Protein-Bedarf, Forscher

Protein-Bedarf: Forscher verdoppeln Empfehlungen für über 40-Jährige

01.07.2026 - 23:42:01 | boerse-global.de

Neue Forschung zeigt geschlechtsspezifische Unterschiede im Kalorienverbrauch und widerlegt den Jo-Jo-Effekt als schädlich.

Stoffwechsel im Wandel: Neue Erkenntnisse zu Kalorienverbrauch und Gesundheit
Protein-Bedarf - Nahaufnahme des muskulösen Oberkörpers eines Mannes mittleren Alters, der Stärke und Stoffwechselgesundheit symbolisiert, mit abstrakten wissenschaftlichen Daten im Hintergrund. 01.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Besonders ab der Lebensmitte entscheiden Fettverteilung und Muskelmasse über die Gesundheit.

Das Problem mit dem Bauchfett

Männer lagern verstärkt viszerales Fett im Bauchraum ein. Anders als das Unterhautfettgewebe bei Frauen ist dieses tief liegende Fett metabolisch aktiv. Es erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes erheblich.

Hinzu kommt: Männer haben häufig eine geringere Insulinsensitivität. Klinische Beobachtungen zu modernen Medikamenten wie GLP-1-Rezeptor-Agonisten zeigen, dass Frauen tendenziell mehr Gewicht verlieren. Die positiven Effekte auf Nierenfunktion und Herz-Kreislauf-Sterblichkeit sind jedoch geschlechtsunabhängig.

Protein: Mehr als gedacht nötig

Ab 40 Jahren schwindet die Muskelmasse natürlicherweise. Der sinkende Grundumsatz und der beschleunigte Muskelabbau werden oft unterschätzt. Eine Studie der Universität Cambridge, veröffentlicht Mitte Juni in Frontiers in Nutrition, legt nahe: Die bisherigen Protein-Empfehlungen sind zu niedrig.

Für aktive Personen könnten 0,6 bis 1,6 Gramm pro Pfund Körpergewicht sinnvoll sein. Ältere Menschen sollten die herkömmliche Mindestmenge sogar verdoppeln. Die Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining senkt das Sterberisiko laut Studie um rund 40 Prozent. Krafttraining reguliert zudem den Blutzuckerspiegel – ein Effekt, der über den reinen Kalorienverbrauch hinausgeht.

Anzeige

Ab 50 verliert der Körper jedes Jahr kontinuierlich an Muskelmasse, was den Stoffwechsel verlangsamt und das Risiko für Volkskrankheiten erhöht. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Ihnen 6 einfache Übungen für zuhause, mit denen Sie gezielt gegensteuern können. 6 Krafttrainings-Übungen kostenlos als PDF herunterladen

Nicht jeder profitiert gleich vom Abnehmen

Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel unterscheidet zwischen „sparsamen“ und „verschwenderischen“ Stoffwechseltypen. Genetische Faktoren und der Zeitpunkt der Zeugung spielen eine große Rolle. Kältereize oder bestimmte Lebensmittel können den Metabolismus unterstützen.

Die TULIP-Studie aus Tübingen zeigt: Gewichtsverlust schützt nicht jeden gleichermaßen. Personen mit ausgeprägter Insulinresistenz und hohem Leberfettgehalt profitieren weniger von moderater Gewichtsreduktion. In einer Risikogruppe entwickelten trotz acht Prozent Gewichtsverlust noch 41 Prozent der Probanden Typ-2-Diabetes.

Jo-Jo-Effekt: Nicht so schlimm wie gedacht

Forscher der Universität Kopenhagen bewerten den Jo-Jo-Effekt neu. Ihre Analyse, veröffentlicht im Juli in The Lancet Diabetes & Endocrinology, kommt zu einem überraschenden Schluss: Wiederkehrende Gewichtsverlust-Phasen sind nicht schädlich. Die zeitweise Verbesserung von Stoffwechselwerten und Herz-Kreislauf-Gesundheit überwiegt die Risiken schwankenden Gewichts. Bei weltweit rund 2,5 Milliarden übergewichtigen Menschen zählt jede Phase der Gewichtsreduktion.

Anzeige

Um den Stoffwechsel langfristig zu unterstützen und Beschwerden effektiv vorzubeugen, ist regelmäßige Bewegung der Schlüssel. Prof. Dr. Wessinghage hat 17 einfache Übungen entwickelt, die nur 3 Minuten täglich erfordern und sofortige Resultate liefern. Kostenlosen Ratgeber mit 17 Wunderübungen sichern

Was im Alltag wirklich hilft

Ernährungsexperten raten zu einer klaren Strategie:

  • Komplexe Kohlenhydrate aus Vollkorn und Hülsenfrüchten stabilisieren den Blutzucker. Ein Trick: Abgekühlte Kartoffeln oder Nudeln bilden resistente Stärke, die die Kalorienaufnahme reduziert.
  • Schlaf von mindestens sieben Stunden ist essenziell. Schlafmangel stört die Appetitregulation und erschwert die Gewichtsabnahme.
  • Nährstoffdichte statt Verbote: Gesunde Fette und komplexe Kohlenhydrate gehören strategisch in den Ernährungsplan.

Das Leibniz-Institut für Alternsforschung weist zudem auf die Bedeutung von Phosphatidylcholin hin. Dieses Molekül ist für die Mitochondrien – die „Kraftwerke der Zellen“ – essenziell. Mit dem Alter sinkt der Spiegel, weshalb die Nährstoffversorgung für die mitochondriale Gesundheit in der Altersforschung zunehmend in den Fokus rückt.

de | wissenschaft | 69670373 |