Prostatakrebs: PSMA-PET/ CT erkennt 91% der aggressiven Tumore
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 02:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die österreichische Ärztekammer und der Urologieverband haben zum Europäischen Prostata-Tag ein risikoadaptiertes Vorgehen bei der Früherkennung von Prostatakrebs gefordert. Damit rückt eine Grundsatzfrage der Krebsvorsorge in den Fokus: Wie lässt sich verhindern, dass aggressive Tumore unentdeckt bleiben, ohne gleichzeitig unnötige Untersuchungen bei Menschen mit geringem Risiko durchzuführen?
Prostatakrebs: Neue Diagnostik verbessert Trefferquote
Der PSA-Test ist für Männer ab 50 Jahren, für familiär Belastete sowie für Männer mit Symptomen kostenfrei. Ein risikoadaptierter Ansatz bedeutet, dass nicht pauschal alle Männer gleich untersucht werden, sondern individuelle Risikofaktoren wie familiäre Vorbelastung stärker berücksichtigt werden.
Unterstützung erhält dieser Ansatz durch aktuelle Forschung der MedUni Wien: In der sogenannten RAPID-Studie mit 194 Patienten erkannte die bildgebende PSMA-PET/CT-Untersuchung 70 von 77 klinisch signifikanten Karzinomen, was einer Sensitivität von 91 Prozent entspricht.
Bei 91 Prozent der negativen Befunde lag tatsächlich kein relevantes Karzinom vor, und 23 von 24 aggressiven Krankheitsverläufen wurden erkannt. Solche Verfahren könnten künftig helfen, gezielter zwischen harmlosen und gefährlichen Befunden zu unterscheiden.
Warum FrĂĽherkennung generell entscheidend ist
Der Vorstoß aus Österreich reiht sich in eine breitere Entwicklung ein, die zeigt, wie wichtig frühzeitige Diagnostik über verschiedene Krebsarten hinweg ist. Ein Fallbeispiel aus Marcallo con Casone verdeutlicht dies: Ein Mann ohne jegliche Symptome erhielt über einen Screening-Test einen auffälligen Befund mit Blutspuren, woraufhin ein Kolonkarzinom im Stadium III diagnostiziert wurde.
Die anschlieĂźende Operation erfolgte im Januar. Der zugrundeliegende Darmkrebs-Screening-Test ist kostenlos, die Probe kann in der Apotheke abgegeben werden, und das Ergebnis liegt binnen einer Woche vor. Der Fall wurde im Rahmen einer Veranstaltung von AICIT, Salute Donna und der Fondazione 4 Ospedali vorgestellt.
Auch bei anderen Krebsarten zeigt sich, dass Symptome oft erst spät auftreten. Bauchspeicheldrüsenkrebs etwa verläuft aggressiv und meist symptomarm; eine flächendeckende Früherkennung existiert bislang nicht.
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Risikofaktoren sind unter anderem Rauchen, chronische Entzündungen, genetische Veranlagung und Diabetes mellitus, während typische Symptome wie Oberbauchschmerzen, Gewichtsverlust und Gelbsucht häufig erst im fortgeschrittenen Stadium auftreten.
Warnzeichen werden oft ĂĽbersehen
Statistiken zeigen, dass 53 Prozent der Menschen innerhalb von drei Monaten mindestens ein potenzielles Krebswarnzeichen bemerken, aber nur 2 Prozent dieses tatsächlich mit Krebs in Verbindung bringen.
Zu den zehn genannten Warnzeichen zählen unerklärlicher Gewichtsverlust von vier bis fünf Kilogramm, anhaltende Müdigkeit, tastbare Knoten, veränderte Leberflecken, ein Husten von mehr als drei bis vier Wochen, Schmerzen ohne erkennbare Ursache, ungewöhnliche Blutungen, Schluckbeschwerden, veränderte Stuhl- oder Uringewohnheiten sowie wiederkehrendes Fieber. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate stieg durch verbesserte Früherkennung von 50 Prozent Mitte der 1970er Jahre auf inzwischen 70 Prozent.
Bei gynäkologischen Krebserkrankungen wie Eierstock-, Gebärmutterschleimhaut-, Gebärmutterhals-, Vulva- und Scheidenkrebs sind die Anfangssymptome häufig unspezifisch.
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Warnzeichen, auf die Betroffene achten sollten, sind Blutungen nach der Menopause oder nach Geschlechtsverkehr, Beckenschmerzen, anhaltende Blähungen, ein schnelles Sättigungsgefühl sowie Veränderungen der Stuhl- oder Blasenfunktion oder im Vulvabereich. Bei neuen, anhaltenden oder sich verschlimmernden Beschwerden wird eine ärztliche Abklärung empfohlen.
Struktureller Zugang zur Vorsorge
Wie beim Prostatakrebs zeigt sich auch bei anderen Krebsarten, dass strukturierte Zugänge zur Vorsorge entscheidend sind. In Bayern etwa bündelt die Plattform praeventionspool.bayern.de im Rahmen des Masterplans Prävention mittlerweile über 400 Angebote mit mehr als 1.000 Möglichkeiten vor Ort und über 200 Anbietern.
Gesundheitsministerin Judith Gerlach betonte, die Plattform mache bestehende Angebote sichtbarer. Voraussetzung für die Aufnahme ist ein Schwerpunkt auf Gesundheitsförderung, regionale Verfügbarkeit in Bayern und eine nicht gewinnorientierte Ausrichtung.
Zugleich warnen Frauenärzte vor einer möglichen Zwei-Klassen-Vorsorge, sollten die von der Bundesregierung geplanten Einsparungen von fast 3 Milliarden Euro im ambulanten Bereich umgesetzt werden.
Nach Einschätzung der Ärzteschaft könnten für gesetzlich Versicherte künftig weniger Termine und längere Wartezeiten bei der Krebsvorsorge drohen – der gesetzliche Anspruch auf Krebsfrüherkennung selbst bliebe davon jedoch unberührt. Auch im Kanton Zug wird der Ausbau der Vorsorge vorangetrieben: Dort soll ein Mammografie-Screeningprogramm ab 2030 starten.
Die Forderung nach einem risikoadaptiertem Vorgehen bei Prostatakrebs steht damit exemplarisch für eine Entwicklung, die sich über zahlreiche Krebsarten hinweg beobachten lässt: Fortschritte in Diagnostik und Struktur sollen dazu beitragen, Erkrankungen früher zu erkennen – während strukturelle und finanzielle Rahmenbedingungen darüber entscheiden, wie gleichmäßig diese Fortschritte tatsächlich bei den Patientinnen und Patienten ankommen.
