Psychische Belastung: 184 Fehltage pro 100 Versicherte im Halbjahr
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 01:10 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Zahl der Fehltage wegen psychischer Erkrankungen ist im ersten Halbjahr 2026 um neun Prozent gestiegen. Mit durchschnittlich 184 Fehltagen pro 100 Versicherte liegen sie jetzt vor Atemwegserkrankungen als häufigster Grund für Arbeitsunfähigkeit. Der DAK-Report zeigt: Nicht der Arbeitsort entscheidet über das Wohlbefinden, sondern die Qualität der Abgrenzung zwischen Job und Privatleben.
Wo die Grenzen verschwimmen, wird es gefährlich
Der allgemeine Krankenstand sank leicht von 5,4 auf 5,3 Prozent. Atemwegserkrankungen gingen sogar um 21 Prozent auf 175 Fehltage pro 100 Versicherte zurück. Doch die psychischen Belastungen steigen weiter. Das IGES-Institut wertete Daten von 2,2 Millionen Versicherten aus und ermittelte eine durchschnittliche Krankheitsdauer von 9,6 Tagen.
DAK-Chef Andreas Storm sieht dringenden Handlungsbedarf bei Langzeiterkrankungen. Als Hauptursachen für die zunehmende psychische Belastung nennen Fachleute Leistungsdruck, Personalmangel und allgemeine Unsicherheit.
Homeoffice: Segen oder Fluch?
Der Deutsche Bundesverband für Burnout-Prävention (DBVB) stellte im Juli 2026 klar: Homeoffice allein macht nicht krank. Entscheidend ist die Fähigkeit, klare Grenzen zu ziehen. Verschwimmen diese, steigt das Risiko für Burnout und chronischen Stress.
Eine Studie der University of North Carolina bestätigt das. Die am 20. Juli 2026 im Journal of Applied Psychology veröffentlichte Untersuchung von Ryan Grant zeigt: Wer nach Feierabend sofort abschaltet, erholt sich besser und steigert seine Arbeitsleistung. Empfohlen werden feste Routinen und größere zusammenhängende Erholungsblöcke.
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Die innere Uhr tickt anders
Die Chronobiologie rückt in den Fokus der betrieblichen Gesundheitsförderung. Nur etwa 20 Prozent der Menschen sind „Lerchen“ – also Frühaufsteher, erklärt Chronobiologe Till Roenneberg. Passt die biologische Innenzeit nicht zu den sozialen Arbeitszeiten, entsteht „Social Jetlag“. Die Folge: erhöhtes Risiko für Übergewicht, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Aktuelle Untersuchungen aus Juli 2026 legen nahe: Wer im Rhythmus seiner inneren Uhr arbeitet, steigert Produktivität, Kreativität und Entscheidungsfähigkeit. Fachleute wie Camilla Kring empfehlen Kernarbeitszeiten zwischen 10 und 15 Uhr und die Berücksichtigung von Chronotypen bei Meetings.
Prävention kostet – Mangel an Prävention auch
Die gesetzlichen Krankenkassen investierten 2024 rund 686 Millionen Euro in gesundheitsfördernde Maßnahmen, zeigt der Präventionsbericht 2025. Das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) registrierte für 2024 rund 185.400 Herzinfarktfälle – ein Rückgang von 14 Prozent gegenüber 2017.
Doch während die physische Gesundheit Fortschritte macht, bleibt die psychische ein kritisches Feld. Das zeigt sich auch in restriktiven Maßnahmen bei mobiler Arbeit. Airbus will die Homeoffice-Regelung ab September 2026 von zwei Tagen auf einen Tag pro Woche reduzieren. Der Betriebsrat kritisiert den Schritt scharf und warnt vor Attraktivitätsverlust und Platzmangel in den Büros.
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Klare Regeln für die digitale Kommunikation
Auch rechtlich wird die Grenze zwischen Dienstlichem und Privatem immer wichtiger. Die Fachanwältin für Arbeitsrecht Nathalie Oberthür stellte im Juli 2026 klar: Die private Nutzung des dienstlichen E-Mail-Postfachs ist nur bei expliziter Erlaubnis durch den Arbeitgeber zulässig. Verstöße können Abmahnungen oder Kündigungen nach sich ziehen. Klare betriebliche Richtlinien für die digitale Kommunikation sind daher kein Nice-to-have – sie sind überlebenswichtig.
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