Psychische, Erkrankungen

Psychische Erkrankungen: 320 Millionen Fehltage auf Rekordstand

26.06.2026 - 10:27:16 | boerse-global.de

Psychische Diagnosen verursachen über 320 Millionen Fehltage. Experten diskutieren auf Präventionsforum über Ursachen und Lösungen.

Rekord-Fehltage: Psychische Erkrankungen auf Höchststand
Psychische - Eine Person sitzt mit dem Kopf in den Händen an einem Schreibtisch, umgeben von Finanzdokumenten, die Stress symbolisieren. 26.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Mehr als 320 Millionen Fehltage wegen psychischer Diagnosen – das ist der traurige Höchststand, den Krankenkassen für das vergangene Abrechnungsjahr melden. Fast jeder fünfte Krankheitstag geht inzwischen auf eine psychische Erkrankung zurück.

Die DAK-Gesundheit registriert einen Anstieg dieser Fehltage um 48 Prozent innerhalb der letzten zehn Jahre. Die Weltgesundheitsorganisation prognostiziert, dass Depressionen und Burnout bis Ende des Jahrzehnts weltweit die häufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit sein werden.

Erwerbsminderungsrente auf Zehn-Jahres-Hoch

Die Entwicklung zeigt sich auch in der Rentenstatistik. Die Deutsche Rentenversicherung zählte 2025 knapp 74.800 Neuzugänge in die Erwerbsminderungsrente aufgrund psychischer Erkrankungen – ein Zehn-Jahres-Rekord. Besonders auffällig: Posttraumatische Belastungsstörungen legten von unter 2.000 Neuzugängen (2016) auf knapp 3.200 (2025) zu.

Auf dem 11. Präventionsforum der Nationalen Präventionskonferenz am 23. Juni in Berlin diskutierten rund 200 Fachleute über diese Trends. Psychische und Verhaltensstörungen wurden dort als dritthäufigste Ursache für krankheitsbedingte Fehlzeiten im Jahr 2024 identifiziert.

Stress als Auslöser für Rückenschmerzen

Die Wechselwirkung zwischen Psyche und Körper rückt zunehmend in den Fokus. Medizinische Analysen zeigen: Rund 90 Prozent aller Kreuzschmerzen sind unspezifisch. Häufige Auslöser sind neben langem Sitzen und muskulären Dysbalancen vor allem psychischer Stress. Experten betonen: Bewegung hilft in diesen Fällen besser als Schonung.

Stressforscher Mazda Adli erklärte kürzlich, dass dauerhafte Überreizung in eine Burnout-Spirale führen könne. Die Wirkung des Stresshormons Cortisol sei dabei komplexer als oft dargestellt. In der Therapie setzen Ärzte vermehrt auf Ansätze, die Balance zwischen Akzeptanz und Veränderung anstreben – etwa die dialektisch-behaviorale Therapie.

Zusätzlich belastet der sogenannte „Mental Load“ – die unsichtbare Last der Organisation von Haushalt und Familie – besonders Frauen. Die ständige emotionale Verantwortung kann ernste gesundheitliche Folgen haben.

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Post-Covid: Studie enttäuscht mit Immunadsorption

Die IAMPOCO-Studie mit 40 Teilnehmern lieferte im Frühjahr 2026 ernüchternde Ergebnisse. Die Immunadsorption zur Entfernung von Autoantikörpern bei Post-Covid-Patienten zeigte keinen signifikanten Nutzen gegenüber einer Scheinbehandlung. Weder Erschöpfung noch Konzentrationsfähigkeit oder körperliche Belastbarkeit verbesserten sich – bei gleichzeitig vermehrten Nebenwirkungen.

Neue Hoffnung bei chronischen Schmerzen

Die Grundlagenforschung zeigt dagegen Potentiale bei Neurosteroiden wie Pregnenolon und DHEA. Diese Stoffe könnten Nervengewebe schützen und Entzündungen unterdrücken – ohne die Abhängigkeitsrisiken von Opioiden. Erste Erfolge wurden beim Burning-Mouth-Syndrom erzielt.

Forscher der Bar-Ilan-Universität entdeckten zudem, dass das Protein SIRT6 die DNA-Organisation in alterndem Gewebe verbessern kann. Das könnte langfristig neue Ansätze gegen altersbedingte Entzündungsprozesse bieten.

Weniger Social Media, mehr Lebenszufriedenheit

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Eine Studie der Ruhr-Universität Bochum zeigt: Bereits 20 Minuten weniger Social-Media-Nutzung täglich steigert die Lebenszufriedenheit. Besonders passive Nutzung fördere Minderwertigkeitsgefühle, erklärt Forscherin Julia Brailovskaia. Eine Kombination aus Social-Media-Abstinenz und aktiven Offline-Aktivitäten wie Sport oder Achtsamkeit verbessere die psychische Stabilität.

Auch traditionelle Ansätze werden wissenschaftlich neu bewertet. In Bad Wörishofen untersucht ein aktuelles Forschungsprojekt die Wirkung der Kneipp-Lehre auf Wechseljahresbeschwerden. Ziel ist es, die fünf Elemente – Wasser, Bewegung, Ernährung, Heilpflanzen und Lebensordnung – im Rahmen der Salutogenese wissenschaftlich einzuordnen.

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