Psychische Erkrankungen: Fehltage in Pflegeheimen um 37 Prozent höher
10.06.2026 - 06:10:27 | boerse-global.de
Besonders betroffen: die Pflegebranche.
Psychische Leiden als Haupttreiber
Die DAK-Gesundheit hat alarmierende Zahlen vorgelegt. Im ersten Halbjahr 2024 stiegen die Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen um 14,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der allgemeine Krankenstand lag bei 5,7 Prozent â ein leichter Anstieg gegenĂŒber 5,5 Prozent im Jahr 2023.
Besonders hart trifft es die Pflege. In Alten- und Pflegeheimen verzeichneten die Krankenkassen durchschnittlich 13,7 Fehltage pro Kopf. Der Branchendurchschnitt liegt bei zehn Fehltagen. Rund die HÀlfte aller ErwerbstÀtigen war mindestens einmal krankgeschrieben.
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Andreas Storm, Vorstandschef der DAK-Gesundheit, bezeichnete die Entwicklung als âbesorgniserregend".
Wirtschaftliche Folgen sind massiv
Jeder einzelne Fehltag verursacht je nach Branche einen Schaden zwischen 300 und 600 Euro. In groĂen Industriebetrieben summiert sich das zu enormen Mehrbelastungen.
Ein extremes Beispiel liefert die Tesla-Gigafabrik. Dort stiegen die Fehlzeiten 2024 um 38 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr. Das Unternehmen stoppte bei lĂ€ngeren Krankheitsphasen die Lohnfortzahlung und zweifelt die ValiditĂ€t Ă€rztlicher Atteste an. Ein harter Kurs, der im Kontrast zu klassischen betrieblichen Gesundheitsmodellen steht.
PrÀvention als Lösung?
Die AOK Bayern und die Hochschule Allensbach starten ein Pilotprojekt zum âgesunden Onboarding" in der Pflege. Neue Mitarbeiter sollen von Beginn an gesundheitlich stabilisiert werden. Ab 2026 lĂ€uft die Testphase, 2027 ist die flĂ€chendeckende EinfĂŒhrung geplant.
Um die Gesundheit von Mitarbeitern langfristig zu sichern, spielt auch die rechtssichere RĂŒckkehr nach lĂ€ngerer Krankheit eine zentrale Rolle. Experten erklĂ€ren in dieser kostenlosen Anleitung, wie ein professionelles Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) in der Praxis funktioniert. BEM-Leitfaden mit Muster-Betriebsvereinbarung gratis herunterladen
Auch im Sport tut sich etwas. Der Berliner Senat stimmte im Juni 2026 der GrĂŒndung des âZentrums fĂŒr Safe Sport" zu. Die unabhĂ€ngige Einrichtung in Kassel soll Standards gegen interpersonale Gewalt entwickeln. Die GrĂŒndung ist noch fĂŒr das erste Halbjahr 2026 geplant.
Bewegung als Medizin
Die Gesellschaft fĂŒr OrthopĂ€disch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) schlĂ€gt Alarm: 80 Prozent aller Erkrankungen in Deutschland gehen auf Zivilisationskrankheiten zurĂŒck. Nur 26 bis 29 Prozent der Erwachsenen erfĂŒllen die Bewegungsempfehlungen der WHO.
Die GOTS fordert, sportliche Leistungsanforderungen bereits in SchulplĂ€ne aufzunehmen. Die jĂ€hrlichen Gesundheitsausgaben liegen bei ĂŒber 500 Milliarden Euro â hier lieĂe sich massiv sparen.
Reformen in der Pipeline
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil unterstĂŒtzte im Juni 2026 VorschlĂ€ge fĂŒr eine verpflichtende Betriebsrente. Rund 20 Millionen Arbeitnehmer haben derzeit keine betriebliche Altersvorsorge. Konkrete ReformvorschlĂ€ge einer Kommission werden Ende Juni 2026 erwartet.
Die FDP setzt seit Anfang 2025 auf strukturelle Reformen statt auf zusĂ€tzliche Finanzmittel. Dazu gehören die RĂŒckverlagerung der Arzneimittelproduktion nach Europa und eine kapitalgedeckte ErgĂ€nzung der Pflegeversicherung.
