Psychische Belastung: COPSY und Schulbarometer zeigen Anstieg
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 12:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die StÀrkung der psychischen WiderstandsfÀhigkeit gewinnt im Umgang mit persönlichen Krisen und gesellschaftlichen Belastungen an Bedeutung. Zur PrÀvention und Trauma-BewÀltigung setzen Initiativen, BildungstrÀger und Autoren vermehrt auf zielgerichtete Formate. Neben therapeutischer Begleitung und praxisorientierten Workshops eröffnen insbesondere literarische ZugÀnge neue HandlungsspielrÀume, um mentale Ressourcen zu festigen.
Praxisnahe WerkstÀtten und kreative ZugÀnge
Kreative und erlebnisorientierte Methoden spielen beim Erlernen von Resilienzmechanismen eine wachsende Rolle. In Neuwied starteten Sylvia Schifano von der FamilienbildungsstĂ€tte und Sabine Parker Resilienz-Workshops, die mit theaterpĂ€dagogischen und erfahrungsbasierten Ăbungen arbeiten. Ziel des Programms ist es, innere StĂ€rke aufzubauen und konkrete Handlungsoptionen fĂŒr Situationen persönlicher Verunsicherung zu vermitteln.
Auch das Verfassen und Reflektieren eigener Texte wird gezielt zur StĂ€rkung herangezogen. Im Stadtmuseum Amberg liest die Autorin Anja Gmeinwieser am 20. September 2026 um 18 Uhr aus ihrem DebĂŒtwerk âWir Königinnenâ, eingeleitet von einer EinfĂŒhrung ab 16.30 Uhr. Die Veranstaltung bildet zugleich den Auftakt fĂŒr eine Schreibwerkstatt fĂŒr 16- bis 27-JĂ€hrige, die Gmeinwieser an mehreren Terminen zwischen Oktober und Dezember 2026 leitet.
Dass das Konzept des kreativen Schreibens auch im internationalen Austausch greift, zeigte sich am 14. September 2026 an der Korea University in Seoul.
Dort leitete die Autorin Danielle McLaughlin, die 2019 den Windham-Campbell Prize sowie den Sunday Times Audible Short Story Award gewann, einen zweistĂŒndigen Schreibworkshop vor mehr als 50 Teilnehmenden. Die Initiative gehört zu einem 2024 gestarteten Programm der irischen Botschaft und der Organisation Literature Ireland.
Institutionelle Programme fĂŒr junge Generationen
Vor allem bei Heranwachsenden gilt die Förderung psychosozialer Gesundheit als dringlich. Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) verwies anlĂ€sslich des Weltkindertags am 20. September 2026 unter dem Motto âStarke Kinder, starke Zukunft!â auf Entwicklungen mehrerer Erhebungen: Die seit 2020 laufende COPSY-Studie zeigt eine zunehmende seelische Belastung von Kindern und Jugendlichen auf.
Zudem registriert das Deutsche Schulbarometer 2025/26 erstmals seit der Corona-Pandemie wieder ansteigende psychische Belastungen, wĂ€hrend deutsche SchĂŒler bei der PISA-Studie zuletzt ihre bislang schwĂ€chsten Ergebnisse erzielten. BDP-PrĂ€sidentin Bethlehem forderte daher einen Ausbau niedrigschwelliger psychologischer Angebote und schulpsychologischer Hilfen.
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In Niederösterreich reagiert die Organisation âTut gutâ mit dem Projekt âMoodUpâ auf die Herausforderungen bei 12- bis 20-JĂ€hrigen. Das bis 2028 laufende Vorhaben wird aus Mitteln der Bundesgesundheitsagentur finanziert und stellt pro Gruppe bis zu 500 Euro Förderung je Einzelprojekt bereit.
Auf einer Informationsveranstaltung am 21. September 2026 in Amstetten sowie weiteren Terminen im Oktober in St. Pölten und im Internet stellt die Initiative ihr Konzept vor. Ab JÀnner 2027 starten Jugendgesundheitskonferenzen, die Jugendliche aktiv in Projekte einbinden sollen.
Landesrat Anton Kasser verwies diesbezĂŒglich auf einen akuten Handlungsbedarf bei der psychischen Gesundheit junger Menschen. Regionale Konferenzen sind unter anderem fĂŒr den 17. Juni 2027 in Amstetten und den 24. Juni 2027 in St. Pölten geplant.
Auf kommunaler Ebene bieten Ă€hnliche Strukturen praktische Hilfen an. So legte der Landkreis Dingolfing-Landau einen aktualisierten PrĂ€ventionskatalog fĂŒr Schulen vor, der 30 Angebote aus acht Bereichen umfasst, darunter Gewalt- und MobbingprĂ€vention sowie mentale Gesundheit. Im vergangenen Schuljahr wurden dadurch rund 3.800 SchĂŒler erreicht.
Fachliteratur und ErschöpfungsprÀvention
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ErgĂ€nzend zu Bildungsinitiativen bieten aktuelle Fach- und SachbĂŒcher methodische LeitfĂ€den zur BewĂ€ltigung extremer Belastungen. Am 12. Oktober 2026 stellen Nicole Zepter, Dr. Simone Frohwein und Elke HĂŒttenrauch ihr Werk âDie erschöpfte Frauâ in Köln vor. Hintergrund des Buchs sind Erfahrungen aus der Klinik Hohes Licht in Oberstdorf, die jĂ€hrlich rund 850 Patientinnen begleitet.
Auf theoretischer Ebene legte Prof. Dr. Sinje Gehr von der HAWK am Gesundheitscampus Göttingen das im Hogrefe Verlag erschienene âKompendium Gesundheitsfördernde Soziale Arbeitâ fĂŒr 68 Euro vor. Es ordnet globale, gesellschaftliche und individuelle EinflĂŒsse in einem systematischen Modell (MoGS) ein.
Nach Angaben von Gehr leisten deutschlandweit rund 350.000 FachkrÀfte in der Sozialarbeit einen direkten Beitrag zur StÀrkung der psychischen und physischen Gesundheit.
