Psychische, Erkrankungen

Psychische Erkrankungen: 42% der Erwerbsminderungsrenten gehen darauf zurĂŒck

24.06.2026 - 01:19:02 | boerse-global.de

Steigende Fehlzeiten durch psychische Erkrankungen und demografischen Wandel belasten Betriebe. Politik plant Reformen, Unternehmen setzen auf PrÀvention.

Krankheitswelle belastet deutsche Wirtschaft: Psychische Leiden als Hauptgrund
Psychische - Mitarbeiter in einem modernen BĂŒro, die Anzeichen von Stress und Überlastung zeigen, mit einem Fokus auf psychische Gesundheit am Arbeitsplatz. 24.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Immer mehr BeschĂ€ftigte fallen aus – Haupttreiber sind psychische Erkrankungen und der demografische Wandel. WĂ€hrend die Politik an Reformen bastelt, setzen Unternehmen verstĂ€rkt auf PrĂ€vention.

Psychische Erkrankungen als Hauptgrund fĂŒr ArbeitsausfĂ€lle

Bereits 2024 machten psychische Störungen 16,7 Prozent aller ArbeitsunfĂ€higkeitstage aus. Noch alarmierender: In 42 Prozent der FĂ€lle waren sie der Grund fĂŒr den Bezug einer Erwerbsminderungsrente. Das belegen Daten des 11. PrĂ€ventionsforums, das im Juni in Berlin stattfand.

Anzeige

Angesichts steigender Fehlzeiten durch psychische Belastungen wird eine gesunde Balance zwischen Job und Privatleben fĂŒr die langfristige LeistungsfĂ€higkeit immer wichtiger. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Ihnen 5 Sofortmaßnahmen fĂŒr mehr Ausgeglichenheit im stressigen Berufsalltag. Mehr ProduktivitĂ€t und weniger Stress – jetzt Gratis-E-Book sichern

Fachleute sehen mehrere Ursachen. Neben klassischen Belastungsfaktoren wie Mobbing und Suchtproblemen spielt die Digitalisierung eine wachsende Rolle. „Technostress“ gilt als neues Risiko – auch wenn digitale Werkzeuge gleichzeitig Entlastung bieten können.

Ein weiteres Problem: Einsamkeit am Arbeitsplatz. Laut einer Veröffentlichung des BKK Dachverbands vom 22. Juni erleben rund 18 Prozent der ErwerbsfÀhigen Einsamkeit im beruflichen Umfeld. Das erhöht nicht nur individuelle Gesundheitsrisiken, sondern steigert auch die Fluktuation in den Betrieben.

Generation 50 Plus: Vorzeitiger Renteneintritt als Trend

Der DAK-Gesundheitsreport 2026 zeichnet ein klares Bild. Über die HĂ€lfte der BeschĂ€ftigten ab 50 Jahren plant, das Erwerbsleben vorzeitig zu beenden. Bei Personen mit schlechtem Gesundheitszustand steigt dieser Anteil auf 60 Prozent. FĂŒr die Analyse wurden Daten von rund 2,4 Millionen Versicherten ausgewertet.

Der Zusammenhang zwischen Alter und Krankenstand ist eklatant: Bei 50-jĂ€hrigen Versicherten liegt er bei 5,8 Prozent, bei 66-JĂ€hrigen steigt er auf 11 Prozent. Ältere Arbeitnehmer sind zwar seltener krank als jĂŒngere Kollegen – fallen aber deutlich lĂ€nger aus. Mit durchschnittlich 26,9 Fehltagen pro Jahr liegen sie weit ĂŒber den 17,4 Tagen der unter 50-JĂ€hrigen.

DAK-Chef Andreas Storm fordert deshalb eine massive StÀrkung des betrieblichen Gesundheitsmanagements.

ReformplÀne der Regierung: Lockerung des Achtstundentags?

Die Bundesregierung plant weitreichende Änderungen. Ein Entwurf des Bundesarbeitsministeriums vom Juni sieht eine Reform des Arbeitszeitgesetzes vor. Kernpunkte: lĂ€ngere tĂ€gliche Arbeitszeiten und eine verpflichtende elektronische Zeiterfassung.

Anzeige

Die geplante Reform des Arbeitszeitgesetzes und das BAG-Urteil zur Zeiterfassungspflicht zwingen viele Unternehmen jetzt zum schnellen Handeln. Mit diesem kostenlosen E-Book und den enthaltenen Mustervorlagen setzen Sie die gesetzlichen Vorgaben sofort rechtssicher um. Kostenlose Mustervorlagen zur Arbeitszeiterfassung hier herunterladen

Dagegen regt sich Widerstand. Die Initiative AOP-GA, ein Zusammenschluss psychologischer Fachgesellschaften, kritisierte die PlĂ€ne am 23. Juni scharf. LĂ€ngere Arbeitszeiten stĂŒnden im Widerspruch zu gesicherten Forschungserkenntnissen und könnten das Risiko fĂŒr psychische Erkrankungen weiter erhöhen.

Parallel dazu bereitet das Bundesgesundheitsministerium die EinfĂŒhrung einer TeilarbeitsunfĂ€higkeit vor. Ab dem 1. Januar 2027 sollen Arbeitnehmer bei lĂ€nger als vier Wochen andauernder Erkrankung stufenweise zurĂŒckkehren können – mit Arbeitszeitanteilen von 25, 50 oder 75 Prozent. Die volle Entgeltfortzahlung bliebe zunĂ€chst bestehen, bevor ein Teilkrankengeld gezahlt wĂŒrde.

PrĂ€vention: Neue digitale Angebote fĂŒr Betriebe

Unternehmen setzen zunehmend auf PrĂ€vention. Am 22. Juni wurde eine Kooperation zwischen der NĂŒrnberger Versicherung und dem Anbieter XUND bekannt gegeben. Das digitale PrĂ€ventionsprodukt fĂŒr die betriebliche Krankenversicherung soll durch Risikoanalysen und Vorsorgepfade Ausfallzeiten reduzieren.

Gleichzeitig beschĂ€ftigen sich Arbeitgeber verstĂ€rkt mit der rechtlichen Handhabung von Fehlzeiten. Laut Daten der Pronova BKK haben 60 Prozent der BeschĂ€ftigten bereits mindestens einmal eine ArbeitsunfĂ€higkeit vorgetĂ€uscht. Unternehmen können hier verschiedene rechtliche Instrumente nutzen – von der Ă€rztlichen Bescheinigung ab dem ersten Krankheitstag bis zur Einschaltung des Medizinischen Dienstes.

Auch die Einhaltung von PrĂ€senzquoten bleibt ein Thema: Eine Umfrage der Plattform Indeed ergab, dass etwa 10 Prozent der BeschĂ€ftigten hĂ€ufiger im Homeoffice arbeiten, als es betriebliche Regelungen vorsehen. VerstĂ¶ĂŸe gegen BĂŒroprĂ€senzpflichten können nach vorheriger Abmahnung bis zur KĂŒndigung fĂŒhren.

de | wissenschaft | 69614433 |