Prostatakrebs-Therapie, Tumorlast

Prostatakrebs-Therapie: KI bestimmt Tumorlast in 90 Sekunden

Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 01:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Labcorp bietet ab sofort den ersten FDA-zugelassenen Companion-Diagnostik-Test für PTEN-Verlust an. Er soll die Auswahl von Patienten für eine gezielte Kombinationstherapie bei Prostatakrebs verbessern.

Labcorp führt Roche-Test ein: Neue Wege in der Prostatakrebs-Diagnostik
Ein hochmodernes medizinisches Labor mit digitaler Bildgebung für die Prostatakrebs-Diagnostik. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Im Bereich der urologischen Onkologie zeichnen sich bedeutende Entwicklungen bei der Personalisierung von Behandlungen ab. Im August 2026 hat der US-amerikanische Labordienstleister Labcorp die Markteinführung des VENTANA PTEN (SP218) RxDx Assays von Roche bekannt gegeben. Hierbei handelt es sich um den ersten von der US-Arzneimittelbehörde FDA zugelassenen immunhistochemischen Companion-Diagnostic-Test, der speziell für die Bestimmung eines PTEN-Verlusts bei Patienten mit einem Prostataadenokarzinom entwickelt wurde.

Präzisionsdiagnostik für gezielte Krebstherapien

Die Einführung dieses Assays zielt darauf ab, Patienten zu identifizieren, die für eine Kombinationstherapie aus TRUQAP (Capivasertib), Abirateron und Prednison infrage kommen. Der Test ist fortan landesweit über das Netzwerk von Labcorp verfügbar. Die Relevanz solcher diagnostischen Werkzeuge wird durch aktuelle Fallzahlen unterstrichen: In den USA werden jährlich über 330.000 Neuerkrankungen an Prostatakrebs registriert.

Parallel dazu treiben auch andere Akteure die digitale Unterstützung der Diagnostik voran. Das Unternehmen Mint Medical hat einen KI-Algorithmus, der in Zusammenarbeit mit Royal Marsden und dem ICR London entwickelt wurde, in die Software „mint Lesion“ integriert. Dieses System dient der Quantifizierung von Knochenmetastasen. Während eine manuelle Segmentierung von Tumoren oft über eine Stunde in Anspruch nimmt, ermöglicht die automatisierte Berechnung der Tumorlast nun Ergebnisse in etwa 90 Sekunden. Der gesamte Workflow lasse sich laut Unternehmensangaben in circa drei Minuten abschließen. Die zugrunde liegende Forschung zur Extraktion des Total Diffusion Volume (TDV) und globaler ADC-Werte wurde im Fachmagazin Phys Med Biol im Jahr 2025 veröffentlicht.

KI-gestützte Dosierung und erweiterte Zulassungen

Ergänzend zu den Fortschritten in der Bildgebung entwickeln Forscher der UMass Amherst neue Modelle für die Therapieplanung. Das KI-Modell „DiffuDose“ wurde entworfen, um Strahlendosiskarten für Radiopharmaka-Therapien in unter 23 Sekunden zu erstellen. Angesichts der Tatsache, dass statistisch gesehen einer von acht Männern im Laufe seines Lebens an Prostatakrebs erkrankt und die 5-Jahres-Überlebensrate bei Metastasierung bei lediglich 40 % liegt, gewinnen solche präzisen Dosierungsmethoden an klinischer Bedeutung.

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Auch im pharmazeutischen Sektor gab es Anfang August 2026 Veränderungen. Novartis erhielt von der FDA eine erweiterte Zulassung für das Präparat Pluvicto (Lutetium-177-Vipivotid-Tetraxetan). Das Medikament darf nun in einem früheren Stadium von fortgeschrittenem, PSMA-positivem Prostatakrebs mit Metastasen eingesetzt werden, sofern die Patienten noch auf eine Hormontherapie ansprechen. Die Entscheidung basiert auf der Phase-III-Studie PSMAddition. Durch den kombinierten Einsatz mit Hormonbehandlungen könne sich die Zahl der behandelbaren Patienten nahezu verdoppeln. Am 3. August 2026 reagierte der Kapitalmarkt auf diese Entwicklungen; die Novartis-Aktie verzeichnete einen Rückgang um 1,66 % auf 124,50 CHF.

Neue Versorgungsmodelle und aktualisierte Leitlinien

In Deutschland gibt es ebenfalls Fortschritte in der Patientenversorgung. Die AOK Bayern bietet als derzeit einzige gesetzliche Krankenkasse eine CyberKnife-Robotertherapie mit einem weltweit erstmals eingesetzten Bestrahlungsplan an. Durch eine Kooperation mit dem ERCM München könne die Anzahl der Sitzungen von fünf auf drei reduziert werden, während sich die Behandlungszeit pro Sitzung von 30 auf 15 Minuten halbiere. Im Jahr 2023 waren allein in Bayern 99.800 Männer an Prostatakrebs erkrankt, was einem Anteil von 2,79 % der männlichen Bevölkerung entspricht.

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Die medizinischen Leitlinien wurden für das Jahr 2026 ebenfalls aktualisiert. Die EAU-Leitlinie zu nicht neurogenen männlichen Symptomen des unteren Harntrakts (LUTS) basiert auf einer umfassenden Literaturrecherche von Mai 2023 bis Mai 2025. Sie empfiehlt unter anderem den gezielten Einsatz des PSA-Tests und definiert operative Standards wie die transurethrale Prostataresektion (TURP) für Drüsengrößen zwischen 30 und 80 ml.

Fachärzte wie Prof. Dr. Angelika Borkowetz betonen zudem die Bedeutung von Differenzialdiagnosen zwischen gutartigen Vergrößerungen (BPH) und bösartigen Karzinomen. Bei PSA-Werten über 3 ng/ml werden Kontrollen und MRT-Untersuchungen empfohlen. Neue Biomarker wie der Stockholm-3-Test oder der 4K-Score stehen als Eigenleistungen zur Verfügung, wobei die Kosten zwischen 350 und 1000 Euro liegen. Gleichzeitig untersuchen Forscher wie Prof. Dr. Peter Hammerer medikamentöse Ansätze zur Tumorverkleinerung vor operativen Eingriffen, um die Erfolgsaussichten der Behandlungen weiter zu steigern.

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