Prostatavergrößerung, Gutartige

Prostatavergrößerung: 80% der über 70-Jährigen betroffen

Veröffentlicht am: 07.07.2026 um 22:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Gutartige Prostatavergrößerung betrifft viele Männer über 50. Der Artikel beleuchtet Symptome, Diagnose und Therapieoptionen.

Prostatavergrößerung: Symptome, Diagnose und moderne Behandlungen
Eine detaillierte Darstellung oder Illustration der Prostata, möglicherweise mit einem sanften Leuchten, das eine Vergrößerung symbolisiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Bei den über 70-Jährigen steigt der Anteil auf bis zu 80 Prozent. Allein in Schweden geht man von rund 400.000 Betroffenen aus. Die Erkrankung schränkt die Lebensqualität massiv ein – doch es gibt wirksame Behandlungen.

Symptome: So äußert sich die BPH

Die Beschwerden kommen schleichend. Typische Anzeichen sind ein abgeschwächter Harnstrahl, eine verzögerte Blasenentleerung und häufiges nächtliches Wasserlassen – Fachleute sprechen von Nykturie. Der Schlaf leidet, der Alltag wird zur Belastung.

Wichtig: Ärzte unterscheiden die BPH klar von anderen Erkrankungen. Eine akute Prostatitis geht etwa mit Fieber und Schmerzen einher. Prostatakrebs bleibt dagegen lange symptomarm.

Diagnostik: Der PSA-Wert als Schlüssel

Das prostataspezifische Antigen (PSA) ist der zentrale Marker in der Früherkennung. Die Interpretation erfolgt altersabhängig:

  • Unter 1,5 ng/ml: niedriges Risiko
  • Über 3 ng/ml: erhöhtes Risiko

Neben dem PSA-Test setzen Ärzte auf die digital-rektale Untersuchung (DRU), Ultraschall zur Bestimmung des Restharns und Miktionstagebücher.

Streit ums Screening: Schweden macht es anders

International wird das PSA-Screening unterschiedlich gehandhabt. Schweden setzt auf ein landesweites, risikoadaptiertes Programm ab 50 Jahren. Ab einem PSA-Wert von 3 ng/ml folgt eine MRT-Untersuchung.

Deutschland ist zurückhaltender: Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) lehnt ein solches Screening mangels ausreichender Langzeitdaten ab. Der Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe kritisiert das – und verweist auf fehlende Alternativen. Die Kosten für eine späte Behandlung fortgeschrittenen Prostatakrebses liegen zwischen 250.000 und 300.000 Euro pro Patient.

Schwedische Daten aus den Jahren 2015 bis 2020 zeigen: Gezielte Patientenansprache steigerte die Testquote deutlich. Tumore wurden früher entdeckt. Die Kehrseite: das Problem der Überdiagnose bei klinisch nicht relevanten Befunden.

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Behandlungsstufen: Von Verhaltenstherapie bis OP

Die Therapie richtet sich nach der Schwere der Symptome. Der Stufenplan umfasst:

Verhaltensänderungen: Reduzierte abendliche Trinkmenge und Gewichtskontrolle können bereits helfen.

Phytotherapie: Wirkstoffe wie ?-Sitosterol zeigen einen dualen Effekt – kurzfristige Muskelentspannung und langfristige Hemmung des Zellwachstums. Fachgesellschaften empfehlen sie bei milden bis moderaten Beschwerden.

Medikamente: Alpha-Blocker, Anticholinergika und neuere Wirkstoffe wie Mirabegron verbessern die Blasenfunktion und den Harnfluss.

Physiotherapie: Beckenbodentraining zeigt bei Inkontinenz und nach Operationen Erfolge. Bei konsequentem Üben bessern sich 60 bis 70 Prozent der Fälle innerhalb von drei bis sechs Monaten.

Chirurgie: Bei schweren Verläufen bleibt die Prostatektomie die letzte Option.

Versorgungsengpässe: Lange Wartezeiten auf OP

Die regionale Versorgung ist unterschiedlich. In Skandinavien gründete sich im Sommer 2026 eine neue Patientenvereinigung. Hintergrund sind Engpässe in der chirurgischen Versorgung. Aus dem Jahr 2020 liegen alarmierende Zahlen vor: Rund 75.000 schwedische Männer waren auf einen Katheter angewiesen, während sie auf eine Behandlung warteten. Die Hälfte von ihnen musste länger als 90 Tage auf einen OP-Termin warten.

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Experten raten Betroffenen dennoch zu einem aktiven Alltag. Moderne Therapien machen das möglich. Bei Auslandsreisen sollten Patienten besondere Vorsicht walten lassen: Medikamente richtig lagern, Sonnenschutz nicht vergessen – besonders nach Strahlen- oder Chemotherapien.

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