Psychische, Fehlzeiten

Psychische Fehlzeiten: Anstieg um 9,3% zur Hauptursache 2026

Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 03:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien zeigen hohe Belastungen fĂŒr Angehörige und FachkrĂ€fte. Psychische Erkrankungen verursachen mehr Fehlzeiten, wĂ€hrend Hilfsangebote ausgebaut werden.

Psychische Belastung in Pflege und Betreuung nimmt deutlich zu
Ein leerer, ruhiger Raum mit sanftem Morgenlicht, das durch ein Fenster fÀllt und lange Schatten auf einen Holzstuhl wirft. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Berichte und wissenschaftliche Untersuchungen verdeutlichen einen wachsenden psychischen Druck auf Personen, die Verantwortung fĂŒr die Betreuung und Pflege anderer ĂŒbernehmen. Sowohl im privaten Umfeld als auch im professionellen Bereich fĂŒhren steigende Anforderungen und strukturelle Defizite vermehrt zu ErschöpfungszustĂ€nden, was den Bedarf an gezielten Schulungs- und UnterstĂŒtzungsangeboten erhöht.

Wissenschaftliche Erkenntnisse zur Belastung pflegender Angehöriger

Eine in der Fachzeitschrift Psychology & Health veröffentlichte internationale Untersuchung unter der Erstautorin Hannah Isaac analysierte die psychische Situation von ĂŒber 81.000 pflegenden Angehörigen.

Die Auswertung von 29 Studien aus Europa, den USA, Kanada und Australien ĂŒber einen Zeitraum von 20 Jahren belegt die signifikante emotionale Last dieser Bevölkerungsgruppe. In Deutschland wurden laut Pflegestatistik aus dem Jahr 2023 rund 4,9 Millionen Menschen zu Hause versorgt; SchĂ€tzungen zufolge liegt die Zahl der pflegenden Angehörigen bundesweit bei etwa 7,1 Millionen.

Besonders herausfordernd gestaltet sich die Pflege von Alzheimer-Patienten, die unter Agitation leiden. Eine im September 2026 auf dem Psych Congress vorgestellte Umfrage von Axsome Therapeutics und The Harris Poll unter 751 Betreuungspersonen in den USA zeigt das Ausmaß: 97 % der Befragten gaben an, dass Agitation die LebensqualitĂ€t beeintrĂ€chtigt.

Die Selbstversorgung (96 %), die gesellschaftliche Teilhabe (95 %) und zwischenmenschliche Beziehungen (89 %) leiden massiv unter den Symptomen. Zu den hÀufigsten beobachteten Verhaltensweisen zÀhlen nichtaggressive Symptome wie Klagen und NegativitÀt (76 %) sowie stÀndige Wiederholungen von Fragen (75 %).

Systemische Risiken und Arbeitsbelastung in sozialen Berufen

Die psychische Belastung erstreckt sich auch auf professionelle Pflege- und BetreuungskrĂ€fte. Ein im Sommer 2026 durchgefĂŒhrter RealitĂ€ts-Check der Gewerkschaft ver.di in der Sozialen Arbeit offenbart kritische ZustĂ€nde. Rund 79 % der beteiligten Teams berichteten von einer gestiegenen Arbeitsmenge und dem Erreichen der Belastungsgrenze.

Mehr als 87 % der Befragten Ă€ußerten die Sorge, ihren Beruf nicht bis zum Renteneintritt ausĂŒben zu können. Experten wie der Co-Autor der Erhebung, Yalç?n Kutlu aus Mannheim, sehen in sinkenden Kinderzahlen eine Chance fĂŒr kleinere Gruppen und damit eine Entlastung des Personals.

Parallel dazu warnen Betroffene vor den Folgen geplanter gesundheitspolitischer Reformen. MĂŒtter aus Bayern wiesen in aktuellen Berichten darauf hin, dass drastische Einschnitte fĂŒr Versicherte und pflegende Angehörige einen Kollaps des Systems provozieren könnten.

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Wirtschaftliche Auswirkungen und Fehlzeiten

Die psychische Gesundheit entwickelt sich zunehmend zu einem kritischen Wirtschaftsfaktor. Der Fehlzeiten-Report der hkk Krankenkasse fĂŒr das erste Halbjahr 2026 weist einen Krankenstand von 5,0 % aus. WĂ€hrend Atemwegsinfekte deutlich zurĂŒckgingen, stiegen Fehlzeiten aufgrund psychischer Diagnosen wie Depressionen oder Angststörungen um 9,3 % und stellen damit erstmals die Hauptursache fĂŒr ArbeitsunfĂ€higkeit dar.

In der Schweiz bezifferte Helsana-CEO Roman Sonderegger die jĂ€hrlichen Kosten psychischer Probleme in der Arbeitswelt auf rund 6,5 Milliarden Franken. Laut Angaben des Unternehmens hĂ€ngen mehr als die HĂ€lfte der psychisch bedingten Krankschreibungen mit Konflikten am Arbeitsplatz zusammen. Besonders betroffen sind junge Erwachsene im Alter von 16 bis 25 Jahren, von denen ein FĂŒnftel mittelschwere bis schwere Depressionssymptome aufweist.

PrÀvention und der Wunsch nach EigenstÀndigkeit

Trotz der Belastungen bleibt der Wunsch nach SelbststĂ€ndigkeit im Alter hoch. Die Lifta Index-Studie des Instituts fĂŒr Demoskopie Allensbach zeigt, dass 93 % der ĂŒber 55-JĂ€hrigen so lange wie möglich eigenstĂ€ndig leben möchten. Allerdings halten viele ihre Wohnung fĂŒr nicht altersgerecht, und fast jedem Zweiten fĂ€llt es schwer, aktiv um Hilfe zu bitten.

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Um ErschöpfungszustĂ€nden vorzubeugen, werden verstĂ€rkt UnterstĂŒtzungsformate etabliert. Die LWL-Klinik Dortmund bietet beispielsweise im Oktober 2026 Kurse fĂŒr „Erste Hilfe bei psychischen Krisen“ an.

Unter der Leitung von FachkrÀften wie Miriam Mertins und der Genesungsbegleiterin Katharina Knop werden Themen wie Depression, Sucht und Demenz behandelt, um Angehörigen und Interessierten notwendige Kompetenzen im Umgang mit Krisensituationen zu vermitteln.

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