Psychische, Belastung

Psychische Belastung: Jeder vierte junge Erwachsene kÀmpft mit Störungen

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 12:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Internationale Studien zeigen mehr Angst, Depressionen und Einsamkeit bei jungen Menschen. Besonders MÀdchen sind betroffen, wÀhrend Hilfsangebote fehlen.

Psychische Belastungen junger Menschen weltweit deutlich gestiegen
Eine einsame, verwitterte Holzbank auf einer nebligen Wiese in der DĂ€mmerung. Illustration mit AI erstellt.

Mehrere internationale Berichte und wissenschaftliche Untersuchungen zeichnen im September 2026 ein deutliches Bild einer weltweit steigenden psychischen Belastung bei jungen Erwachsenen und Studierenden. Die Analysen weisen auf eine Zunahme von AngstzustÀnden, Depressionen und Einsamkeit hin, wobei insbesondere junge Frauen und MÀdchen betroffen sind.

Internationale Befunde zu Belastungsstörungen und Einsamkeit

Professor Peter Fonagy, Leiter einer unabhĂ€ngigen ÜberprĂŒfung zu psychischer Gesundheit, bestĂ€tigte laut einem Bericht vom 21. September 2026 einen realen Anstieg psychischer Belastungen bei Kindern und Jugendlichen. Die hĂ€ufigsten Problematiken seien demnach Angststörungen, Depressionen, Selbstverletzung und Essstörungen.

In der vor rund neun Monaten in Auftrag gegebenen ÜberprĂŒfung wird festgestellt, dass etwa jeder vierte 16- bis 24-JĂ€hrige mit psychischen Problemen kĂ€mpft. Fonagy wies darauf hin, dass dieser Trend seit den 1990er Jahren anhalte und ab einem Alter von etwa 12 Jahren besonders bei MĂ€dchen ausgeprĂ€gt sei.

ZusĂ€tzlich zur klinischen Symptomatik wird eine Zunahme der Vereinsamung beobachtet. Laut britischen Daten hat sich die Zahl der Jugendlichen ohne Freunde seit 2014 verfĂŒnffacht.

In Deutschland zeigt das Einsamkeitsbarometer 2026, dass sich junge Erwachsene im Alter von 18 bis 40 Jahren Ă€hnlich hĂ€ufig einsam fĂŒhlen wie Menschen ĂŒber 75 Jahre – in beiden Gruppen betrifft dies fast jede vierte Person.

Fachleute wie AndrĂ© Hajek vom UniversitĂ€tsklinikum Hamburg-Eppendorf sehen die Ursachen in schwierigen Übergangsphasen wie dem Berufsstart, globalen Krisen sowie dem Druck durch soziale Medien.

Regionale Entwicklungen in Europa und dem Nahen Osten

Eine systematische Meta-Analyse von Ahmed Hossain (University of Sharjah), die Ergebnisse aus 46 Studien mit ĂŒber 24.000 Studierenden in den Golfstaaten zusammenfasst, belegt eine hohe PrĂ€valenz psychischer Beschwerden.

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Die Rate fĂŒr Depressionen liegt demnach bei 48,1 Prozent, wĂ€hrend AngstzustĂ€nde und Stress bei jeweils ĂŒber 53 Prozent der Befragten festgestellt wurden. Besonders hohe Werte zeigten sich bei Medizinstudierenden (60,2 Prozent) und wĂ€hrend der COVID-19-Pandemie.

In den Niederlanden verdeutlicht der im September 2026 veröffentlichte HBSC-Bericht der UniversitÀt Utrecht und des Trimbos-Instituts, dass 12- bis 16-jÀhrige MÀdchen eine deutlich gesunkene Lebenszufriedenheit aufweisen. Diese liege aktuell bei einem Durchschnittswert von 6,8, verglichen mit 7,8 im Jahr 2001. Die Hauptforscherin Gonneke Stevens wies zudem auf eine problematische Social-Media-Nutzung hin, die bei MÀdchen mit 7,2 Prozent höher liege als bei Jungen.

Parallel dazu berichten spanische FachĂ€rzte fĂŒr Psychiatrie von einer Verschiebung im Konsumverhalten. Jugendliche wĂŒrden Alkohol zunehmend durch verschreibungspflichtige Medikamente wie Anxiolytika ersetzen, ein PhĂ€nomen, das als „Pharming“ bezeichnet wird. Die Estudes-Umfrage 2025 unter mehr als 35.000 SchĂŒlern bestĂ€tigt, dass die LebenszeitprĂ€valenz fĂŒr die Nutzung von Beruhigungs- und Schlafmitteln bei MĂ€dchen bei 24,1 Prozent liegt.

Die Situation in Deutschland: Diagnosen und VersorgungsengpÀsse

In Deutschland stĂŒtzen Daten der Krankenkassen die Beobachtung einer VerschĂ€rfung der Lage. Der Kinder- und Jugendreport der DAK zeigt, dass 66,5 von 1.000 versicherten MĂ€dchen wegen einer Angststörung in Behandlung waren – ein Anstieg um 53 Prozent im Vergleich zu 2019. Die Zahl der chronischen Angststörungen habe sich demnach verdoppelt. Im Jahr 2024 erhielten bundesweit hochgerechnet rund 84.000 jugendliche MĂ€dchen Behandlungen wegen Depressionen.

Experten wie Christoph Correll von der CharitĂ© beobachten eine langfristige Verfestigung dieser Störungen. Gleichzeitig wird die Versorgungslage kritisiert: In Großbritannien wartet laut Professor Fonagy ein Drittel der Patienten lĂ€nger als ein Jahr auf Hilfe. Die Deutsche PsychotherapeutenVereinigung (DPtV) weist darauf hin, dass psychische Erkrankungen mittlerweile zu den drei hĂ€ufigsten Ursachen fĂŒr ArbeitsunfĂ€higkeit zĂ€hlen.

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Forderungen nach strukturellen Verbesserungen

Angesichts dieser Datenlage fordern VerbÀnde wie der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) sowie UNICEF Deutschland massive Investitionen in die psychische Gesundheit. BDP-PrÀsidentin Thordis Bethlehem betont die Notwendigkeit, niedrigschwellige psychologische Angebote und schulpsychologische Strukturen auszubauen.

UNICEF und das Deutsche Kinderhilfswerk mahnen zudem an, Kinderrechte im Grundgesetz zu verankern und den Schutz im digitalen Raum sowie die mentale Gesundheitsvorsorge konsequent zu fördern. Die DPtV legte hierzu im September 2026 einen Forderungskatalog vor, der unter anderem eine bessere Bedarfsplanung fĂŒr eine wohnortnahe Versorgung von Kindern und Jugendlichen sieht.

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