Prostatakrebs: Neuer Urintest erspart 64% der Wiederholungsbiopsien
Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 18:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Diagnostik von Prostatakrebs steht vor einer möglichen Weiterentwicklung: Ein Urintest namens MPS2-AS hat in einer Studie von Vanderbilt Health höhergradige Tumore bei MÀnnern mit zunÀchst niedrigrisikoeingestuftem Krebs zuverlÀssig erkannt.
Wie ein Bericht von knowridge.com schildert, wurde der Test an ĂŒber 300 MĂ€nnern eingesetzt, die zunĂ€chst mit einem Niedrigrisiko-Befund der Grade Group 1 diagnostiziert worden waren.
In 97 Prozent der FĂ€lle identifizierte der Test tatsĂ€chlich vorhandene höhergradige Tumore (Grade Group 3 oder höher) korrekt. Fiel das Testergebnis negativ aus, lag das Risiko fĂŒr einen höhergradigen Krebs den Angaben zufolge nur bei rund 1 Prozent.
Weniger Wiederholungsbiopsien möglich
Die im Journal of Urology veröffentlichte Studie kommt laut dem Bericht zu dem Schluss, dass sich durch den Einsatz des Tests bis zu 64 Prozent unnötiger Wiederholungsbiopsien vermeiden lieĂen.
Wiederholungsbiopsien sind bei MÀnnern mit Niedrigrisiko-Diagnose bislang hÀufig notwendig, um sicherzustellen, dass sich hinter einem zunÀchst harmlos erscheinenden Befund kein aggressiverer Tumor verbirgt.
Ein Test, der mit hoher VerlĂ€sslichkeit zwischen unbedenklichen und behandlungsbedĂŒrftigen FĂ€llen unterscheidet, könnte diesen invasiven Eingriff fĂŒr einen erheblichen Anteil der Betroffenen ĂŒberflĂŒssig machen.
Prostatakrebs als globale Belastung
Die Bedeutung solcher diagnostischer Fortschritte ergibt sich aus dem Umfang der Erkrankung. FĂŒr 2026 werden laut einem Bericht von torontosun.com ĂŒber 330.000 Neuerkrankungen geschĂ€tzt, was fast einem Drittel aller invasiven Krebserkrankungen bei MĂ€nnern entspricht. Weltweit gilt Prostatakrebs demnach als fĂŒnfthĂ€ufigste Krebstodesursache bei MĂ€nnern.
Wer sich mit dem Thema Prostatagesundheit befasst, möchte oft operative Eingriffe vermeiden. Ein MĂ€nner-Gesundheitscoach erklĂ€rt in diesem Ratgeber, wie gezielte ErnĂ€hrung zur natĂŒrlichen Vorbeugung beitragen kann. 7 Tipps zur Prostatagesundheit jetzt kostenlos herunterladen
Grenzen des klassischen PSA-Tests
Der bislang gebrĂ€uchlichste Test, der PSA-Test, weist laut demselben Bericht eine SensitivitĂ€t von ĂŒber 90 Prozent auf, seine SpezifitĂ€t liegt jedoch nur zwischen 9 und 33 Prozent. Das bedeutet, dass er zwar die meisten KrebsfĂ€lle erfasst, gleichzeitig aber auch viele falsch-positive Ergebnisse liefert.
Die US-amerikanische Task Force USPSTF empfiehlt PSA-Screening fĂŒr MĂ€nner zwischen 55 und 69 Jahren als individuelle Entscheidung, wĂ€hrend sie es fĂŒr MĂ€nner ab 70 Jahren nicht empfiehlt. Trotz der methodischen SchwĂ€chen wird dem Screening ein erheblicher Nutzen zugeschrieben: SchĂ€tzungen zufolge wurden zwischen 1988 und 2016 ĂŒber 300.000 TodesfĂ€lle durch Prostatakrebs vermieden.
Auch aus tĂŒrkischen Fachkreisen kommt Kritik an der alleinigen Aussagekraft des PSA-Werts. Doç. Dr. Erdem K?sa von der Medicana International ?zmir betont, PSA allein sei kein Krebstest, da der Wert auch bei gutartiger ProstatavergröĂerung oder EntzĂŒndungen erhöht sein könne.
Nach seiner EinschÀtzung sollte das Screening bei durchschnittlichem Risiko mit 50 Jahren beginnen, bei familiÀrer Vorbelastung mit 45 Jahren und bei einer BRCA2-Mutation bereits mit 40 Jahren.
Neben spezifischen Krebsmarkern sind auch allgemeine Vitalstoff-Werte entscheidend fĂŒr die mĂ€nnliche Gesundheit. Dieser kostenlose Spezialreport hilft Ihnen dabei, Ihre Laborwerte richtig zu deuten und mögliche MĂ€ngel frĂŒhzeitig zu erkennen. Kostenlosen Laborwerte-Selbstcheck hier sichern
Bildgebung als ErgÀnzung
Neben neuen Bluttests und Urintests gewinnt auch die Bildgebung an Bedeutung. Die multiparametrische Prostata-MRT kann laut K?sa unnötige Biopsien reduzieren, etwa in Kombination mit einer MR-gezielten transperinealen Biopsie unter AnÀsthesie.
Prof. Dr. Emrah YĂŒrĂŒk von Medicana ergĂ€nzt, der PSA-Wert mĂŒsse stets im Zusammenhang mit Alter, Familienanamnese, genetischen Risikofaktoren, Tastbefund und Bildgebung bewertet werden, da eine PSA-Erhöhung nicht krebsspezifisch sei.
Auch der PSA-Verlauf ĂŒber die Zeit sowie die PSA-Dichte â das VerhĂ€ltnis von PSA-Wert zum per Ultraschall oder MRT bestimmten Prostatavolumen â lieferten laut YĂŒrĂŒk zusĂ€tzliche Informationen. Die multiparametrische MRT helfe dabei, Biopsien gezielt zu steuern oder in manchen FĂ€llen ganz zu vermeiden.
Insgesamt zeichnet sich damit ein trend ab, wonach Diagnoseverfahren wie der Urintest MPS2-AS, ergĂ€nzende Bildgebung und eine differenziertere Bewertung von PSA-Werten kĂŒnftig gemeinsam dazu beitragen könnten, invasive und teils unnötige Eingriffe zu reduzieren, ohne die Erkennung behandlungsbedĂŒrftiger Tumore zu gefĂ€hrden.
