Psychische, Belastung

Psychische Belastung im Job: 45 Prozent der EU-Beschäftigten betroffen

Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 16:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die EU-OSHA bündelt bis 2028 Maßnahmen gegen psychosoziale Risiken; EU-Erhebungen zeigen verbreitete Belastungen und Lücken bei der Unterstützung.
Ein minimalistischer, heller Büroarbeitsplatz mit Blick auf eine Grünanlage, ohne Personen oder technische Geräte. Illustration mit AI erstellt.

Die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) hat am 13. Oktober 2026 in Brüssel ihre mehrjährige Kampagne „Healthy Workplaces 2026–28: Together for mental health at work“ gestartet. Damit stellt die europäische Arbeitsschutzbehörde die Vorbeugung psychosozialer Risiken sowie das seelische Wohlbefinden von Beschäftigten in den Mittelpunkt ihrer Arbeit.

Die offizielle Kampagnen-Website ist seit dem 1. Oktober 2026 online, flankiert von einem Programm für Kooperationen mit Unternehmen und Verbänden. Die Kampagne soll aufzeigen, dass psychische Belastungen keine individuellen Schwächen darstellen, sondern systematisch im betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutz gesteuert werden müssen.

Belastungsdaten und ökonomische Dimension

Erhebungen der EU-OSHA verdeutlichen das Ausmaß der bestehenden Belastungen im europäischen Raum. Fast die Hälfte der Beschäftigten in der Europäischen Union (45 %) berichtet über Risiken für das psychische Wohlbefinden am Arbeitsplatz. Zudem erklären 29 % der Arbeitnehmer, unter Stress, Depressionen oder Angstzuständen zu leiden, die durch ihre berufliche Tätigkeit verursacht oder verstärkt wurden.

Der Untersuchung „OSH Pulse 2025“ zufolge litten 37 % der befragten Arbeitnehmer in der Europäischen Union in den vorangegangenen zwölf Monaten unter arbeitsbedingter allgemeiner Müdigkeit, während 35 % über Kopfschmerzen oder Sehbelastungen klagten.

In Belgien wurden diesbezüglich Werte von 40 % beziehungsweise 32 % ermittelt. Zudem sind in der Europäischen Union über vier von zehn Beschäftigten starkem Zeitdruck oder Arbeitsüberlastung ausgesetzt.

Neben den gesundheitlichen Auswirkungen dokumentiert die Agentur massive volkswirtschaftliche Belastungen: Die wirtschaftlichen Verluste durch psychische Störungen belaufen sich in der Europäischen Union auf jährlich über 100.000 Mio. Euro.

Fünf Schwerpunkte und betriebliche Defizite

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Für die Kampagnenlaufzeit bis 2028 hat die EU-OSHA fünf prioritäre Handlungsbereiche festgelegt: die Risikobewertung und das entsprechende Risikomanagement, den Schutz vor Gewalt und Belästigung, den Zusammenhang zwischen physischen Belastungen und seelischer Gesundheit, psychosoziale Risiken im Gesundheits- und Sozialsektor sowie allgemeine Unterstützungsangebote für Beschäftigte.

Trotz der Dringlichkeit greifen betriebliche Maßnahmen bislang lückenhaft. Lediglich 45 % der Beschäftigten in der Europäischen Union geben an, dass sie zu Stressfaktoren im Betrieb konsultiert werden. Schulungen oder Informationen zu Wohlbefinden und Stressbewältigung erhielten EU-weit 53 % der Arbeitnehmer, während 40 % Zugang zu psychologischer Beratung haben. Nur 35 % berichten von konkreten organisatorischen Maßnahmen zur Entlastung.

Aus Sicht des Fachverbands Federation of European Ergonomics Societies (FEES) entstehen psychosoziale Gefährdungen primär durch fehlerhafte Arbeitsgestaltung und Mängel in Organisation und Führung.

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Zu hohe Arbeitslast, widersprüchliche Anforderungen, geringe Mitsprachemöglichkeiten und unzureichende Unterstützung begünstigen Überlastungen. Eine wirksame Prävention müsse daher Gefährdungen strukturiert erfassen, bewerten, abstellen und den Erfolg der Maßnahmen überprüfen.

Aktionen und Umsetzung in den Mitgliedstaaten

Im Rahmen der Europäischen Woche für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, die vom 19. bis zum 24. Oktober 2026 angesetzt ist, teilen Akteure EU-weit praktische Lösungsansätze. Auf nationaler Ebene übernehmen regionale und staatliche Institute die Umsetzung.

In Finnland koordiniert das finnische Institut für Arbeitsgesundheit (Työterveyslaitos) die Kampagne; Fachleute des Instituts betonten die Notwendigkeit, Belastungen vorausschauend zu begegnen und Arbeitsplätze menschengerecht einzurichten.

In Polen startete im Oktober 2026 die landesspezifische Kampagnenversion, nachdem die dortige Umfrage „Puls BHP 2025“ ergab, dass 39 % der Befragten unter Erschöpfung und 29 % unter Stress oder Angst litten.

In Spanien organisieren das Nationale Institut für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit (INSST) und das RESST-Netzwerk vom 3. Oktober bis zum 26. November 2026 mehr als 20 Informationsveranstaltungen, darunter eine Fachtagung in Madrid am 22. Oktober 2026. Dortige Erhebungen belegen ein ähnliches Missverhältnis: Zwar klagten in Spanien 40 % der Beschäftigten über Stress, Depressionen oder Angst und 45 % über arbeitsbedingte Müdigkeit, doch erhielten lediglich 25 % organisatorische Unterstützung durch den Arbeitgeber.

In Irland hat die Arbeitsschutzorganisation NISO für den 12. November 2026 eine Fachkonferenz zum Umgang mit psychosozialen Risiken im Betrieb anberaumt.

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