Proteinboom, Studie

Proteinboom: Studie zeigt verdoppeltes Diabetes-Risiko bei Fleisch

27.06.2026 - 15:18:59 | boerse-global.de

Der Markt für Proteinprodukte wächst rasant, doch Ernährungswissenschaftler und Mediziner kritisieren fehlende Belege und gesundheitliche Risiken.

Protein-Boom in Deutschland: Experten warnen vor Risiken
Proteinboom - Verschiedene Proteinshakes und Nahrungsergänzungsmittel in ansprechender Verpackung, umgeben von frischem Obst und Gemüse. 27.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Supplement-Markt auf Rekordkurs

Die Deutschen geben immer mehr Geld für Nahrungsergänzungsmittel aus. Laut aktuellen Analysen erreicht das Marktvolumen 2026 rund 4,3 Milliarden Euro. Die verkauften Packungen stiegen von 241 Millionen im Jahr 2022 auf 415 Millionen im Jahr 2025.

Besonders Kollagen-Produkte boomen. Das Startup Glow25, 2021 gegründet, steigerte seinen Umsatz von 35 Millionen Euro (2022) auf 130 Millionen Euro (2025). Doch Orthopäde Tobias Renkawitz bremst die Euphorie: Für beworbene Effekte wie Hautverjüngung oder Knorpelheilung fehlen wissenschaftliche Belege.

Hochverarbeitete Produkte in der Kritik

Ein neuer Trend: Hersteller reichern Alltagslebensmittel mit Protein an. Ernährungswissenschaftler Rob Hobson untersuchte Ende Juni populäre Protein-Desserts. Produkte wie Lindahl's Kvarg oder Protein-Puddings von Arla und UFIT liefern zwar 15 bis 25 Gramm Protein pro Portion – gelten aber als hochverarbeitet.

Fachleute raten zu Vollwertkost: Griechischer Joghurt, Quark, Eier, Fisch und Hülsenfrüchte seien biologisch wertvoller als industrielle Shakes. Der Nutri-Score wurde zwar angepasst, bleibt aber freiwillig – eine Herausforderung für Transparenz, wie Experten auf einer Fachveranstaltung am 24. Juni betonten.

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Proteinreiche Ernährung: Segen oder Risiko?

Neue US-Ernährungsrichtlinien unter Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. befürworten mehr Protein. Doch Dr. Dariush Mozaffarian von der Tufts University warnt: Überschüssiges Protein wird in Fett umgewandelt und erhöht das Diabetes-Risiko.

Eine Langzeitstudie im Fachjournal Cell Metabolism mit über 205.000 Teilnehmern untermauert die Bedenken: Hoher Konsum tierischen Proteins verdoppelte die Typ-2-Diabetes-Rate. Auch die Darmgesundheit leidet – eine Untersuchung in Cellular and Molecular Gastroenterology zeigte im Tierversuch, dass Rindfleisch-Protein schwere Darmentzündungen auslösen kann, Erbsen-Protein nur milde Symptome.

Abnehmspritzen und fragwürdige Alternativen

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GLP-1-Rezeptor-Agonisten, sogenannte Abnehmspritzen, boomen ebenfalls. Prof. Dr. Thomas Kälicke warnt: Sie ersetzen keine nachhaltige Lebensstiländerung. Kliniken fragen die Einnahme vor Operationen routinemäßig ab – die verlangsamte Magenentleerung erhöht das Narkoserisiko.

Natürliche Alternativen wie Gelatine zur Gewichtsreduktion halten wissenschaftlicher Prüfung nicht stand. Mediziner stellen klar: Gelatine hat keinen hormonellen Einfluss auf das Sättigungsgefühl.

Effektiver ist eine moderate Reduktion des Viszeralfetts. Eine Verringerung des Bauchfetts um zehn Prozent senkt das Diabetes-Risiko bereits um 28 Prozent – unabhängig vom Ausgangsgewicht. Empfohlen werden Intervallfasten (14:10-Rhythmus) und ballaststoffreiche Ernährung mit mindestens 30 Gramm Ballaststoffen täglich.

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