Psychische Erkrankungen: Erstmals häufigster Grund für Arbeitsunfähigkeit
Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 00:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die erste Jahreshälfte 2026 zeigt eine historische Verschiebung: Psychische Leiden sind erstmals die häufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit in Deutschland. Atemwegserkrankungen rutschen auf Platz zwei.
Laut aktuellen Daten des Iges-Instituts sank der allgemeine Krankenstand minimal von 5,4 auf 5,3 Prozent. Doch hinter dieser scheinbaren Entspannung steckt eine alarmierende Entwicklung. Die Fehlzeiten durch psychische Erkrankungen stiegen um neun Prozent auf 184 Fehltage pro 100 Versicherte.
Die neue Rangordnung der Ausfallursachen
Atemwegserkrankungen verloren deutlich an Bedeutung: Sie fielen um 21 Prozent auf 175 Fehltage pro 100 Versicherte. Knapp dahinter liegen Muskel-Skelett-Erkrankungen mit 174 Fehltagen. Die Daten basieren auf Auswertungen von rund 2,2 Millionen Versicherten.
Besonders auffällig: Die durchschnittliche Dauer einer Krankschreibung liegt bei 9,6 bis 9,7 Tagen. Psychische Diagnosen benötigen oft deutlich längere Genesungszeiten als Infekte – ein entscheidender Faktor für die wirtschaftliche Belastung.
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Ältere Arbeitnehmer fehlen häufiger
Die Altersstruktur zeigt klare Unterschiede. Jüngere Beschäftigte meldeten sich seltener krank. Bei den über 60-Jährigen stieg der Krankenstand dagegen um 0,3 Prozentpunkte an. Die durchschnittliche Ausfallzeit pro Fall blieb insgesamt stabil, schwankte je nach Datenerhebung zwischen 9,5 und 9,9 Tagen.
Politische Diskussion: Strengere Regeln für Krankschreibungen
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Die Regierung plant gesetzliche Verschärfungen. Kernpunkte: eine AU-Pflicht bereits ab dem ersten Krankheitstag und die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung. Die Pläne stoßen auf geteiltes Echo.
DAK-Chef Andreas Storm begrüßte die Einführung einer Teilkrankschreibung. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hingegen kritisierte die Verschärfungen scharf. Fachleute betonen: Gerade bei psychischen Belastungen könnten flexible Rückkehrmodelle den Übergang aus der Langzeitarbeitsunfähigkeit erleichtern. Die eigentliche Herausforderung bleibt jedoch, die Ursachen stressbedingter Ausfälle direkt am Arbeitsplatz anzugehen.
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