Prostatakrebs-Screening, Risikomodell

Prostatakrebs-Screening: Risikomodell erspart 48 Prozent der MĂ€nner ein MRT

Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 18:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das PRAISE-U-Modell reduzierte MRTs und Biopsien; eine geplante Folgerunde soll das Verfahren in fĂŒnf LĂ€ndern erproben.
Ein minimalistischer, klinischer Untersuchungsraum mit sanfter Beleuchtung und moderner diagnostischer Ausstattung. Illustration mit AI erstellt.

Prostatakrebs gilt in der EuropĂ€ischen Union als die hĂ€ufigste Krebserkrankung bei MĂ€nnern und fordert jĂ€hrlich mehr als 115.000 Todesopfer. Bisherige AnsĂ€tze zur FrĂŒherkennung standen jedoch wiederholt in der Kritik, da ein reiner Fokus auf das Prostata-spezifische Antigen (PSA) oft zu Überdiagnosen und invasiven Eingriffen fĂŒhrte.

Erste Ergebnisse des von der EuropĂ€ischen Urologenvereinigung (EAU) koordinierten Projekts PRAISE-U, die in der Fachzeitschrift „European Urology“ veröffentlicht wurden, zeigen nun, wie ein risikobasiertes Vorgehen die Diagnostik effizienter gestalten kann. An der durch das Programm EU4Health geförderten Initiative sind 25 Institutionen aus zwölf LĂ€ndern beteiligt.

Risikostratifizierung vermeidet unnötige Gewebeproben

FĂŒr die Auswertung des Screening-Modells wurden mehr als 90.000 MĂ€nner in Pilotregionen wie Irland, Litauen, Polen sowie den spanischen Regionen Galicien und Katalonien eingeladen. Rund 15.000 MĂ€nner nahmen teil, was einer Beteiligungsquote von 17 Prozent entspricht. Bei 12 Prozent der Teilnehmer lag der gemessene PSA-Wert ĂŒber der Schwelle von 3 ng/ml.

Anstatt bei auffĂ€lligen Werten unmittelbar eine Magnetresonanztomographie (MRT) oder eine Biopsie zu veranlassen, greift im Modell ein mehrstufiges Risikomanagement. In der Folge wurden 48 Prozent der Betroffenen mit einem Wert ĂŒber 3 ng/ml als FĂ€lle mit niedrigem Risiko eingestuft, sodass auf ein MRT verzichtet werden konnte.

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Lediglich bei jedem fĂŒnften Mann mit erhöhtem PSA-Wert wurde letztlich eine Gewebeprobe entnommen. Diese gezielte Auswahl erwies sich als treffsicher: Bei rund drei Vierteln der durchgefĂŒhrten Biopsien konnte Prostatakrebs nachgewiesen werden. Etwa die HĂ€lfte der entdeckten Tumoren war klinisch signifikant.

Erkenntnisse aus den Pilotregionen und regionale Unterschiede

Die Datenauswertung offenbart erhebliche regionale Unterschiede. Der Anteil klinisch signifikanter Tumoren schwankte stark zwischen den beteiligten Gebieten: WĂ€hrend dieser in Litauen bei 19 Prozent lag, erreichte er im spanischen Galicien 80 Prozent.

Umfangreiche Erfahrungen sammelte unter anderem das Dolno?l?skie Centrum Onkologii (DCOPiH), das als einziges polnisches Pilotzentrum fungierte. Dort wurden rund 53.000 Einladungen an MĂ€nner im Alter zwischen 50 und 69 Jahren verschickt, woraufhin mehr als 4.600 Teilnehmer untersucht wurden.

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Von den MĂ€nnern mit erhöhtem PSA-Wert stuften die Mediziner 43 Prozent als NiedrigrisikofĂ€lle ein, die weder ein MRT noch eine Biopsie benötigten. Bei 75 Prozent der erfolgten Biopsien bestĂ€tigte sich der Verdacht auf ein Karzinom, wobei 38 Prozent der entdeckten Tumore als klinisch signifikant eingestuft wurden. Dr. Krzysztof Tupikowski prĂ€sentierte diese Resultate der Initiative in BrĂŒssel.

Geplante Ausweitung auf weitere europÀische Zentren

Die bisherigen Resultate sollen als Grundlage fĂŒr die Weiterentwicklung strukturierter Programme dienen. Unter dem Projektnamen PRAISE-U Plus ist bereits eine Folgerunde geplant, die das risikostratifizierte Screening-Konzept weiter verbreiten soll.

DafĂŒr sind acht neue Pilotzentren in Deutschland, Österreich, Italien, Portugal und Slowenien vorgesehen, um die Machbarkeit und die Effizienz des Modells unter unterschiedlichen gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen zu testen.

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