Prostatavergrößerung, Zink-Selen-Präparate

Prostatavergrößerung: Zink-Selen-Präparate ersetzen keine ärztliche Therapie

Veröffentlicht am: 07.11.2026 um 10:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei gutartiger Prostatavergrößerung ist die Wirkung von Nahrungsergänzungsmitteln nicht belegt; etablierte Medikamente setzen an anderen Mechanismen an.
Ein minimalistischer, heller medizinischer Untersuchungsraum mit sanftem Tageslicht und steriler Atmosphäre. Illustration mit AI erstellt.

Medizinische Experten warnen davor, Nahrungsergänzungsmittel wie Zink-Selen-Präparate als Ersatz für eine fachärztliche Behandlung bei einer Prostatavergrößerung einzusetzen.

Komplexe Spurenelement-Supplemente, darunter Protein-Zink-Selen-Kombinationen, besitzen keine pharmakologische Wirkung auf das Prostatavolumen und können eine Verengung der Harnröhre nicht beseitigen. Bei einer benignen Prostatahyperplasie (BPH) ist die Wirksamkeit solcher Präparate medizinisch nicht belegt.

Pathogenese und medikamentöse Standardtherapien

Die gutartige Prostatavergrößerung entsteht durch die Zellproliferation in der sogenannten Übergangszone des Organs, ausgelöst durch die Stimulation des Hormons Dihydrotestosteron. In der Folge wird die Harnröhre zunehmend komprimiert, was zu typischen Miktionsbeschwerden führt.

Zur Beurteilung des Schweregrads dient in der Praxis der International Prostate Symptom Score (IPSS), der von 0 bis 7 Punkte als leicht, von 8 bis 19 Punkte als mittel und von 20 bis 35 Punkte als schwer einstuft.

In der evidenzbasierten Pharmakotherapie kommen vor allem zwei Wirkstoffklassen zum Einsatz:
* Alpha-Rezeptorenblocker wie Tamsulosin oder Doxazosin, welche die Entspannung der glatten Muskulatur fördern.
* 5-Alpha-Reduktase-Hemmer wie Finasterid oder Dutasterid, die den Dihydrotestosteron-Spiegel senken und so eine langfristige Volumenreduktion des Gewebes bewirken können.

Fachmediziner raten Männern ab dem 50. Lebensjahr, Fragen zur individuellen Vorsorge und Früherkennung mit einem Urologen abzuklären.

Grenzen von Zink, Selen und Testosteron-Effekten

Für die tägliche diätetische Zufuhr gelten Richtwerte von etwa 12,5 Milligramm Zink und etwa 60 Mikrogramm Selen bei erwachsenen Männern. Als tolerierbare Höchstmengen werden etwa 40 Milligramm Zink sowie etwa 400 Mikrogramm Selen pro Tag angegeben. Diese Referenzwerte beschreiben den normalen Nährstoffbedarf und stellen keine Dosierungsempfehlungen für Supplemente dar.

Dass Zink den Hormonhaushalt beliebig steigern könne, gilt als widerlegt. In einer kontrollierten Ernährungsstudie sank das Serum-Testosteron bei jungen Männern nach 20 Wochen strenger Zinkrestriktion zwar um 73 Prozent von 39,9 auf 10,6 Nanomol pro Liter.

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Eine zusätzliche Zinksupplementierung führte jedoch weder bei jungen noch bei älteren Männern mit normalem Zinkstatus zu einem messbaren Testosteronanstieg; ältere Teilnehmer reagierten nach einer Einnahme über drei bis sechs Monate allenfalls minimal. Bei einer ausreichenden Versorgung hat zusätzliches Zink keinen hormonellen Effekt.

Pflanzliche Ansätze und die Datenlage zu Kurkumin

Verschiedene pflanzliche Wirkstoffe werden bei BPH-Symptomen erforscht. Für Sägepalmenextrakte (Serenoa repens) wird eine Hemmung der Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron diskutiert, was Harndrang und Harnfluss verbessern kann. Auch Beta-Sitosterol, Brennnesselwurzel und Kürbiskernöl zeigen in Untersuchungen Potenzial zur Linderung von Miktionsbeschwerden.

Für Kurkumin zeigen Analysen klinischer Studien eine Senkung von Entzündungsmarkern wie dem C-reaktiven Protein und Interleukin-6 im Blut. Kleinere klinische Studien beobachteten zudem Verbesserungen funktioneller Parameter sowie teils sinkende PSA-Werte gegenüber Placebo. Eine PSA-Senkung stellt jedoch keinen Nachweis für ein geringeres Prostatakrebsrisiko dar.

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Fachleute betonen, dass die Datenlage bei Krebserkrankungen schwach ist und überwiegend aus Labor- oder Tierversuchen stammt. Bei der Einnahme von Kurkuma-Präparaten ist zudem Vorsicht geboten, wenn gleichzeitig Gerinnungshemmer eingenommen werden oder Vorerkrankungen der Leber, der Galle oder Nierensteine vorliegen.

Rechtliche Einordnung von Nahrungsergänzungsmitteln

Rechtlich gelten Nahrungsergänzungsmittel nicht als Arzneimittel, sondern als Lebensmittel. Sie durchlaufen kein behördliches Zulassungsverfahren bezüglich ihrer Wirksamkeit und Sicherheit, sondern lediglich ein Registrierungsverfahren beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL).

Entsprechend stuft das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Supplemente für gesunde Personen mit ausgewogener Ernährung grundsätzlich als überflüssig ein. Aussagen von Herstellern, die eine direkte Linderung oder Heilung von Erkrankungen versprechen, sind rechtlich unzulässig.

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