Prostatakrebs-FrĂŒherkennung: Mikroultraschall entdeckt 26 zusĂ€tzliche Tumoren
Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 04:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Diagnostik von Prostatakrebs entwickelt sich weiter: Neben dem etablierten PSA-Test rĂŒcken bildgebende Verfahren wie Mikroultraschall, MR-Fusionsbiopsien und neue Urin-Biomarker in den Fokus. Mediziner und Fachgesellschaften diskutieren zugleich, wie ein strukturiertes Screening aussehen sollte, um MĂ€nner risikoadaptiert zu untersuchen.
Mikroultraschall lenkt die Biopsie-Nadel prÀziser
Prof. Dr. Murat Binbay vom Memorial ?i?li Krankenhaus verweist auf die Möglichkeiten der Mikroultraschall-Technik: Sie zeigt die Prostata in Echtzeit und erlaubt es, die Biopsie-Nadel direkt auf verdĂ€chtige Areale zu lenken. In einer von ihm angefĂŒhrten Untersuchung waren von 244 im MRT identifizierten LĂ€sionen 206 auch im Mikroultraschall sichtbar.
ZusÀtzlich entdeckte das Verfahren 26 weitere LÀsionen, darunter drei signifikante Karzinome. Als Referenz nennt Binbay die OPTIMUM-Studie, die 2025 im Fachjournal JAMA veröffentlicht wurde und 678 MÀnner an 19 Zentren in Kanada, den USA und Europa einschloss.
Binbay betont zudem, dass ein normaler PSA-Wert Prostatakrebs nicht ausschlieĂt. FĂŒr das Screening empfiehlt er einen Beginn ab 50 Jahren, bei familiĂ€rer Vorbelastung ab 45 Jahren und bei zwei oder mehr betroffenen Verwandten bereits ab 40 Jahren.
Risikoadaptiertes Screening als Forderung
Die Wiener Ărztekammer fordert ein strukturiertes, risikoadaptiertes Prostatakrebs-Screening mit aktiver Einladung fĂŒr MĂ€nner zwischen 40 und 70 Jahren. Vorgesehen ist eine Ersttestung mit 50 Jahren: Liegt der PSA-Wert unter 1 ng/ml, soll ein erneuter Test erst nach 5 bis 10 Jahren erfolgen.
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Bei Werten zwischen 1 und 2,99 ng/ml wird eine Kontrolle alle zwei Jahre empfohlen, ab einem Wert von 3 ng/ml eine Wiederholung nach 2 bis 6 Wochen. Als Beleg fĂŒr den Nutzen eines organisierten Screenings fĂŒhrt die Ărztekammer die ERSPC-Studie an, die in ihrer Per-Protocol-Analyse eine Senkung der prostatakarzinomspezifischen MortalitĂ€t um 51 Prozent zeigte.
Auch Prof. Dr. Hasan Bak?rta? von Medicana rĂ€t zu einem Screening-Beginn ab 50 Jahren, bei einem erstgradigen Verwandten mit Prostatakrebs ab 45 und bei zwei betroffenen Verwandten ab 40 Jahren. Er weist darauf hin, dass ĂŒber 50 Prozent der 90-jĂ€hrigen MĂ€nner Prostatakrebs aufweisen, die Erkrankung dabei jedoch meist asymptomatisch verlĂ€uft.
FĂŒr die Einordnung von MRT-Befunden dient die PI-RADS-Skala von 1 bis 5, wobei ein höherer Wert eine höhere Krebswahrscheinlichkeit anzeigt. Nach EinschĂ€tzung von Bak?rta? liegt die TĂŒrkei bei dieser Bildgebung auf europĂ€ischem Niveau.
Die europĂ€ische Urologen-Leitlinie nennt Ă€hnliche Altersgrenzen: PSA-Screening ab 50 Jahren fĂŒr die Allgemeinbevölkerung, ab 45 Jahren bei familiĂ€rer Vorbelastung und ab 40 Jahren bei nachgewiesener BRCA2-Mutation. Zugleich betont die Leitlinie, dass der PSA-Test allein kein Tumormarker ist â die endgĂŒltige Diagnose erfordere rektale Untersuchung, multiparametrisches MRT und Biopsie.
Neue Biomarker und Biopsie-Techniken
Ein 19-Biomarker-Urintest auf CE-MS-Basis erzielte in einer im British Journal of Cancer 2026 veröffentlichten Studie an zwei spanischen Kliniken bei 161 biopsie-naiven MÀnnern eine deutlich höhere diagnostische Genauigkeit (AUC 0,79) als der PSA-Wert allein (AUC 0,54).
Zum Vergleich lagen ERSPC bei 0,63, PSAD bei 0,61 und mpMRI bei 0,65. Bei niedrigem PI-RADS-Score erreichte der Urintest eine SensitivitÀt von 75 Prozent und eine SpezifitÀt von 90 Prozent; in Kombination mit mpMRI stieg die AUC auf 0,82, bei 90 Prozent SpezifitÀt und 64 Prozent SensitivitÀt.
ErgĂ€nzend etabliert sich die MR-Fusion transperineale Prostatabiopsie: Dabei werden MRT-Bilder mit Echtzeit-Ultraschall fusioniert und die Nadel ĂŒber das Perineum statt ĂŒber das Rektum gefĂŒhrt. Das Verfahren liefert 12 bis 25 Gewebeproben in 20 bis 30 Minuten, meist unter lokaler AnĂ€sthesie, und gilt als risikoĂ€rmer hinsichtlich Infektionen und Sepsis als die transrektale Methode.
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Auch Proben aus Vorder- und Apexregion der Prostata lassen sich damit besser gewinnen. Ab einem PI-RADS-Wert von 3 wird eine gezielte Biopsie vorgenommen, Ergebnisse liegen nach 1 bis 2 Wochen vor.
Kostenfrage bleibt bestehen
In Deutschland zahlen gesetzliche Krankenkassen MĂ€nnern ab 45 Jahren jĂ€hrlich eine Tastuntersuchung zur Prostatakrebs-FrĂŒherkennung. Der PSA-Test selbst ist keine Kassenleistung, sondern eine individuelle Gesundheitsleistung und kostet zwischen 15 und 25 Euro zuzĂŒglich rund 20 Euro fĂŒr das ArztgesprĂ€ch. Fachleute empfehlen dennoch, den PSA-Test ergĂ€nzend zur Tastuntersuchung durchfĂŒhren zu lassen, um die Aussagekraft der Vorsorge zu erhöhen.
