Prostatakrebs, Biopsie

Prostatakrebs: Knapp 19 Prozent könnten sich eine Biopsie ersparen

Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 06:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue Operationssysteme, KI-gestützte MRT-Auswertung und kombinierte Behandlungen prägen aktuelle Entwicklungen bei Prostatakrebs.

Onkologie: Robotik, KI-Diagnostik und neue Therapiewege im Fokus
Moderner, steriler Operationssaal mit medizinischer Ausstattung in einer Klinik. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Berichte behandeln neue robotische Operationsmethoden, den Einfluss bakterieller Signaturen auf die Krebsentstehung sowie verkürzte Bestrahlungszyklen mittels SBRT. Die jüngsten Entwicklungen in der Onkologie und Chirurgie zeigen deutliche Fortschritte bei der Präzision operativer Eingriffe, verfeinerten diagnostischen Einstufungen und neuen nuklearmedizinischen Therapieansätzen.

Robotische Systeme mit haptischer Rückmeldung und internationale Premieren

In der chirurgischen Praxis etablieren sich zunehmend verfeinerte robotische Technologien. Am 7. Oktober 2026 führte die Universitätsklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Klinikum Lippe als eine der ersten Kliniken Europas eine rechtsseitige Hemikolektomie mit neuen Force-Feedback-Instrumenten am System da Vinci 5 durch, geleitet von Dr. Michael Leitz.

Bei dieser Technologie erfassen Sensoren Druck-, Zug- und Seitenkräfte rund 1.000 Mal pro Sekunde. Die Instrumente erhielten im September 2026 die CE-Kennzeichnung, nachdem sie zuvor nur in Japan und den USA im Einsatz gewesen waren. Das Klinikum Lippe betreibt vier da-Vinci-Systeme an den Standorten Detmold und Lemgo und führte 2026 bis Oktober insgesamt 877 robotisch assistierte Eingriffe durch.

Auch im staatlichen Krankenhaus Dr. Burhan Nalbanto?lu in Nordzypern kam Robotertechnik zum Einsatz. Im Oktober 2026 meldete Gesundheitsminister Hakan Dinçyürek dort die ersten robotischen urologischen Eingriffe: Der Urologe Necmi Bayraktar operierte gemeinsam mit Doç.

Dr. Ahmet Güdelo?lu von der Hacettepe-Universität einen 72-jährigen Mann mit Prostatakrebs sowie eine 67-jährige Frau mit Organverwachsung und Senkung. Beide Eingriffe verliefen erfolgreich, wobei sich der Krebspatient nach weniger als 24 Stunden bereits in der Entlassungsphase befand. Weitere robotische Operationen sind in verschiedenen Fachbereichen geplant.

Bildgebung, künstliche Intelligenz und bildgeführte Therapien

Die Diagnostik verzeichnet ebenfalls methodische Neuerungen. Eine retrospektive Studie im Umfeld von RadNet und DeepHealth, über die am 8. Oktober 2026 berichtet wurde, untersuchte fast 800 Subjekte mit MRT-Untersuchungen aus dem Zeitraum 2014 bis 2025 aus Deutschland, den Niederlanden und den USA.

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Bei 48 Prozent (380 Männer) lag eine klinisch signifikante Erkrankung vor. Das KI-gestützte Verfahren erreichte eine Sensitivität von 98,4 Prozent für klinisch relevante Krebsarten und reduzierte das PI-RADS-System auf drei Risikostufen.

Knapp 19 Prozent der untersuchten Männer hätten sich dadurch eine invasive Biopsie ersparen können. Ein Experte für Radiologie betonte in diesem Zusammenhang, dass künstliche Intelligenz zwar unterstützen könne, die finale Entscheidung jedoch beim klinischen Team verbleibe.

In der Therapieplanung kooperieren Profound Medical Corp. und Telix Pharmaceuticals Limited seit Oktober 2026, um Fachkreise über den komplementären Einsatz von PSMA-PET-Technologien und der MRT-gestützten TULSA-PRO-Plattform aufzuklären. Bildgebungsverfahren sollen prüfen, ob sich Patienten mit Hochrisikoerkrankungen für die schnittfreie TULSA-Prozedur eignen.

Bakterielle Profile und systemische Behandlungsansätze

Neben der Gerätetechnik rückt das Mikrobiom in den Fokus. Die Studie MICROPROSTK mit 235 analysierten Patienten zeigte, dass sich bakterielle Signaturen bei Vorliegen eines Karzinoms messbar verändern: Bei Krebs waren Artenreichtum und Diversität signifikant erhöht. Phyla wie Synergistota sowie Gattungen wie Bacteroides, Agathobacter und Cutibacterium traten vermehrt auf, während Lactobacillus reuteri bei gesunden Probanden häufiger vorkam.

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Parallel dazu belegen Registerdaten Behandlungserfolge: Der National Prostate Cancer Audit wies im Oktober 2026 nach, dass die Drei-Jahres-Mortalität bei fortgeschrittenem Prostatakarzinom von 56 Prozent im Jahr 2015 auf 47 Prozent im Jahr 2022 sank, maßgeblich getrieben durch multimodale Kombinationsregime.

Zudem ließ die FDA am 31. Juli 2026 177Lu-PSMA-617 in Kombination mit ARPI für mHSPC zu, nachdem die Phase-3-Studie PSMAddition mit 1.144 Patienten eine Reduktion des Risikos für Progression oder Tod um 28 Prozent belegt hatte.

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