Prostatakrebs: Zwei Konsenspapiere sollen molekulare Tests vereinheitlichen
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 08:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deModerne Krebstherapien setzen zunehmend auf zielgerichtete Behandlungsansätze und Immuntherapien, die präzise biologische Informationen über den Tumor voraussetzen. Auf dem 38. Kongress der Asociación Andaluza de Urología (AAU), der vom 14. bis 16. Oktober 2026 in Granada stattfand, rückte die Diagnostik des Prostatakarzinoms in den Mittelpunkt.
Gemeinsam mit der Sociedad de Anatomía Patológica de Andalucía forderten die urologischen Fachvertreter eine weitgehende Homogenisierung der molekularen Diagnostik, um bestehende regionale Ungleichheiten beim Zugang zu innovativen Krebstherapien abzubauen.
Neue Konsensdokumente sollen Standards definieren
Die beiden andalusischen Fachgesellschaften präsentierten auf der Fachtagung zwei zentrale Konsenspapiere, die nach fast einjähriger Vorarbeit entstanden sind. Hintergrund dieser Initiative ist der Umstand, dass die derzeit angewendeten Leitlinien in der Region als veraltet gelten.
Das erste Dokument, „Consenso para la optimización del diagnóstico de cáncer de próstata de alto riesgo en Andalucía“, zielt darauf ab, Biopsietechniken gezielt zu verbessern, um eine höhere Ausbeute an Gewebeproben für weiterführende Analysen zu sichern. Das zweite Dokument, „Guía para la estandarización del diagnóstico molecular en cáncer de próstata en el SSPA“, widmet sich der systematischen Vereinheitlichung molekularer Verfahren im öffentlichen Gesundheitssystem Andalusiens.
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Die Fachgesellschaften beabsichtigen, diese Leitfäden zeitnah der Consejería de Sanidad sowie der Dirección General de Asistencia Sanitaria vorzulegen, um verbindliche Rahmenbedingungen für die gesamte Region zu schaffen.
Ungleicher Zugang zu zielgerichteten Therapien
Die Notwendigkeit einheitlicher Richtlinien unterstrich Bernardo Herrera, Urologie-Chef am Hospital Virgen de la Victoria in Málaga. Er wies im Rahmen der Tagung darauf hin, dass molekulare Tests, die für den Einsatz zielgerichteter Medikamente unerlässlich sind, bislang weder standardisiert noch flächendeckend universalisiert seien. Dies führe in der Praxis dazu, dass der Zugang für betroffene Patienten gegenwärtig nicht gerecht gestaltet sei.
Ohne eine verlässliche und strukturierte Testung bleibt vielen Patienten der Weg zu modernen Therapieformen wie der Immuntherapie versperrt, da die entsprechenden biologischen Marker nicht systematisch erfasst werden.
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Europäische Divergenzen bei umfassenden Genomprofilen
Die in Andalusien thematisierte Problematik spiegelt dabei eine überregionale Entwicklung wider. Ein internationales Fachgremium legte in einem 2026 veröffentlichten Übersichtsartikel in der Fachzeitschrift The Lancet Regional Health – Europe (DOI: 10.1016/j.lanepe.2026.101841) dar, dass grundlegende molekulare Diagnostik zwar in vielen europäischen Staaten weitgehend zugänglich ist, der Zugang zu umfassenden Genomprofilen und den daran gekoppelten Therapien jedoch erhebliche Unterschiede aufweist.
Die Bemühungen der andalusischen Urologen und Pathologen reihen sich damit in die Bestrebungen ein, diagnostische Hürden abzubauen und den Zugang zu personalisierten Therapieoptionen zu vereinheitlichen.
