Psychische, Belastung

Psychische Belastung: Krankentage wegen Stress auf Rekord

Veröffentlicht am: 04.08.2026 um 15:41 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Krankmeldungen wegen psychischer Belastungen steigen seit 2017 um 80 Prozent. Die KKH verzeichnet 2025 einen neuen Höchststand bei Belastungsdiagnosen.

Psychische Krankschreibungen erreichen Rekordhoch: KKH meldet 80 Prozent mehr Belastungsdiagnosen
Eine Person sitzt allein an einem modernen Schreibtisch und blickt nachdenklich aus einem Fenster auf eine Stadtlandschaft. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Immer mehr Beschäftigte fallen wegen psychischer Belastungen aus. Die Zahl der Krankschreibungen wegen akuter Belastungsreaktionen und Anpassungsstörungen ist seit 2017 um rund 80 Prozent gestiegen.

Belastungsdiagnosen auf Rekordhoch

Die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) verzeichnete im Jahr 2025 knapp 119 Krankentage je 100 Versicherte aufgrund dieser Diagnosen. 2017 waren es noch 66 Tage. Auch im Vergleich zu 2024 mit 112 Tagen setzte sich der Aufwärtstrend fort.

Mit über 33.400 Fällen ist diese Diagnosegruppe inzwischen die häufigste psychische Einzeldiagnose und der dritthäufigste Grund für Krankschreibungen überhaupt. Die Techniker Krankenkasse (TK) ergänzt: Nur acht Prozent der Befragten fühlen sich komplett stressfrei.

Entfremdung als stilles Warnsignal

Facharzt Gernot Langs von der Schön Klinik Bad Bramstedt beschreibt Burn-out nicht als eigenständige Krankheit, sondern als Syndrom, das sich oft über Jahre schleichend entwickelt – bis hin zur Erschöpfungsdepression. Neben Schlafstörungen und Leistungsabfall gilt das Gefühl der Entfremdung als zentrales Warnsignal.

Betroffene distanzieren sich dabei nicht nur von der Arbeit, sondern auch von ihrem sozialen Umfeld und den eigenen Bedürfnissen. Mediziner diskutieren in diesem Zusammenhang zunehmend das Konzept der hochfunktionalen Depression. Stephan Köhler von der Charité hält den Begriff für hilfreich, um zu sensibilisieren. Ulrich Hegerl von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe warnt dagegen vor einer Modediagnose.

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Warum die Arbeit krank macht

Ärztin Aileen Könitz sieht die Ursachen in veränderten Arbeitsstrukturen: hohes Arbeitspensum, Überstunden und der „unsichtbare Stress der Unklarheit“. Besonders mobiles Arbeiten fragmentiere die Arbeitszeit und erhöhe den Druck.

Eine Eurofound-Studie untermauert das Bild: Rund 20 Prozent der EU-Beschäftigten werden mehrmals monatlich nach Feierabend kontaktiert, 59 Prozent fühlen sich bei der Arbeit gestresst. Während im EU-Schnitt 78 Prozent nach der Arbeit abschalten können, sind es im Vereinigten Königreich 92 Prozent – dort summieren sich schätzungsweise 3,5 Millionen unbezahlte Überstunden.

Was gegen den Stress hilft

Mediziner empfehlen klare Strategien gegen die Dauerbelastung. Feste Arbeitszeiten und das konsequente Abschalten digitaler Geräte nach Feierabend gelten als Basis. Bei akutem Stress helfen Techniken wie die 4-4-8-Atmung, Grounding-Übungen oder Mikropausen.

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Bei tiefergehenden Belastungen können medizinische Hypnose, Psychotherapie oder stationäre Auszeiten nötig werden. Erste Anlaufstelle bleibt der Hausarzt.

Die Forschung zeigt zudem: Chronischer Stress hat auch biologische Folgen. Eine Metaanalyse in Nature Medicine identifizierte 2026 genetische Grundlagen für Fibromyalgie im Zentralnervensystem – mit Überschneidungen zu stressassoziierten Erkrankungen wie der posttraumatischen Belastungsstörung.

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