Psychische, Belastung

Psychische Belastung: 17,4% aller Fehltage durch Erkrankungen

16.06.2026 - 18:11:44 | boerse-global.de

Psychische Leiden verursachen 17,4 Prozent aller Fehltage. Führungskräfte und KI-Ängste verschärfen die Krise am Arbeitsplatz.

Psychische Erkrankungen: Jeder fĂĽnfte Fehltag betroffen
Psychische - Eine Gruppe von Fachleuten nimmt an einem Workshop zum Thema Stressmanagement in einem modernen Büro teil, mit einem Fokus auf Prävention und Resilienz. 16.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Depressionen, Überlastung und die Angst vor KI setzen Beschäftigte massiv unter Druck. Unternehmen reagieren – doch reicht das?

Alarmierende Zahlen zur psychischen Belastung

Der Psychreport 2025 der DAK-Gesundheit zeigt: Psychische Erkrankungen verursachten 17,4 Prozent aller Fehltage. Allein Depressionen sorgten für 183 Fehltage je 100 Versicherte. „Viele Betroffene bemerken ihre Erschöpfung erst im Urlaub“, sagt Expertin Stefanie Schnier.

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Auch die Arbeitszeitgestaltung bereitet Sorgen. Der DGB-Index „Gute Arbeit 2025“ belegt: 43 Prozent der Beschäftigten arbeiten regelmäßig mehr als acht Stunden täglich – oft unfreiwillig. Fast die Hälfte fühlt sich nach der Arbeit leer oder ausgebrannt. Dr. Elke Ahlers vom WSI warnt vor einer Aufweichung der Höchstarbeitszeit: „Das Arbeitszeitgesetz schützt die Regeneration der Beschäftigten.“

Wenn Chefs selbst am Limit sind

Führungskräfte trifft die Belastung besonders hart. Ein Gallup-Index zeigt: 20 Prozent der deutschen Chefs fühlen sich häufig oder immer ausgebrannt. Nur 11 Prozent haben eine starke Bindung zu ihrem Unternehmen.

Top-Manager setzen auf eigene Strategien. Eon-Chef Leonhard Birnbaum schwört auf Klettern und fokussiert sich bewusst auf eine Aufgabe. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp vertraut auf ihre Erfahrung, um Krisen einzuordnen. Neurologe Volker Busch warnt: „Permanenter Fokusverlust erzeugt massiven Stress und mindert die Leistungsfähigkeit.“

KI als zusätzlicher Stressfaktor

Die Einführung Künstlicher Intelligenz verunsichert die Belegschaft zusätzlich. Eine Pew-Research-Studie von 2025 ergab: 62 Prozent der Berufstätigen fühlen sich durch die technologische Entwicklung verunsichert. Fast die Hälfte befürchtet einen Leistungsabfall durch KI.

Coaching-Angebote sollen gegensteuern. Eine McKinsey-Studie von 2025 belegt: Gezieltes Resilienz-Coaching steigert die Entscheidungsqualität um 23 Prozent und senkt die Fluktuationsrate um 15 Prozent. „Das Selbstvertrauen der Manager ist der entscheidende Hebel“, sagt Jessica Wahl vom Institut für Personal Performance.

Was Unternehmen bereits tun

Die deutsche Industrie hat das Problem erkannt. Eine Allensbach-Umfrage im Auftrag des BDI zeigt: 77 Prozent der Unternehmen haben bereits eine Resilienz-Strategie, 16 Prozent planen eine. Dennoch fordern Industrievertreter einen staatlichen Handlungsrahmen – systemische Risiken in Lieferketten oder bei der Energieversorgung ließen sich nicht allein betrieblich lösen.

Im Juni 2026 verabschiedeten der VDSI und arbeitsmedizinische Verbände die „Berliner Erklärung zur interdisziplinären Prävention“. Ziel: Prävention bei Digitalisierung und psychischen Belastungen stärker in Politik und Wirtschaft verankern. Organisationen wie die Initiative Gesundheit und Arbeit (iga) bieten bereits digitale Trainingsmodule an.

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Besondere Herausforderung fĂĽr kleine Unternehmen

Für kleine und mittlere Unternehmen empfiehlt Christian Funk von CF Mental Coaching: Gesundheitsmanagement direkt in die Führungskultur integrieren. Workshops zu Stressmanagement und resilienzfördernde Maßnahmen seien entscheidend, um Teams langfristig leistungsfähig zu halten.

Experten raten zudem zu einem gesunden Lebensstil mit ausreichend Schlaf und Bewegung sowie zu positiven sozialen Beziehungen – die Basis für individuelle Widerstandsfähigkeit.

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