PSA-Test: Neue Studie belegt Nutzen bei Prostata-Krebs
21.05.2026 - 07:10:59 | boerse-global.deEine aktuelle Metaanalyse zeigt: Das Screening senkt die Sterblichkeit – wenn auch moderat.
Forscher der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und der University of Minnesota haben sechs randomisierte kontrollierte Studien mit fast 800.000 Teilnehmern ausgewertet. Ihr Ergebnis: Auf 1.000 getestete Männer kommen zwei Todesfälle weniger durch Prostatakrebs. Die sogenannte „Number Needed to Treat" liegt bei 500 – ein Wert, der die Langfristigkeit des Nutzens unterstreicht.
Grundlage ist unter anderem die europäische ERSPC-Studie, die nun auf 23 Jahre Nachbeobachtungszeit zurückblickt. Die absolute Risikoreduktion bleibt zwar gering, ist aber statistisch signifikant. Ein wichtiger Unterschied zu früheren Bewertungen aus dem Jahr 2013.
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Die Kehrseite der FrĂĽherkennung
Doch der Nutzen hat seinen Preis. Die ProtecT-Studie zeigt: Zwischen 8 und 47 Prozent der behandelten Männer leiden unter Langzeitfolgen wie Inkontinenz oder Impotenz. Das Risiko der Überdiagnose bleibt das zentrale Problem.
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) berät derzeit über eine risikoangepasste Screening-Strategie. Im Raum steht die Einbindung der Magnetresonanztomographie (MRT) als Kassenleistung – ein Schritt, der die Diagnostik verfeinern und unnötige Eingriffe vermeiden soll.
Präzisionsmedizin: Gentests als Schlüssel
Parallel zur Screening-Debatte verändert sich die Therapie. Die brasilianische Gesundheitsbehörde ANS hat am 20. Mai 2026 beschlossen, Olaparib als Monotherapie in den Pflichtleistungskatalog aufzunehmen – ab Juli für Patienten mit metastasiertem Prostatakrebs und BRCA1/2-Mutationen, bei denen die Hormontherapie versagt hat.
Der Trend zur molekularen Diagnostik gewinnt an Fahrt. Nur wer die genetischen Marker trägt, profitiert von den zielgerichteten Medikamenten. Der Haken: Die Behandlung bleibt zunächst auf Patienten beschränkt, die alle Standardtherapien ausgeschöpft haben.
Auch die Radiologie setzt neue Akzente. Auf dem 50. Kongress der italienischen Radiologen-Gesellschaft SIRM, der am 20. Mai 2026 in Sizilien begann, plädierten Experten für den breiteren Einsatz minimalinvasiver Verfahren. Gezielte Biopsien und perkutane Ablationen – gestützt auf hochauflösende Bildgebung – sollen die Treffsicherheit erhöhen und die Belastung für die Patienten senken.
Geriatrie: Wenn Medikamente zur Gefahr werden
Rund 90 Prozent aller Prostatakrebs-Diagnosen betreffen Männer über 65. Doch die Behandlung wird oft durch die allgemeine Gesundheitssituation erschwert. Ein Beispiel: Nächtlicher Harndrang (Nykturie) betrifft etwa 28 Prozent der Männer, aber nur 55 Prozent suchen ärztlichen Rat.
Der 132. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) am 19. Mai 2026 widmete sich daher dem Thema „Deprescribing" – dem gezielten Absetzen unnötiger Medikamente. Die Zahlen sind alarmierend: Jeder dritte Über-65-Jährige stürzt mindestens einmal im Jahr, bei den Über-85-Jährigen ist es jeder Zweite. Verantwortlich sind oft sogenannte „sturzrisikoerhöhende Medikamente" (FRIDs) wie Benzodiazepine, Opiate oder Betablocker.
Die Langzeitwirkung von Arzneimitteln betrifft auch die kognitive Gesundheit. Eine Studie vom August 2025 mit über 60.000 Typ-2-Diabetikern zeigte: GLP-1-Präparate senken das Demenzrisiko um 37 Prozent. Protonenpumpenhemmer (PPI) hingegen – bei längerer Einnahme über 4,4 Jahre – erhöhen es um 33 Prozent. Benzodiazepine steigern die Sterblichkeit in bestimmten Patientengruppen sogar um 41 Prozent. Die DGIM-Experten empfehlen ein pragmatisches Vorgehen: Dosishalbierung in mehreren Schritten, um Medikamente sicher abzusetzen.
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Gesundheitspolitik: Sparen auf Kosten der Vorsorge?
Die klinischen Fortschritte stehen unter wirtschaftlichem Druck. Der Bundestag stimmt am 22. Mai 2026 ĂĽber das GKV-Beitragsentlastungsgesetz ab. Geplant sind unter anderem eine Verdopplung der Zuzahlungen (gedeckelt bei 15 Euro) und die Streichung des Hautkrebsscreenings aus dem Leistungskatalog.
Ein weiterer Streitpunkt: Biosimilars. Eine Novelle des Apothekenwirtschaftsgesetzes (ApoVWG) verschiebt die Einführung von Exklusiv-Rabattverträgen für Biosimilars auf Juli 2028. Der AOK-Bundesverband kritisiert dies scharf. Vorstandsmitglied Dr. Carola Reimann spricht von einem „Zugeständnis an die Pharmaindustrie". Das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) hatte errechnet, dass frühere Verträge jährlich bis zu 2,33 Milliarden Euro einsparen könnten.
Der Kostendruck ist international spürbar. Portugals Nationaler Gesundheitsdienst (SNS) gab 2025 mit 4,417 Milliarden Euro so viel für Arzneimittel aus wie nie zuvor – getrieben von Onkologika und Antidiabetika. Allein die Krankenhausausgaben für Krebstherapien stiegen um 16 Prozent auf 864,5 Millionen Euro.
Ausblick: Vom Massenscreening zur individuellen Strategie
Die neue Cochrane-Analyse markiert einen Wendepunkt. Der Nutzen des PSA-Tests ist nun besser belegt, aber der „geringe absolute Nutzen" spricht gegen ein flächendeckendes Screening. Die Zukunft gehört einem abgestuften Verfahren: Bluttest, genetische Analyse, MRT – nur wer alle Stufen durchläuft, erhält eine gesicherte Diagnose.
Die Entscheidung des G-BA über das MRT als Kassenleistung wird zum Lackmustest für die Früherkennung in Deutschland. Parallel dazu dürfte das „Deprescribing" an Bedeutung gewinnen. Die AgeWell.de-Studie von 2025 zeigte: Die Reduktion komplexer Medikamentenpläne stabilisiert die kognitive Leistungsfähigkeit im Alter.
Das Ziel der modernen Prostatakrebs-Behandlung ist klar: Überleben maximieren, Nebenwirkungen minimieren. Die Instrumente dafür werden präziser – der Zugang zu ihnen bleibt eine Frage der Gesundheitspolitik.
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