Pseudogetreide: Buchweizen und Quinoa erobern Sportler-Küchen
Veröffentlicht: 09.07.2026 um 15:54 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Trotzdem erobern sie die Lebensmittelindustrie. Ihr Geheimnis: Sie sind glutenfrei und stecken voller Nährstoffe. Forscher und Sportler schwören zunehmend auf die Alternativen.
Nährstoffbomben mit Gesundheitsplus
Pseudogetreide punkten mit hochwertigem Eiweiß, Ballaststoffen und essenziellen Vitaminen. Studien zeigen: Regelmäßiger Verzehr kann Herz-Kreislauf-Gesundheit, Cholesterinspiegel und Blutzucker positiv beeinflussen.
Buchweizen sticht besonders hervor. Er liefert Lysin, Magnesium, Eisen, Zink und das Flavonoid Rutin. Die Verarbeitung spielt eine entscheidende Rolle: Ein aktueller Bericht zur Buchweizenbrot-Herstellung zeigt, dass lange Reifezeiten und Fermentation die Phytinsäure abbauen. Das macht die Mineralstoffe für den Körper besser verfügbar.
Sportler setzen auf die Getreide-Alternativen
Die Industrie nutzt Pseudogetreide für glutenfreie Nudeln, Snacks und Proteinmischungen. Im Bodybuilding wird Buchweizen zur Kohlenhydratquelle. IFBB-Profi Urs Kalecinski ersetzt Haferflocken durch Buchweizen – für eine bessere Verdauung in intensiven Aufbauphasen.
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Auch Startups treiben die Innovation voran. Das Münchner Unternehmen Circular Grain präsentierte eine Milchalternative aus Brauerei-Malzabfällen. Der Eiweißgehalt liegt laut Angaben deutlich über dem von Haferdrinks, der Wasserverbrauch weit darunter. Das Projekt Aardaia wiederum will die europäische Erdkastanien-Platterbse (Aardaker) nutzbar machen – eine Leguminose mit 25 Prozent Proteingehalt.
EU-Strategie: Fokus auf Tierfutter
Die EU-Kommission will den Selbstversorgungsanteil bei Futterprotein bis 2035 auf 35 Prozent steigern. Der aktuelle Proteinplan setzt auf Ölsaaten, Eiweißpflanzen und strategische Partnerschaften.
Kritik kommt von der European Vegetarian Union und ProVeg. Sie bemängeln: Die Strategie konzentriere sich zu stark auf Tierfutter. Konkrete Ziele für pflanzliche Proteine für den Menschen fehlten. Ein Forschungsprojekt der Hochschule Osnabrück untersucht derweil „Grashähnchen“ – Grünlandprotein als regionalen Soja-Ersatz in der Nutztierfütterung.
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Vorsicht bei glutenfreier Umstellung
Trotz aller Vorteile warnen Fachleute vor blindem Aktionismus. Die Kammer der Lebensmittelingenieure betonte: Ohne medizinische Indikation wie Zöliakie führt eine glutenfreie Diät nicht automatisch zu mehr Gesundheit. Eine unbedachte Umstellung kann sogar zu Vitamin- und Mineralstoffmangel führen.
Auch vor dem Trend „Fibermaxxing“ wird gewarnt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt 30 Gramm Ballaststoffe täglich. Doch eine zu schnelle Steigerung – etwa durch vermehrten Einsatz von Pseudogetreide – kann Verdauungsbeschwerden wie Blähungen oder Krämpfe auslösen. Die Lösung: langsam steigern und ausreichend trinken.
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