Prostatakrebs-Screening, Tschechien

Prostatakrebs-Screening: Tschechien erfasste in zwei Jahren 310.000 Männer

Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 18:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Europäische Screening-Angebote wachsen, während Fachleute über Einstiegsalter und Nutzen der Tastuntersuchung uneinig sind.
Ein minimalistischer, heller medizinischer Untersuchungsraum mit einem leeren Schreibtisch und natĂĽrlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Ein Bericht des Magazins „Aktuell nach eins“ auf ORF 2 über ein neues Früherkennungsprogramm für Prostatakrebs verdeutlicht die zunehmende Aufmerksamkeit für die urologische Vorsorge bei Männern. Während Gesundheitseinrichtungen in mehreren europäischen Regionen strukturierte Screenings vorantreiben, diskutieren Mediziner über das ideale Einstiegsalter sowie die Relevanz einzelner Untersuchungsschritte.

Veränderte Leitlinien und fachliche Kontroversen

In Österreich setzt die Krebshilfe im Rahmen ihrer elfjährigen Initiative auf angepasste Empfehlungen. Primar Anton Ponholzer verweist auf europäische urologische Leitlinien, nach denen der erste Check für Männer ab einem Alter von 50 Jahren vorgesehen ist, während Personen mit familiärer Vorbelastung bereits ab 45 Jahren zur Früherkennung gehen sollten. Eine wesentliche Änderung betrifft die Tastuntersuchung: Sie ist nach den europäischen Vorgaben nicht mehr regulärer Bestandteil der Früherkennung.

Demgegenüber betont die Urologin Alexandra Fuchs-Samitz einen früheren Untersuchungsbeginn ab dem 45. Lebensjahr, bei erblicher Belastung ab 40 Jahren. Zudem stuft sie die Tastuntersuchung weiterhin als entscheidend ein, da hochaggressive Karzinome mitunter niedrige PSA-Werte aufweisen können.

Wie dringlich die Erkennung ist, unterstreichen Zahlen der Statistik Austria für das Jahr 2024: Von 25.997 Männern mit einer Krebsdiagnose entfielen 8152 Neuerkrankungen auf Prostatakrebs. Mit einem Anteil von 31 Prozent war dies die häufigste Krebsneuerkrankung beim Mann, begleitet von 1434 Todesfällen. In Kärnten erkranken jährlich rund 600 Männer an dieser Krebsart.

Regionale Screening-Programme im europäischen Vergleich

Über die nationalen Empfehlungen hinaus etablieren mehrere europäische Länder gezielte Testangebote:

  • Tschechien: Der Leiter der Urologischen Klinik, Marek Babjuk, bilanzierte, dass das dortige FrĂĽherkennungsprogramm in den ersten zwei Jahren ĂĽber 310.000 Männer erfasste. Bei mehr als 26.000 Teilnehmern wurde ein erhöhter PSA-Wert festgestellt, von denen jedoch lediglich 64 Prozent innerhalb von sechs Monaten einen Urologen aufsuchten.
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  • Slowakei: Der Kreis Prešov startete als erste regionale Selbstverwaltung des Landes FrĂĽherkennungsprogramme. Durch eine schweizerisch-slowakische Kooperation erhalten 4.000 Risikopatienten kostenlose Untersuchungen auf Prostatakrebs fĂĽr Männer zwischen 50 und 69 Jahren sowie Screenings auf Bauchaortenaneurysmen. Die fachliche Leitung liegt bei Ivan Min?Ă­k und Lukáš Vincze.
  • Italien: In der Lombardei bietet die ASST Crema gemeinsam mit der ATS Val Padana im Rahmen der Aktion „Novembre Azzurro“ Screenings fĂĽr Männer im Alter von 50 bis 70 Jahren an. Im Trentino verweisen Primar Tommaso Cai und Strahlentherapeut Salvatore Mussari darauf, dass die Neudiagnosen in den vergangenen zwei Jahren um 23 Prozent auf jährlich rund 436 Fälle gestiegen sind; eine frĂĽhzeitige Entdeckung erhöhe die Ăśberlebensrate auf 91 Prozent.
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Relevanz für die Männergesundheit

Ergänzende Initiativen thematisieren das geschlechtsspezifische Vorsorgeverhalten. Nach Angaben der Stiftung Männergesundheit leben Männer im Schnitt rund fünf Jahre kürzer als Frauen; in Deutschland erkranken jährlich etwa 70.000 Männer an Prostatakrebs.

Christoph Aluttis vom Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit hebt hervor, dass Männer seltener Vorsorgeangebote wahrnehmen und häufiger riskanten Alkoholkonsum zeigen. Vor diesem Hintergrund nutzen Einrichtungen den Aktionsmonat November für Aufklärungskampagnen, um Zugangsbarrieren zu urologischen Kontrollen abzubauen.

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