Proteintrend, Supplement-Markt

Proteintrend: Supplement-Markt springt auf 4,3 Milliarden Euro

27.06.2026 - 11:13:18 | boerse-global.de

Tofu wird knapp, Supplement-Markt boomt: Der Proteintrend verÀndert den deutschen Lebensmittelmarkt grundlegend.

Proteintrend in Deutschland: Tofu-Knappheit und Rekord bei Supplementen
Proteintrend - Nahaufnahme von Tofu, Proteinpulver und Sojabohnen auf einem Holztisch, im Hintergrund unscharf ein Supermarktregal. 27.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

WĂ€hrend Tofu in SupermĂ€rkten zeitweise knapp wird, wĂ€chst der Markt fĂŒr NahrungsergĂ€nzungsmittel auf Rekordniveau.

Versorgungslage angespannt

In deutschen SupermĂ€rkten sind die Tofu-Regale vielerorts leer. Branchenbeobachter sehen den anhaltenden Proteintrend als Haupttreiber. Die gesteigerte Nachfrage trifft nicht nur auf pflanzliche Alternativen – auch Hersteller von Proteinpulvern passen ihre Rezepturen an. Grund: Molkenprotein wird knapp und teuer. Die Industrie weicht zunehmend auf alternative Eiweißquellen aus.

Die europĂ€ische Rohstoffbasis gewinnt dabei an Bedeutung. Österreich zeigt, wie der Umbau gelingen kann: 2024 wuchs Soja auf 86.000 Hektar, die Ernte brachte 272.000 Tonnen ein. Der Bio-Anteil lag bei 36 Prozent. Bis zur HĂ€lfte der Ernte landet direkt in Lebensmitteln. Unternehmen wie Saatbau Linz treiben die Entwicklung europĂ€ischer Sorten voran – seit 2006 kamen 71 neue Sorten auf den Markt. Ziel: weniger AbhĂ€ngigkeit von Importen.

Supplement-Markt auf Rekordkurs

Das Segment der NahrungsergĂ€nzungsmittel wĂ€chst rasant. 2025 erreichte der Markt in Deutschland ein Volumen von 4,3 Milliarden Euro. Der Absatz stieg auf 415 Millionen Packungen – 2022 waren es noch 241 Millionen.

Die Zahlen zeigen eine klare Struktur:
- Rund zwei Drittel der BundesbĂŒrger nutzen Supplemente
- Vitamine und Mineralstoffe machen 48 Prozent des Umsatzes aus
- Magnesium ist mit 75,3 Millionen verkauften Packungen das absatzstÀrkste Mineral
- DrogeriemÀrkte dominieren den Vertrieb mit 45 Prozent, der Online-Handel kommt auf 22,5 Prozent

Haupttreiber sind Trends wie Longevity, Darmgesundheit und personalisierte ErnÀhrung.

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Wissenschaftlicher RĂŒckenwind

Die wachsende Protein-Begeisterung bekommt auch wissenschaftliche UnterstĂŒtzung. Dr. Chris Macdonald von der University of Cambridge zeigt in einem Fachbeitrag: Eine erhöhte Proteinzufuhr kann besonders fĂŒr aktive Menschen, Ältere und Schwangere Vorteile bringen. Es gehe nicht nur um Mangelvermeidung, sondern um die VerlĂ€ngerung der Gesundheitsspanne. Der Bedarf lasse sich auch durch pflanzliche Quellen decken.

Das verĂ€ndert auch den Konsum tierischer Proteine. Von Januar bis April 2026 sanken die Rindfleischimporte nach Deutschland um gut drei Prozent auf 130.000 Tonnen. Besonders Importe aus der EU gingen um fĂŒnf Prozent zurĂŒck – Grund sind knappes Angebot und hohe Preise. Marktbeobachter erwarten fĂŒr 2026 einen leicht rĂŒcklĂ€ufigen Pro-Kopf-Verzehr von Rindfleisch.

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Politische und wirtschaftliche Fragen

Die Kosten fĂŒr proteinreiche Lebensmittel bleiben ein politisches Thema. Bundesagrarminister Alois Rainer prĂŒft angesichts gestiegener DĂŒngemittelpreise eine nationale Aufstockung von EU-Hilfen auf bis zu 180 Millionen Euro.

Auch die Kennzeichnung steht im Fokus. Rund 1.040 Anwender nutzen den Nutri-Score fĂŒr etwa 1.550 Marken. Interessenvertreter fordern eine breitere Anwendung und mehr Dialog zwischen Politik, Handel und Industrie. Dass QualitĂ€tssicherung auch bei etablierten Herstellern eine Herausforderung bleibt, zeigte ein RĂŒckruf von veganem Cordon Bleu der RĂŒgenwalder MĂŒhle im Juni 2026 – mögliche Fremdkörper in Produkten mit Sojaprotein.

Die Haushalte spĂŒren die Entwicklungen am Geldbeutel. 2023 gaben private Haushalte durchschnittlich 335 Euro pro Monat fĂŒr Lebensmittel aus. Fleisch, Wurst und Fisch waren mit 22 Prozent der grĂ¶ĂŸte Posten. Gleichzeitig stieg der Bio-Umsatz 2025 auf 18,23 Milliarden Euro – die Bereitschaft, in ökologisch erzeugte Lebensmittel zu investieren, wĂ€chst. Das Ziel von 30 Prozent Bio-FlĂ€che bis 2030 bleibt nach EinschĂ€tzung von Experten aber schwer erreichbar.

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