Protein-Strategie, Futter-Importe

Protein-Strategie: EU will Futter-Importe bis 2035 um 9% senken

Veröffentlicht: 08.07.2026 um 13:52 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Die EU-Kommission will die Abhängigkeit von Proteinimporten senken und fördert ab 2028 den Anbau heimischer Eiweißpflanzen mit Prämien.

EU-Proteinstrategie: Weniger Importe durch heimische Eiweißpflanzen
Protein-Strategie - Eine moderne Indoor-Farm mit Pflanzen, die unter künstlichem Licht wachsen, symbolisiert nachhaltige Landwirtschaft und die EU-Proteinstrategie. 08.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Europäische Kommission hat einen Protein-Aktionsplan vorgestellt, der die Abhängigkeit von Eiweißimporten für die Tierfütterung massiv verringern soll. Ziel ist es, innerhalb des nächsten Jahrzehnts deutlich mehr heimische Eiweißpflanzen und Ölsaaten anzubauen.

Nur jeder vierte Liter kommt aus Europa

Die Bilanz ist ernüchternd: Gerade einmal 25 Prozent der benötigten Ölsaaten und Eiweißpflanzen stammten 2025 aus EU-internem Anbau. Insgesamt verbraucht die Union jährlich rund 74 Millionen Tonnen Protein als Futtermittel – etwa 26 Prozent müssen importiert werden. Der Löwenanteil kommt als Soja aus Brasilien, Argentinien und den USA.

Die Kommission will den Selbstversorgungsgrad bis 2035 auf 35 Prozent steigern. Setzen soll man dabei vor allem auf Leguminosen wie Erbsen und Ackerbohnen sowie auf Raps und Sonnenblumen. Gleichzeitig ist geplant, Soja ab 2030 als Risikorohstoff für Entwaldung einzustufen. Am 8. Juli 2026 stand dazu eine Abstimmung im EU-Parlament über Importbeschränkungen an.

Prämien für heimische Eiweißpflanzen

Um die Ziele zu erreichen, will Brüssel die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) anpassen. Ab der Förderperiode 2028 sollen Landwirte gekoppelte Prämien für den Anbau von Raps, Sonnenblumen, Soja, Erbsen und Ackerbohnen bekommen. In Deutschland liegt die Förderung für Leguminosen derzeit bei etwa 60 Euro pro Hektar.

Das Strategiepapier sieht zudem eine Anschubfinanzierung für moderne Anbautechniken vor. Ziel ist es, die Wertschöpfungsketten vor Ort zu stärken und die Verarbeitungskapazitäten auszubauen. Die Herausforderung: Unterschiedliche Boden- und Klimabedingungen in Europa sowie höhere Produktionskosten im Vergleich zu Übersee-Importen. Die Eiweißstrategie soll deshalb auch in Förderprogramme für Junglandwirte eingebunden werden.

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Ukraine als strategischer Partner

Die geopolitische Lage treibt den Plan zusätzlich an. Die USA werden in dem Papier als zunehmend unzuverlässiger Handelspartner eingestuft. Gleichzeitig setzt die EU auf strategische Partnerschaften mit der Ukraine und den Mercosur-Staaten.

Besonders spannend: Ein möglicher EU-Beitritt der Ukraine könnte das Handelsdefizit bei Protein-Rohstoffen drastisch senken. Statt der aktuellen 13,9 Millionen Tonnen würde das Importdefizit laut Prognosen auf rund 4,7 Millionen Tonnen sinken. Unionspolitiker wie Norbert Lins und Stefan Köhler fordern deshalb konkrete Anreize und weniger Bürokratie.

Teil einer großen Tierhaltungsstrategie

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Der Proteinplan ist eingebettet in eine umfassendere Nutztierstrategie der EU-Kommission. Der Sektor ist wirtschaftlich enorm wichtig: rund 400 Milliarden Euro Jahresumsatz, etwa sieben Millionen Arbeitsplätze und 40 Prozent der landwirtschaftlichen Wertschöpfung.

Die Strategie verknüpft Fütterungsaspekte mit neuen Tierschutzstandards. So ist ein schrittweiser Ausstieg aus der Käfighaltung vorgesehen. Einen Gesetzesentwurf für Masthühner und Legehennen erwartet Brüssel bis Ende 2026, Vorschläge für die Schweinehaltung folgen im zweiten Quartal 2027. Der Proteinplan soll sicherstellen, dass die Transformation der Tierhaltung auf Basis lokal verfügbarer und nachhaltig produzierter Futtermittel erfolgen kann. Öffentliche Einrichtungen sollen zudem bevorzugt Produkte aus regionaler Eiweißerzeugung beziehen.

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