Psychische Belastung: Depressionen steigen bereits ab 25 Grad
Veröffentlicht: 30.06.2026 um 03:49 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die extreme Hitzewelle im Juni mit Temperaturen bis zu 41,7 Grad Celsius bringt nicht nur Rettungskräfte an ihre Grenzen. Im Fokus stehen zunehmend vulnerable Gruppen – darunter Menschen mit ADHS, Autismus oder psychischen Vorerkrankungen.
Wenn die Sinne überlasten
Das Beratungsnetzwerk für ADHS und Autismus warnt vor tiefgreifenden Auswirkungen auf die neurologische Verarbeitung. Betroffene nehmen hohe Temperaturen oft intensiver wahr, was zu schnellerer Erschöpfung führt. Zudem kann die körperliche Belastung den ohnehin oft gestörten Dopaminhaushalt weiter verschlechtern.
Ein besonderes Problem: die verminderte Interozeption. Viele Betroffene spüren Durst oder Überhitzung erst verzögert. Experten empfehlen daher konkrete Hilfsmittel wie Trink-Trigger oder sichtbar platzierte Kühlprodukte.
Psychische Belastung ab 25 Grad
Die Universitätsklinik Magdeburg untersucht im Projekt SWEATR den Zusammenhang zwischen Temperatur und psychischem Befinden. Bereits ab 25 Grad sinkt das Wohlbefinden messbar. Eine Studie mit 183 Probanden aus dem Sommer 2025 zeigt: Ängstliche und depressive Symptome nehmen mit steigenden Temperaturen zu.
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Eine repräsentative Befragung unter 1.803 Erwachsenen ergab zudem: Entscheidend für das Schutzverhalten sind die individuelle Risikowahrnehmung und die Überzeugung von der eigenen Handlungsfähigkeit. Eine Folgestudie mit 539 Teilnehmenden untersucht derzeit, wie gezielte Risikokommunikation das Verhalten verbessern kann. Das Projekt wird vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung gefördert.
Infrastruktur am Limit
Die elf Tage andauernde Hitzewelle führte an 252 Wetterstationen zu Allzeitrekorden. Die Feuerwehren in Dortmund und Mainz meldeten ein teils verdreifachtes Einsatzaufkommen. In Berlin verzeichnete die Feuerwehr an einem einzigen Wochenende über 4.000 Einsätze.
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Laut WHO wurden seit dem 21. Juni europaweit über 1.300 zusätzliche Hitzetote registriert. In Deutschland schätzen Experten die jährlichen hitzebedingten Todesfälle bis zum Ende des Jahrhunderts auf 12.000 bis 42.000.
Was jetzt passieren muss
Politische Akteure fordern Sofortprogramme für mehr Stadtgrün, Klimaanlagen in Schulen und Kitas sowie Hitzeaktionspläne in Kliniken. Erste Einrichtungen haben bereits personelle Ressourcen für das Klimamanagement geschaffen und Kühltücher in großen Mengen bereitgestellt.
In Berlin und anderen Großstädten werden Konzepte für „Miniparks" und zusätzliche Verschattungen diskutiert. Ziel ist es, die Entstehung von Hitzeinseln zu reduzieren – und besonders vulnerable Gruppen zu schützen.
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