Psychische, Erkrankungen

Psychische Erkrankungen: Erstmals häufigster Grund für Krankschreibungen

Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 04:49 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Erstmals sind psychische Erkrankungen der häufigste Grund für Arbeitsunfähigkeit. Die DAK-Analyse zeigt einen Anstieg um neun Prozent bei stabilem Krankenstand.

Psychische Leiden: Hauptgrund für Krankschreibungen in Deutschland
Erschöpfte medizinische Fachkraft in einem modernen, schwach beleuchteten Diagnostikraum. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Psychische Erkrankungen sind erstmals der häufigste Grund für Krankschreibungen in Deutschland. Das zeigt eine aktuelle Analyse der DAK-Gesundheit für das erste Halbjahr 2026. Die Diagnosen stiegen um neun Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum – bei einem allgemeinen Krankenstand von stabilen 5,3 Prozent. Im Schnitt dauert eine Krankschreibung wegen psychischer Leiden 9,7 Tage.

DAK-Chef Andreas Storm fordert deshalb mehr Prävention. Die Bundesregierung hat bereits eine entsprechende Offensive angekündigt. Ob die Maßnahmen ausreichen, ist fraglich.

Radiologen besonders betroffen

Besonders dramatisch ist die Lage in der Radiologie. Eine Studie des Kantonsspitals Baden zeigt: 76,7 Prozent der deutschen Radiologen leiden unter Burnout-Symptomen. Die Ursachen sind klar: Lichtmangel, Vitamin-D-Defizit und Schlafstörungen. Die Forscher um Landsmann et al. warnen, dass dies nicht nur die Ärzte belastet, sondern auch die Fehleranfälligkeit im Klinikalltag erhöht. Ihre Forderung: ergonomischere Arbeitsplätze.

Doch es gibt auch ungewöhnliche Lösungsansätze. Die Universität Flensburg untersuchte in einer Studie, die Ende Juni in BMC Geriatrics erschien, den Effekt von Clownvisiten in Pflegeheimen. Ergebnis: Regelmäßige Besuche steigern das emotionale Wohlbefinden und bremsen den Abbau psychischer Resilienz bei Bewohnern.

Neue Arbeitszeitmodelle auf dem Prüfstand

Viele Kliniken suchen nach Auswegen aus der Überlastung. Das Spital Uster testet ein „42+4-Modell“: 46 Stunden pro Woche, davon 42 für die klinische Arbeit und vier für Weiterbildung. In 60 Prozent der Wochen klappt die Umsetzung, ohne die Patientensicherheit zu gefährden. Das Spital Affoltern will das Modell ab September übernehmen.

Anzeige

Psychische Erkrankungen sind erstmals der häufigste Grund für Krankschreibungen – mit 184 Fehltagen pro 100 Versicherten. Gleichzeitig gefährden Lieferengpässe bei Psychopharmaka und weniger Therapieplätze die Behandlung. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie als Arbeitgeber gegensteuern: mit einer Checkliste für betriebliche Gesundheitsförderung, einem Leitfaden zum Umgang mit Lieferengpässen und einer Übersicht neuer Therapieoptionen. Jetzt kostenlosen HR-Leitfaden anfordern

Der Hintergrund: Assistenz- und Oberärzte arbeiten im Schnitt 54,6 Stunden pro Woche – weit über der gesetzlichen Grenze.

Technologie als Entlastung

Der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) setzt auf Hightech. Er fordert den systematischen Einsatz von Wearables, Telemonitoring und KI-gestützter Diagnostik. Das Ziel: kontinuierliche Datenerfassung zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes – und weniger Belastung fürs Personal.

Ein konkretes Beispiel ist das Projekt „ViseKat“. Dort entwickeln Forscher ein Sensorpflaster, das bei Massenanfällen von Verletzten die Vitalwerte überwacht und die Triage erleichtert.

Spargesetz gefährdet Entlastung

Anzeige

Während die Forschung mit Xanamem und Ketamin neue Wege gegen Depressionen findet, verschärft das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz die Versorgungskrise. Für HR-Verantwortliche heißt das: längere Ausfallzeiten und höhere Belastung der Teams. Unser Report liefert konkrete Handlungsempfehlungen – von der Früherkennung bis zur Wiedereingliederung. Report jetzt kostenlos anfordern

Die Politik gibt jedoch ein widersprüchliches Signal. Am 20. Juli konkretisierte das Bundesgesundheitsministerium seine Präventionsoffensive mit den Schwerpunkten „gesundes Arbeiten“ und „gesundes Altern“. Vertreter der Bundesärztekammer und des GKV-Spitzenverbandes sind eingebunden.

Doch nur zehn Tage zuvor verabschiedete der Bundestag das Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Es sieht Einsparungen von 19 Milliarden Euro vor – unter anderem durch eine Deckelung der Pflegebudgets. Kritiker warnen, dass Tariflohnsteigerungen dann nicht mehr refinanziert werden können. Die Charité kündigte bereits einen bestehenden Entlastungstarifvertrag. Fachkräfte fürchten, dass die Sparmaßnahmen den Personalmangel verschärfen und die psychische Gesundheit weiter belasten.

Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.

de | wissenschaft | 69829640 |