Prostatakrebs: Neue Kombinationstherapien senken Toderisiko um 28%
01.06.2026 - 21:03:55 | boerse-global.deDie Behandlung von Prostatakrebs und Harnwegserkrankungen steht vor einem Widerspruch: Während bahnbrechende Medikamente die Überlebenschancen verbessern, kämpfen Kliniken mit gravierenden Versorgungslücken. Besonders in Deutschland fehlen über 500 Präparate.
Neue Kombinationstherapien zeigen beeindruckende Ergebnisse
Auf dem diesjährigen ASCO-Kongress in Chicago präsentierten Forscher vielversprechende Daten. Novartis konnte zeigen, dass das Mittel Pluvicto in Kombination mit der Standardtherapie das Risiko für Krankheitsfortschritt oder Tod um 28 Prozent senkt. Der Pharmakonzern hat bereits Zulassungsanträge in den USA, China und Japan eingereicht – Entscheidungen werden für die zweite Jahreshälfte 2026 erwartet.
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Auch Janssen & Janssen meldete Erfolge: Das Medikament Erleada reduzierte in einer Spätphasenstudie das Risiko für Metastasen oder Tod um 20 Prozent, wenn es vor einer Prostata-Operation zusammen mit einer Hormontherapie verabreicht wurde. Besonders bemerkenswert: Eine einjährige Behandlung könnte sogar zu einer Risikoreduktion von 29 Prozent führen. Im Schnitt vergingen sechs Jahre, bevor eine erneute Therapie nötig wurde. Die Chirurgen stellten zudem deutlich weniger verbliebene Tumorreste fest.
Versorgungskrise: Hunderte Medikamente fehlen
Doch die therapeutischen Fortschritte nützen wenig, wenn die Mittel nicht verfügbar sind. In Griechenland meldete die nationale Arzneimittelbehörde (EOF) Anfang Juni anhaltende Engpässe – besonders bei Herz-Kreislauf- und Stoffwechselpräparaten. Die Behörde verlängerte daher das Verbot der Parallelausfuhr für rund 80 Medikamente bis Ende Mai.
In Deutschland ist die Lage noch dramatischer: ABDA-Präsident Preis warnte, dass über 500 Arzneimittel derzeit nicht lieferbar seien. Als Hauptgrund nannte er die Verlagerung der Produktion nach China und Indien.
Die EU will nun gegensteuern: Der geplante Critical Medicines Act (CMA) soll die Versorgungssicherheit über den reinen Preis stellen. Künftig soll verstärkt in Europa produziert werden – neue Standorte in Osteuropa sind explizit erwünscht.
Robotik hält Einzug in den OP-Saal
Neben medikamentösen Fortschritten verändert auch die Chirurgie die Urologie. Mitte Juni 2026 findet in Essen das Krupp Robotic Symposium statt – Schwerpunkt: roboterassistierte Zystektomie bei Blasenkrebs. Geplant sind Live-Operationen mit dem Da-Vinci-5-System. Die Robotik verspricht höhere Präzision bei Eingriffen an den Harnwegen.
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Früherkennung rettet Leben – auch weltweit
Dass Vorsorgeprogramme wirken, zeigt eine Initiative aus der Dominikanischen Republik. Das Programm „Chequéate RD“ bietet kostenlose Screenings für Prostata-, Brust- und Gebärmutterhalskrebs an. Seit dem Start 2021 wurden über 133.000 Menschen untersucht, darunter mehr als 37.000 Männer. Ein Beispiel für den globalen Kampf gegen die Früherkennung von Prostataleiden.
Apothekenreform: Honorare steigen – aber reicht das?
Auch die Versorgungsstruktur selbst steht vor Veränderungen. Die Bundesregierung treibt die Apothekenreform voran. Der Bundesrat berät am 12. Juni 2026 über das Apothekenversorgungsstärkungsgesetz (ApoVWG). Kernpunkte: Die Festgebühr pro abgegebenem Medikament soll auf 9,50 Euro steigen. Zudem ist ab 2028 ein jährliches Honorarverhandlungsverfahren zwischen Apothekern und Krankenkassen geplant.
Doch die Frage bleibt: Werden die Fachkräfte richtig eingesetzt? Aus dem Kosovo etwa wird berichtet, dass viele klinische Pharmazeuten in Verwaltungs- oder Lagerjobs arbeiten – statt auf den Stationen. Die Pharmazeutische Kammer des Landes fordert seit 2023 eine bessere Organisation, damit die Experten dort helfen, wo sie am dringendsten gebraucht werden: direkt am Patienten.
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