Psychische, Erkrankungen

Psychische Erkrankungen: Fehlzeiten steigen um neun Prozent

Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 03:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Psychische Erkrankungen verursachen 2026 einen neuen Höchststand an Fehltagen. Branchen wie Pflege und Gastgewerbe sind besonders stark betroffen.

Rekordhoch bei psychisch bedingten Krankschreibungen im ersten Halbjahr 2026
Ein leerer, moderner Schreibtisch in einem Büro mit weichem, cineastischem Licht, das die Atmosphäre psychischer Belastung symbolisiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die krankheitsbedingten Ausfälle wegen psychischer Belastungen erreichen im ersten Halbjahr 2026 ein neues Rekordniveau. Wirtschaftliche Unsicherheit, Personalengpässe und technologischer Wandel setzen Beschäftigte zunehmend unter Druck.

Fehlzeiten steigen um neun Prozent

Die DAK-Gesundheit verzeichnet einen Anstieg der Fehlzeiten wegen psychischer Erkrankungen um neun Prozent. Das setzt einen langfristigen Trend fort: Schon 2025 meldete die KKH einen Höchststand von knapp 119 Krankentagen pro 100 Versicherten durch akute Belastungsreaktionen und Anpassungsstörungen. 2017 lag dieser Wert noch bei 66 Tagen – eine Zunahme von rund 80 Prozent. Psychische Diagnosen sind inzwischen der dritthäufigste Grund für Krankschreibungen.

Regional zeigt sich ein differenziertes Bild. Berlin verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 einen leichten Rückgang des Krankenstandes auf 5,0 Prozent – nach 5,3 Prozent im Vorjahr. Auch psychische Erkrankungen gingen in der Hauptstadt um drei Prozent zurück. Atemwegserkrankungen bleiben dort aber die häufigste Ausfallursache.

Anders sieht es in Mecklenburg-Vorpommern aus, besonders in der Pflegebranche. Eine TK-Studie für 2025 ergab: Pflegekräfte dort fehlten durchschnittlich 33 Tage, der Bundesdurchschnitt über alle Berufe liegt bei 17,7 Tagen.

Gastgewerbe besonders betroffen

Die AOK Rheinland/Hamburg meldet für das Gastgewerbe einen Krankenstand von 6,14 Prozent im Jahr 2024 – 2019 waren es noch 4,36 Prozent. Die Fälle psychischer Störungen liegen in der Branche rund 50 Prozent über dem Vorkrisenniveau. Fast jeder sechste Beschäftigte dort ist betroffen.

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Eine Befragung des Ifo-Instituts und Randstad unter rund 1.000 Personalverantwortlichen bestätigt den Trend: 51 Prozent beobachten eine gestiegene mentale Belastung ihrer Mitarbeiter, 38 Prozent melden höhere Arbeitsauslastung. Besonders in mittelgroßen Unternehmen mit 250 bis 499 Beschäftigten ist der Druck hoch – 56 Prozent berichten davon.

Die Hauptursachen: wirtschaftliche Unsicherheit, Veränderungsprozesse, hohe Arbeitsmengen und Personalengpässe. Hinzu kommt die Sorge vor Arbeitsplatzverlust durch Künstliche Intelligenz. Eine Yougov-Umfrage unter Industriebeschäftigten zeigt: 44 Prozent fühlen sich stärker belastet. Bei den unter 30-Jährigen fürchten 37 Prozent den Jobverlust durch KI – bei den zwischen 1965 und 1980 Geborenen sind es nur 17 Prozent.

Prävention gefordert, Teilkrankschreibung umstritten

Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) fordert mehr Investitionen in Prävention und eine gesicherte psychotherapeutische Versorgung. Der Verband kritisiert mögliche Kürzungen durch Sparpakete der gesetzlichen Krankenversicherung.

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Die geplante Teilkrankschreibung ab 2028 stößt in der Praxis auf Skepsis: 48 Prozent der Personalverantwortlichen halten das Modell für nicht sinnvoll. Hauptkritikpunkte sind organisatorischer Aufwand und die schwierige Abgrenzung der Arbeitstätigkeit. Nur acht Prozent der Führungskräfte bewerten das Instrument als sehr sinnvoll.

Wie ernst die Lage ist, zeigt auch der Blick ins Ausland: In Luxemburg entfielen 2025 rund 17,5 Prozent aller Krankheitstage im Privatsektor auf Depressionen – mit einer durchschnittlichen Erkrankungsdauer von 28 Tagen. Moderne Arbeitsweisen gelten als wesentliche Stressoren für die psychische Gesundheit der Beschäftigten.

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