Krebsfälle entspricht und den Tumor zum zweithäufigsten bei Männern macht.

Die US-amerikanische USPSTF empfiehlt, die Entscheidung für einen PSA-Test bei 55- bis 69-Jährigen individuell zu treffen; ab 70 Jahren wird kein systematisches Screening mehr empfohlen. Die Mayo Clinic rät bei erhöhtem Risiko bereits ab 40 bis 45 Jahren zum Gespräch mit dem Arzt.

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Ein PSA-Wert über 4,0 ng/ml motiviert demnach zu weiterer Abklärung, wobei laut National Cancer Institute die Falsch-Positiv-Rate bei 6 bis 7 Prozent liegt und nur rund 25 Prozent der nach erhöhtem PSA durchgeführten Biopsien tatsächlich eine Krebsdiagnose ergeben.

Für Brasilien schätzt das INCA für den Zeitraum 2023 bis 2025 jährlich 71.730 neue Prostatakrebsfälle, ebenfalls die zweithäufigste Tumorart bei Männern im Land.

Die brasilianische Fachgesellschaft SBU empfiehlt den Screening-Beginn mit 50 Jahren, bei familiärer Vorbelastung, schwarzen Männern oder einer BRCA-Mutation bereits ab 45 Jahren, bei mehreren Familienfällen vor dem 60. Lebensjahr sogar ab 40 Jahren.

Als Referenzwerte gelten dabei unter 2,5 ng/ml bis 65 Jahre und unter 4,0 ng/ml ab 65 Jahren. Das INCA weist zudem darauf hin, dass Adipositas und metabolisches Syndrom das Risiko um bis zu 56 Prozent erhöhen können.

Neue diagnostische Ansätze

Um die hohe Zahl unnötiger Biopsien zu senken, arbeiten Forscher an präziseren Methoden. Das Unternehmen 5Q Spectra aus Vancouver stellte laut einem Bericht vom 14. September 2026 beim Davos of Healthcare Summit in New York einen Bluttest namens Prostate Dx/PSB vor.

Der Test erreicht demnach eine AUC von 0,86, in Kombination mit Bildgebung und künstlicher Intelligenz rund 0,92, bei einer Sensitivität von etwa 95 Prozent. Er soll das Potenzial haben, bis zu 44 Prozent unnötiger Biopsien zu vermeiden, und ist als laborentwickelter Test in CLIA-zertifizierten Laboren verfügbar. Die Entwicklung habe 15 Jahre in Anspruch genommen und mehr als 85 Millionen kanadische Dollar an Investitionen erfordert.

Auch in der Türkei wurde ein neuer Berechnungsansatz vorgestellt: In einer Facharztarbeit von Dr. Samet Demir am Haydarpa?a Numune Krankenhaus in Istanbul wird eine Formel namens „aPSADPZ“ (angepasste periphere Zonen-PSA-Dichte) in Kombination mit multiparametrischer MRT und PI-RADS-Klassifikation vorgeschlagen, um unnötige Biopsien zu reduzieren. Der Arbeit zufolge steigt das Risiko klinisch relevanter Tumoren, je kleiner das Prostatavolumen ausfällt.

Vorsorgeangebote in Europa

Zum Europäischen Prostatatag riefen die Urologische Stiftung Gesundheit gemeinsam mit Bayer Vital und der Donut-Kette Brammibal's die Aktion „Ponut“ ins Leben, bei der in Berlin und Hamburg kostenlose Donuts verteilt wurden, um auf das Thema aufmerksam zu machen. Laut Stiftung ist Prostatakrebs die häufigste Krebsart bei Männern in Deutschland, mit rund 70.000 Neuerkrankungen und etwa 15.000 Todesfällen jährlich.

In Österreich verschickte die ÖGK rund 500.000 Einladungsbriefe zur kostenlosen Vorsorgeuntersuchung, an der grundsätzlich alle Personen ab 18 Jahren einmal jährlich teilnehmen können, sofern die letzte Untersuchung mindestens zwölf Monate zurückliegt. Über 6.328 Vertragspartner nahmen 2025 rund 1,2 Millionen Menschen teil, davon 56 Prozent Frauen.

Bei 160.000 Teilnehmern wurde erstmals ein Krankheitshinweis festgestellt – darunter mehr als 75.000 Fälle von Bluthochdruck, rund 43.000 Diabetesfälle und mehr als 30.000 kardiovaskuläre Erkrankungen sowie 27.000 Hautauffälligkeiten. Die Prostatakrebs-Früherkennung ist im Rahmen dieses Programms ab 50 Jahren vorgesehen.

Die Vielzahl der Einschätzungen macht deutlich: Ein erhöhter PSA-Wert ist ein Ausgangspunkt für weitere ärztliche Abklärung, kein Urteil. Fachleute raten daher übereinstimmend, sich nicht von der Angst vor einem auffälligen Testergebnis von der Vorsorgeuntersuchung abhalten zu lassen.

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