Protein-Shakes bei Jugendlichen: DGE nennt 40,5 Gramm als Tagesrichtwert
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 20:46 Uhr | Redaktion boerse-global.deFachleute warnen vor dem unkritischen Konsum von Protein-Shakes bei Jugendlichen, da eine ĂŒbermĂ€Ăige Zufuhr gesundheitliche Risiken bergen und insbesondere die Nieren belasten kann. Pulver, Riegel und angereicherte GetrĂ€nke erfreuen sich bei Teenagern wachsender Beliebtheit. Die physiologischen Voraussetzungen Heranwachsender erfordern jedoch einen vorsichtigen Umgang mit hochdosierten NahrungsergĂ€nzungsmitteln.
Belastung fĂŒr die noch unvollstĂ€ndig entwickelten Nieren
Beim Abbau von EiweiĂ entstehen im Körper Stoffwechselprodukte wie Harnstoff und HarnsĂ€ure, die ĂŒber die Nieren ausgeschieden werden mĂŒssen. Da kindliche und jugendliche Nieren noch nicht vollstĂ€ndig ausgereift sind, kann eine langfristig ĂŒberhöhte Proteinzufuhr das Organ stark beanspruchen.
Laut der Deutschen Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung (DGE) kann ein ĂbermaĂ an Protein das Nierengewebe auf Dauer ĂŒberlasten und schĂ€digen. Dies gilt demnach in besonderem MaĂe bei einer unzureichenden FlĂŒssigkeitszufuhr oder bereits bestehenden Vorerkrankungen.
Zur Orientierung gibt die DGE tĂ€gliche Referenzwerte vor: FĂŒr gesunde Erwachsene liegt der Richtwert bei 0,8 g Protein/kg Körpergewicht, was bei einer Frau mit 65 kg einer Menge von 52 g/Tag entspricht. FĂŒr Jugendliche empfiehlt die Gesellschaft einen Wert von 0,9 g/kg, was bei einem 45-kg-Teenager 40,5 g/Tag bedeutet.
Kinder im Alter von 1 bis 4 Jahren sowie Personen ĂŒber 65 Jahren sollten laut Empfehlung 1 g/kg aufnehmen. FĂŒr Sportler nennt die DGE Werte von 1,2â2,0 g Protein/kg tĂ€glich, verteilt ĂŒber mehrere Mahlzeiten â dies gelte jedoch erst ab einem Pensum von mehr als fĂŒnf Trainingsstunden pro Woche.
Hoher Konsum und verÀnderte ErnÀhrungsmuster
Daten zeigen, dass Heranwachsende ihren EiweiĂbedarf oft schon ĂŒber die normale ErnĂ€hrung decken oder ĂŒbertreffen. Eine Studie aus den Jahren 2015â2017 ergab, dass in Deutschland etwa die HĂ€lfte der 6- bis 17-JĂ€hrigen tĂ€glich mehr als das Doppelte der empfohlenen Proteinmenge verzehrte.
ZusĂ€tzlich greifen viele Heranwachsende gezielt zu Supplementen. Eine Umfrage der UniversitĂ€t Michigan aus dem Jahr 2024 zeigte dieses Muster: Fast die HĂ€lfte von rund 1.000 befragten Eltern gab an, dass ihre Kinder im Alter von 13â17 Jahren im Vorjahr ProteinergĂ€nzungen genutzt hĂ€tten.
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Jungen griffen demnach vor allem fĂŒr den Muskelaufbau und sportliche Leistungen dazu, MĂ€dchen hingegen zur UnterstĂŒtzung einer ausgewogenen ErnĂ€hrung oder zur Gewichtsabnahme.
Auch in Spanien belegte eine im Fachjournal âAnales de PediatrĂaâ publizierte Studie aus dem Jahr 2023 mit 263 SchĂŒlern aus sechs Schulen in Sevilla die Verbreitung: 10,64 % der Teilnehmer gaben an, entsprechende Supplemente zu konsumieren, wovon 18,51 % ĂŒber negative Effekte berichteten.
Risiken durch Zusatzstoffe und FehlernÀhrung
Eine dauerhafte Ăberversorgung birgt neben Nierenbeschwerden weitere Risiken. Wie die DGE mit Blick auf Studien berichtet, zeigten Kinder mit einer hohen Proteinzufuhr â insbesondere bei EiweiĂ tierischen Ursprungs â im spĂ€teren Verlauf hĂ€ufiger Ăbergewicht; bei einigen setzte zudem die PubertĂ€t frĂŒher ein.
Zu den dokumentierten Nebenwirkungen gehören unter anderem Akne, die im Zusammenhang mit bestimmten Molkenprotein-Produkten beobachtet wurde. Werden vollwertige Mahlzeiten durch Shakes ersetzt, drohen zudem Versorgungsdefizite, da industriellen Pulvern oft wichtige Ballaststoffe und Vitamine fehlen. Zugleich enthalten manche PrÀparate problematische Zusatzstoffe wie Zucker.
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Hinzu kommen QualitĂ€tsmĂ€ngel bei den Produkten selbst: Die Deutsche Sporthochschule Köln wies Doping-Substanzen in PrĂ€paraten nach, die gezielt fĂŒr den Muskelaufbau beworben wurden. Zudem ergab eine Untersuchung der Verbraucherzentrale aus dem Jahr 2022, dass proteinangereicherte Lebensmittel im Handel in der Regel teurer sind als Standardprodukte.
Richtlinien fĂŒr eine ausgewogene Proteinzufuhr
ErnĂ€hrungsexperten betonen, dass Supplemente zwar in spezifischen EinzelfĂ€llen sinnvoll sein können, fĂŒr Jugendliche jedoch keineswegs zwingend erforderlich sind. Sie garantieren keine besseren körperlichen Ergebnisse; maĂgeblich bleibt eine ausgewogene und abwechslungsreiche Kost.
Vor dem Griff zu Produkten raten Fachleute dazu, den tatsĂ€chlichen Bedarf und die Zusammensetzung kritisch zu prĂŒfen sowie eine professionelle Beratung einzuholen. Die DGE empfiehlt, einen etwaigen Mehrbedarf primĂ€r ĂŒber pflanzliche Quellen zu decken.
Auf die QualitĂ€t der ProteintrĂ€ger weisen auch internationale Vorgaben hin: Laut den âChinesischen ErnĂ€hrungsrichtlinien fĂŒr Schulkinder (2022)â sollten Heranwachsende tĂ€glich mehr als die HĂ€lfte ihres Bedarfs ĂŒber hochwertige Quellen abdecken.
VollstĂ€ndige Proteine aus Lebensmitteln wie Eiern, Milch, Fisch, magerem Fleisch und Soja liefern alle essenziellen AminosĂ€uren in einem gĂŒnstigen VerhĂ€ltnis. HalbvollstĂ€ndige Proteinquellen wie Getreide oder unvollstĂ€ndige Varianten wie kollagenreiches Gewebe aus Haut und Sehnen reichen allein hingegen nicht aus.
