Psychische, Erkrankungen

Psychische Erkrankungen: Krankenstand steigt um 6,9 Prozent

31.05.2026 - 01:50:36 | boerse-global.de

Psychische Erkrankungen treiben den Krankenstand auf 5,4 Prozent. Gleichzeitig sinkt die Bindung von Führungskräften an ihre Unternehmen.

Psychische Erkrankungen: Krankenstand steigt um 6,9 Prozent - Foto: ĂĽber boerse-global.de
Psychische Erkrankungen: Krankenstand steigt um 6,9 Prozent - Foto: ĂĽber boerse-global.de

2025 lag die Fehlzeitquote bei 5,4 Prozent, wie Daten der DAK-Gesundheit vom Januar zeigen. Das sind rechnerisch 19,5 Fehltage pro Kopf.

Psychische Erkrankungen legten um 6,9 Prozent zu. Sie sind inzwischen der zweithäufigste Grund für Fehlzeiten. Besonders betroffen: das Gesundheitswesen mit einer Quote von 6,2 Prozent.

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Führungskräfte verlieren die Bindung

Parallel zum Krankenstand sinkt die emotionale Bindung – und zwar ausgerechnet auf der Führungsebene. Der Gallup-Engagement-Index vom Mai zeigt: Nur noch 12 Prozent der Führungskräfte fühlen sich fest mit ihrem Unternehmen verbunden.

Drei von zehn ziehen bereits berufliche Alternativen in Betracht. Die GrĂĽnde: hoher Transformationsdruck, mangelnde RĂĽckendeckung und ein schleichender Sinnverlust.

Professorin Heike Bruch von der Universität St. Gallen und Coach Violeta Nikolic plädieren daher für ein Umdenken in der Managementkultur. „Ein bewusster Umgang mit Druck und verstärkte Wertschätzung sind essenziell“, so die Fachleute Ende Mai. Moderne Führung müsse psychologische Sicherheit bieten – sonst drohe „Quiet Quitting“.

KI als zusätzlicher Stressfaktor

Die Integration Künstlicher Intelligenz in den Arbeitsalltag sorgt für zusätzlichen Stress. Die Psychologin Svea von Hehn erklärt: Unzufriedenheit entstehe oft trotz objektiv guter Bedingungen.

Ihr Rat: ein besseres Verständnis der Gehirnfunktionen entwickeln – besonders der Rolle der Amygdala bei Stressreaktionen. Und Achtsamkeitspraktiken fest im Alltag verankern.

PERMA-Modell und Job Crafting als Lösung

Um das Wohlbefinden systematisch zu fördern, rückt das PERMA-Konzept in den Fokus. Das Modell basiert auf fünf Säulen: positive Emotionen, Engagement, tragfähige Beziehungen, Sinnhaftigkeit und sichtbare Erfolge.

Der Psychologe Urs Blum empfiehlt die Methode des „Job Crafting“. Beschäftigte gestalten ihre Aufgaben eigenverantwortlich so, dass sie besser zu ihren Stärken und Werten passen.

Auch kleine strukturelle Änderungen können helfen. Studien vom Mai zeigen: Multitasking und fehlende Pausen sind Stressfaktoren. Klare Priorisierungen und Fokuszeiten dagegen steigern Produktivität und Wohlbefinden.

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Praktische Beispiele gibt es bereits. Im Bistum Mainz wurden seit Frühjahr regelmäßige Austauschrunden zur kulturbewussten Kommunikation etabliert.

Arbeitsklima überraschend gut – Arbeitszeitwunsch groß

Trotz der Belastungen bewerten viele ihr direktes Umfeld positiv. Laut Arbeitsklima-Index des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) vom 29. Mai sind 70 Prozent der Mitarbeitenden mit Teamarbeit und FĂĽhrung zufrieden. Nur drei Prozent klagen ĂĽber ein mangelhaftes Arbeitsklima.

Ein funktionierendes Miteinander gilt als entscheidender Resilienzfaktor.

Doch bei den Rahmenbedingungen gibt es klaren Veränderungsbedarf. Der DGB-Index „Gute Arbeit“ zeigt: 53 Prozent der Beschäftigten – und sogar 63 Prozent der Väter – wünschen sich kürzere Arbeitszeiten. Ein Drittel berichtet von regelmäßigen Problemen bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Während Gewerkschaften mehr Souveränität über die Arbeitszeit fordern, plädiert Ökonom Oliver Stettes vom IW für branchenspezifische Flexibilisierung und eine Reform der täglichen Höchstarbeitszeit.

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