Protein-Shakes, Jugendlichen

Protein-Shakes bei Jugendlichen: 65 Prozent nehmen Nahrungsergänzungsmittel

Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 05:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Viele junge Menschen greifen zu Eiweißpulver und Vitaminen; Fachleute warnen vor Risiken und fordern strengere Regeln.
Eine Schale mit frischem Obst und Nüssen auf einer hellen Küchenoberfläche als Symbol für natürliche Ernährung. Illustration mit AI erstellt.

Der Konsum von Nahrungsergänzungsmitteln und speziellen Eiweißprodukten hat sich unter Heranwachsenden zu einem verbreiteten Phänomen entwickelt. Eine gemeinsame Umfrage der Arbeiterkammer Wien und der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung unter 569 Personen im Alter von 14 bis 25 Jahren verdeutlicht das Ausmaß: 65 Prozent der Befragten gaben an, in den drei Monaten vor der Erhebung mindestens ein Supplement eingenommen zu haben.

Im Durchschnitt griffen die Konsumenten zu mindestens vier verschiedenen Produktkategorien, wobei junge Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren signifikant höhere Mengen konsumierten als jüngere Teilnehmer.

Hohe Nachfrage nach Whey-Protein und Vitaminen

Besonders hoch im Kurs stehen Molkenprotein und Mikronährstoffe. Nach den Ergebnissen der österreichischen Erhebung nutzten jeweils 46 Prozent der befragten Konsumenten Whey-Protein sowie Vitamin- und Mineralstoffpräparate, gefolgt von Omega-3-Fettsäuren mit 43 Prozent. Als primäre Beweggründe nannten 48 Prozent die Unterstützung des Immunsystems, 45 Prozent den Muskelaufbau und 37 Prozent die Vorbeugung von Mangelerscheinungen.

Fachleute sehen diesen Trend kritisch. Petra Lehner von der Konsumentenpolitik der Arbeiterkammer Wien betonte anlässlich einer Vorstellung der Daten am 21. Oktober 2026, dass Supplemente ohne vorherigen medizinischen Befund nicht eingenommen werden sollten. Im sportlichen Kontext seien Nahrungsergänzungsmittel frühestens ab einem Trainingspensum von mindestens fünf Stunden pro Woche sinnvoll.

Zudem vertrauten neun von zehn Jugendlichen auf nicht gesicherte Informationen von Fitness- und Gesundheits-Influencern in sozialen Medien. Vor diesem Hintergrund fordert die Kammer strengere gesetzliche Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe sowie verbindliche Regeln für Web-Schaffende.

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Wissenschaftliche Richtwerte und gesundheitliche Bedenken

Ernährungswissenschaftliche Referenzwerte zeigen, dass der Grundbedarf im Alltag meist problemlos ohne Zusätze gedeckt werden kann. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung beziffert den täglichen Referenzwert für Erwachsene auf 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht, während für Jugendliche 0,9 Gramm und für sportlich Aktive mit über fünf Trainingsstunden wöchentlich 1,2 bis 2,0 Gramm empfohlen werden. Ein dauerhaft übermäßiger Konsum könne hingegen langfristig die Nieren schädigen und Übergewicht begünstigen.

Auch Fachleute der Ohio State University weisen darauf hin, dass eine unausgewogene Ernährung nicht durch Präparate ausgeglichen werden könne. Ein häufiger Ernährungsfehler im Fitnessbereich liege darin, übermäßig viel Protein zuzuführen und gleichzeitig Kohlenhydrate als primäre Energiequelle zu vernachlässigen.

Für die Regeneration nach dem Sport genügen Experten zufolge etwa 20 Gramm Protein, idealerweise kombiniert mit Kohlenhydraten im Verhältnis von 3 zu 1.

Untersuchungen der Deutschen Sporthochschule Köln zeigten zudem auf, dass Proteinpulver häufig Süßstoffe, Zucker und Zusatzstoffe enthalten. Zudem wurden in muskelaufbauenden Produkten vereinzelt Doping-Substanzen nachgewiesen. Molkenprotein kann darüber hinaus bestehende Hautprobleme wie Akne verstärken.

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Vermarktung und Risiken von Fertigprodukten

Parallel zur Nachfrage unter Jugendlichen wächst das Angebot an proteinangereicherten Lebensmitteln. Marktforscher von NIQ erfassten in den USA zuletzt 37.232 Produkte mit speziellem Proteinhinweis, darunter Süßwaren, Chips, Kaffee oder Teigwaren.

Daten einer USDA-Studie belegen derweil, dass fast 90 Prozent der US-Bürger ihren täglichen Proteinbedarf bereits über die normale Kost decken. Mediziner warnen davor, hochverarbeitete Fertigprodukte allein aufgrund eines zugesetzten Proteingehalts als gesund einzustufen, und raten stattdessen zu vollwertigen, natürlichen Proteinquellen.

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