Psilocybin, Demenz

Psilocybin bei Demenz: Patientin spricht nach Jahren wieder

16.06.2026 - 05:12:17 | boerse-global.de

Eine Einzeldosis Psilocybin fĂŒhrt bei einer 80-jĂ€hrigen Demenzkranken vorĂŒbergehend zu Sprache und MobilitĂ€t. Experten warnen vor zu großen Hoffnungen.

Alzheimer-Patientin: Psilocybin weckt kurzzeitig verlorene FĂ€higkeiten
Psilocybin - Nahaufnahme einer Petrischale mit einem Netzwerk von Neuronen oder Gehirnzellen unter einem Mikroskop mit einem Ă€therischen Leuchten. 16.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Die Effekte hielten jedoch nicht an.

Wissenschaftler um Marcos Lago aus SĂŁo Paulo dokumentierten den Fall in der Fachzeitschrift Frontiers in Neuroscience. Die japanisch-amerikanische Frau litt seit zehn Jahren an Alzheimer-Demenz, die letzten fĂŒnf Jahre war sie weitgehend sprachunfĂ€hig.

Anzeige

WĂ€hrend die Wissenschaft nach neuen AnsĂ€tzen forscht, bleibt die frĂŒhzeitige Erkennung von kognitiven VerĂ€nderungen der wichtigste Schritt zur Vorsorge. Mit diesem anonymen 7-Fragen-Selbsttest erhalten Sie in nur 2 Minuten eine erste EinschĂ€tzung zu Ihrer GedĂ€chtnisleistung. Jetzt kostenlosen Demenz-Selbsttest starten

Die erstaunliche VerÀnderung

Die Patientin erhielt eine Einzeldosis von fĂŒnf Gramm psilocybinhaltiger Pilze der Sorte „Enigma“. Rund 19 Stunden spĂ€ter setzten unerwartete VerĂ€nderungen ein.

Die zuvor kaum sprechfĂ€hige Frau begann spontan in vollstĂ€ndigen SĂ€tzen zu kommunizieren. Sie erkannte Familienmitglieder namentlich. In den folgenden Wochen kehrten weitere FĂ€higkeiten zurĂŒck: Die Patientin konnte wieder selbststĂ€ndig gehen, sich anziehen und war vorĂŒbergehend kontinent.

Eine zweite, geringere Dosis von drei Gramm einen Monat spĂ€ter fĂŒhrte zu verbesserter Mimik und der RĂŒckkehr von Humor.

Die Forscher betonen: Die Effekte waren nicht von Dauer. Eine Heilung oder Verlangsamung der Erkrankung stellte sich nicht ein.

Wie könnte Psilocybin wirken?

Die beobachteten Effekte werfen Fragen zu den neurologischen Prozessen auf. Wissenschaftler vermuten, dass Psilocybin die 5-HT2A-Serotoninrezeptoren aktiviert. Das könnte die neuronale PlastizitÀt erhöhen und den Nervenwachstumsfaktor BDNF stimulieren.

Eine Hypothese: Die Substanz reorganisiert vorĂŒbergehend die Kommunikation zwischen verbliebenen, aber isolierten Hirnnetzwerken. Durch die Reduktion starrer Netzwerkstrukturen könnten zeitweise kognitive Restfunktionen zugĂ€nglich werden.

PrĂ€klinische Daten stĂŒtzen diese Annahmen. Die Monash University veröffentlichte im Juni 2026 in Cell Reports Medicine eine Studie: Eine Einzeldosis Psilocybin verbesserte bei Ratten mit chronischen Hirntrauma-SchĂ€den die sensomotorischen Funktionen und reduzierte entzĂŒndungsfördernde Mikrogliazellen.

Vorsicht bei der Interpretation

Trotz der bemerkenswerten Beobachtungen warnen Experten vor ĂŒbertriebenen Hoffnungen. Es handelt sich um eine Einzelfallbeobachtung ohne Kontrollgruppe oder spezifische Biomarker-Analysen.

Kritiker hinterfragen zudem die wissenschaftliche QualitĂ€t: Die beteiligte Organisation „Associação Cruz de Ankh“ hat keine UniversitĂ€tsanbindung. Auch das Publikationsorgan steht in der Kritik.

Nebenwirkungen traten auf: starkes Schwitzen, Fieber und ein ungewöhnlich langer Schlaf. Eine Selbstmedikation ist aufgrund unvorhersehbarer Risiken und der rechtlichen Lage gefÀhrlich.

Anzeige

Um die geistige Fitness bis ins hohe Alter zu bewahren, empfehlen Experten neben medizinischer Forschung auch gezieltes Training im Alltag. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Ihnen 11 einfache Übungen, mit denen Sie Ihre Konzentration und Ihr GedĂ€chtnis nachhaltig stĂ€rken können. Kostenlosen Leitfaden fĂŒr Gehirntraining anfordern

WĂ€hrend Australien Psilocybin seit 2023 unter strengen Auflagen zur Behandlung von Depressionen zulĂ€sst, bleibt die Substanz in Deutschland gemĂ€ĂŸ dem BetĂ€ubungsmittelgesetz illegal.

Breitere Forschung lÀuft

Der Fallbericht ist Teil eines wachsenden Interesses an Psychedelika in der Geriatrie. Die UC Berkeley fĂŒhrt derzeit Studien mit Psilocybin an gesunden Erwachsenen zwischen 60 und 85 Jahren durch. Ziel ist es, die Auswirkungen auf psychische FlexibilitĂ€t und Wohlbefinden im Alter zu untersuchen.

Ob sich aus den bisherigen Einzelergebnissen tatsĂ€chlich neue Therapieoptionen fĂŒr Demenzpatienten entwickeln lassen, mĂŒssen kĂŒnftige kontrollierte klinische Studien zeigen.

de | wissenschaft | 69549051 |