Psychische Erkrankungen: Fehlzeiten steigen um 9 Prozent
Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 01:55 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die KrankenstĂ€nde sinken â doch psychische Erkrankungen boomen. Im ersten Halbjahr 2026 gingen die allgemeinen Krankschreibungen leicht auf 5,3 Prozent zurĂŒck. Gleichzeitig stiegen die Fehlzeiten wegen psychischer Leiden um 9 Prozent. Psychische Erkrankungen sind inzwischen der hĂ€ufigste Grund fĂŒr ArbeitsunfĂ€higkeit.
Die volkswirtschaftlichen Kosten sind enorm: Allein in der Schweiz belaufen sie sich auf ĂŒber 7 Milliarden CHF pro Jahr. Kein Wunder also, dass Unternehmen und Krankenkassen auf neue Technologien setzen.
Digitale Check-ups gegen die Krise
Ein vielversprechender Ansatz: diagnostische Tools direkt im Alltag der BeschĂ€ftigten. Im Juli 2026 prĂ€sentierte ein Konsortium aus Technologieunternehmen und Gesundheitsdienstleistern eine Lösung, die einen digitalen Mental-Health-Check in eine NFC-basierte Gesundheitskarte integriert. Die Nutzer können ihre mentale Verfassung eigenstĂ€ndig prĂŒfen â und behalten die Kontrolle ĂŒber ihre Daten.
Auch gesetzliche Krankenkassen ziehen mit. Die SBK und die BIG direkt gesund bieten seit diesem Monat einen kostenfreien, CE-gekennzeichneten Gesundheitstest an. Er fragt unter anderem die mentale Gesundheit und die Stressbelastung ab. Eine Registrierung ist nicht nötig.
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Das Ziel: Hemmschwellen abbauen. Rund 25 Prozent der Bevölkerung sind von psychischen Erkrankungen betroffen, bei jungen Erwachsenen sind es sogar 39 Prozent.
FachkrÀftemangel als Belastungstreiber
Doch die Ursachen fĂŒr den Anstieg sind struktureller Natur. Das Kompetenzzentrum FachkrĂ€ftesicherung (KOFA) beziffert den FachkrĂ€ftemangel fĂŒr 2025 auf durchschnittlich 369.500 qualifizierte ArbeitskrĂ€fte. Die Folge: massive Arbeitsverdichtung in vielen Branchen.
Experten des TĂV Rheinland warnen: Die steigende Belastung gefĂ€hrdet nicht nur die psychische Gesundheit, sondern erhöht auch die Unfallgefahr in Betrieben.
Hinzu kommt der digitale Stress. Eine Studie der IU Internationalen Hochschule vom Januar 2026 zeigt das Ausmaà der stÀndigen Erreichbarkeit:
- Ein Drittel der Befragten fĂŒhlt sich verpflichtet, nach Feierabend erreichbar zu sein.
- Rund 40 Prozent stehen gedanklich stÀndig auf Empfang.
- Ein Drittel berichtet bereits von emotionaler Erschöpfung.
Besonders Frauen sind betroffen. Die HMU belegt, dass sie einen signifikant höheren Anteil mentaler Care-Arbeit leisten â das Planen und Organisieren im Privaten. Dieser zusĂ€tzliche Stressfaktor begĂŒnstigt DepressivitĂ€t und Erschöpfung.
KI soll GefÀhrdungen erkennen
Unternehmen und Berufsgenossenschaften reagieren mit neuen Methoden. Die Organisation BG prevent, seit 50 Jahren im Arbeitsschutz aktiv, entwickelt digitale Lösungen fĂŒr die GefĂ€hrdungsbeurteilung psychischer Belastungen. Ein KI-Assistent soll kĂŒnftig kognitive und mentale Gesundheitsrisiken prĂ€ziser erfassen.
Psychische Belastungen am Arbeitsplatz mĂŒssen im Rahmen der GefĂ€hrdungsbeurteilung rechtssicher dokumentiert werden, um AusfĂ€lle frĂŒhzeitig zu vermeiden. Sifa-Profis und Arbeitgeber finden in diesem Paket kostenlose Excel-Vorlagen und Muster, um psychische Risiken gemÀà § 5 ArbSchG effizient zu erfassen. Kostenlose Muster-Vorlagen zur GefĂ€hrdungsbeurteilung sichern
Fachleute empfehlen fĂŒr die Umsetzung eine enge Zusammenarbeit mit Hochschulen â sofern klare prĂ€ventive Strukturen vorhanden sind. Experten der EAH Jena betonen: Erwartungen und Ressourcen mĂŒssen vorab genau abgestimmt werden.
Und was hilft am besten gegen psychische Krisen? Eine Studie aus dem Jahr 2026 zeigt: Soziale FreizeitaktivitĂ€ten schĂŒtzen stĂ€rker als sportliche BetĂ€tigung. Besonders Besuche bei Familie und Freunden wirken als Puffer.
Versicherer erweitern Angebote
Private Krankenversicherer wie die Debeka (Marktanteil rund 30 Prozent) bauen ihr Portfolio aus: digitale Soforthilfe, telefonisches Coaching und Videotherapien bei Burnout-Anzeichen.
Auch Arbeitnehmervertretungen wie der ĂGB fordern mehr. Eine PwC-Studie zeigt: 63 Prozent der BeschĂ€ftigten nehmen eine gestiegene psychische Belastung wahr. Die Gewerkschaften verlangen lebensphasenorientierte Arbeitsmodelle und mehr Personal.
Die Botschaft ist klar: Burnout-PrĂ€vention findet nicht mehr nur auf individueller Ebene statt. Ein System aus digitalen Monitoring-Tools, angepassten FĂŒhrungsstilen und einer verstĂ€rkten BerĂŒcksichtigung psychischer Belastung in der gesetzlichen GefĂ€hrdungsbeurteilung entsteht.
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