Prostatakrebs-Screening: MRT und KI senken unnötige Biopsien um 63%
11.06.2026 - 20:33:08 | boerse-global.de
WĂ€hrend BefĂŒrworter auf sinkende Sterblichkeit hoffen, warnen Kritiker vor unnötigen Behandlungen. Neue MRT- und KI-Verfahren könnten den Konflikt nun auflösen.
Warum die Diskussion so brisant ist
Prostatakrebs ist die hĂ€ufigste Krebserkrankung bei MĂ€nnern â statistisch ist jeder achte betroffen. In Ăsterreich sprach sich die Wiener Ărztekammer am Mittwoch fĂŒr ein nationales Screening-Programm aus. VizeprĂ€sidentin Naghme Kamaleyan-Schmied rechnet mit einer Halbierung der Sterblichkeit. Das Problem: Aktuell finden Untersuchungen meist nur auf Eigeninitiative statt. Das fĂŒhrt laut FachĂ€rzten des AKH Wien zu einer sozial unfairen Verteilung der Vorsorge.
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In Deutschland berĂ€t der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) seit Oktober 2025 ĂŒber ein risikoadaptiertes Screening mit PSA-Test und MRT. Ein Cochrane-Review mit knapp 800.000 Teilnehmern zeigt die KomplexitĂ€t: Das PSA-Screening senkt die Sterblichkeit um zwei TodesfĂ€lle pro 1.000 untersuchte MĂ€nner. Statistisch mĂŒssen etwa 500 MĂ€nner untersucht werden, um einen einzigen Todesfall zu verhindern.
Die Schattenseite der FrĂŒherkennung
Die Risiken von Ăberdiagnosen sind erheblich. Zwischen 8 und 47 Prozent der MĂ€nner leiden nach einer Therapie unter Inkontinenz oder Impotenz. Aktuelle Leitlinien empfehlen die PSA-basierte FrĂŒherkennung fĂŒr MĂ€nner ab 45 Jahren daher nur nach umfassender AufklĂ€rung. FĂŒr MĂ€nner ĂŒber 70 wird die Untersuchung in der Regel nicht mehr empfohlen. Die klassische Tastuntersuchung gilt als ĂŒberholt.
Ein erhöhter PSA-Wert muss nicht auf Krebs hindeuten â auch EntzĂŒndungen oder eine gutartige ProstatavergröĂerung (BPH) sind mögliche Ursachen.
MRT und KI: PrÀziser als je zuvor
Ein italienisches Pilotprojekt namens PROscreenMRI zeigt, wie sich Biopsien vermeiden lassen. Von Februar 2025 bis MĂ€rz 2026 kombinierten Ărzte PSA-Tests mit MRT-Untersuchungen und Risikorechnern. Ergebnis: 63 Prozent der 146 Teilnehmer konnten eine Biopsie vermeiden und wurden in ein einfaches Follow-up ĂŒberwiesen.
Auch KĂŒnstliche Intelligenz hĂ€lt Einzug in die Urologie. Eine Post-hoc-Analyse der STAMPEDE-Studie vom 5. Juni 2026 untersuchte ein multimodales KI-Modell (MMAI). Das System kombiniert digitale Pathologie mit klinischen Variablen wie Alter und PSA-Wert. Es sagte prĂ€zise voraus, welche Hochrisiko-Patienten von einer Therapie mit Abiraterone profitieren â und welche nicht.
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Schneller bestrahlen, schonender operieren
Der britische Gesundheitsdienst NHS investiert rund 70 Millionen Pfund in neue Linearbeschleuniger fĂŒr die stereotaktische ablative Radiotherapie (SABR). Das Verfahren verkĂŒrzt die Bestrahlung von 20 auf nur fĂŒnf Sitzungen ĂŒber zwei Wochen. Rund 3.500 MĂ€nner pro Jahr sollen davon profitieren.
In der Klinik Kittsee setzt man seit Mai 2026 auf ein High-Power-Holmium-Lasersystem. Die sogenannte HoLEP-Technik verspricht kĂŒrzere Eingriffszeiten und geringere Blutungen. Minimalinvasive Verfahren wie die Wasserdampf-Therapie (Rezum) sollen zusĂ€tzlich die stationĂ€ren Aufenthalte verkĂŒrzen.
