Psychische, Gesundheit

Psychische Gesundheit: Wirtschaft verliert 27 Milliarden Euro jährlich

27.06.2026 - 13:28:35 | boerse-global.de

Psychische Erkrankungen verursachen jährlich Milliardenschäden in der deutschen Wirtschaft. Fehlzeiten, Präsentismus und Sucht belasten Unternehmen massiv.

Psychische Krankheiten: Milliardenschaden fĂĽr deutsche Firmen
Psychische - Eine gestresst wirkende Person sitzt gebeugt an einem Schreibtisch in einem modernen BĂĽro, Bildschirme leuchten. 27.06.2026 - Bild: ĂĽber boerse-global.de

Allein die Produktionsausfallkosten beliefen sich 2021 auf rund 15,8 Milliarden Euro, wie die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) ermittelte. Der Verlust an Bruttowertschöpfung lag bei 27,1 Milliarden Euro.

Doch die direkten Fehlzeiten sind nur die Spitze des Eisbergs. Präsentismus – Arbeiten trotz Krankheit –, Qualitätsmängel und hohe Fluktuation belasten die Unternehmen zusätzlich.

Fehlzeiten: Psychische Störungen auf Platz drei

Ein Bericht der Bundesregierung zeigt die dramatische Entwicklung: Psychische und Verhaltensstörungen waren 2024 die dritthäufigste Ursache für krankheitsbedingte Fehlzeiten. Sie gelten zudem als Hauptgrund für das vorzeitige Ausscheiden aus dem Erwerbsleben durch Erwerbsminderungsrenten.

Besonders betroffen: JĂĽngere Arbeitnehmer und Frauen. Seit der Pandemie hat sich ihre psychische Gesundheit deutlich verschlechtert.

Digitalisierung: Fluch und Segen zugleich

Auf dem 11. Präventionsforum der Nationalen Präventionskonferenz (NPK) im Juni 2026 in Berlin warnte ein Punkt: Die fortschreitende Digitalisierung ist ein zweischneidiges Schwert. Sie schafft zwar neue Handlungsspielräume, führt aber auch zu Technostress.

Arbeitgeber sind gesetzlich verpflichtet, solche psychosozialen Faktoren in der Gefährdungsbeurteilung zu erfassen. Im Fokus stehen Arbeitsorganisation, soziale Beziehungen und Arbeitsintensität.

Sucht am Arbeitsplatz: Jeder Vierte beobachtet Probleme

Eine Befragung der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) aus dem Juni 2026 offenbart ein oft unterschätztes Problem: Jeder vierte Beschäftigte hat in den vergangenen zwei Jahren problematischen Suchtmittelkonsum im Job beobachtet. Alkohol liegt mit 21 Prozent vorn.

Die Untersuchung zeigt aber auch krasse Defizite in der Unternehmenskultur. Fast die Hälfte der Befragten empfindet die Gesprächskultur als zurückhaltend. 46 Prozent kennen keine betrieblichen Regelungen zum Umgang mit Suchtmitteln.

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Führungskräfte im Stress: Bindung bricht ein

Die psychische Belastung macht auch vor der Chefetage nicht halt. Der Gallup-Engagement-Index zeigt einen dramatischen Einbruch: Fühlten sich 2020 noch 27 Prozent der Führungskräfte ihrem Unternehmen eng verbunden, sank dieser Wert aktuell auf 12 Prozent.

Die Ursachen: ständiger Transformationsdruck und ein empfundener Sinnverlust. Neurobiologische Erkenntnisse untermauern die Forderung nach einer neuen Führungskultur. Positiver Stress aktiviert das Belohnungssystem und fördert Motivation. Dauerbelastung durch Cortisol dagegen beeinträchtigt Kooperation und Gesundheit.

Datenschutz: Streit um Betriebsärzte und ePA

Ein Referentenentwurf zum Gesundheits-Digital-Gesetz (GeDIG) sorgt für Diskussionen. Er sieht vor, dass Betriebsärzte künftig über ein Opt-Out-Verfahren auf Daten der elektronischen Patientenakte (ePA) zugreifen könnten.

Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) kritisiert das scharf. Die explizite Zustimmung der Versicherten sei essenziell für das Vertrauensverhältnis im Betrieb.

BĂĽrokratieabbau: Neue Regeln fĂĽr kleine Betriebe

Ende Mai 2026 trat eine relevante Änderung im Arbeitsschutz in Kraft. Die Neufassung des Sozialgesetzbuches (SGB VII) hob die Schwelle für verpflichtende Sicherheitsbeauftragte von 20 auf 50 Beschäftigte an.

Das entbindet Betriebe aber nicht von der Pflicht, bei besonderen Gefährdungen – auch psychischen – entsprechende Beauftragte zu benennen.

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Hitze am Arbeitsplatz: Pflichten fĂĽr Arbeitgeber

Auch saisonale Belastungen rücken in den Fokus der Fürsorgepflicht. Ab 30 Grad Raumtemperatur müssen Arbeitgeber geeignete Getränke bereitstellen. Ab 35 Grad gelten Räume ohne zusätzliche Maßnahmen nicht mehr als geeignete Arbeitsplätze – der Arbeitgeber muss handeln, um physische und psychische Belastungen zu minimieren.

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