Psychische Krisen: Erste PSNV-B-Staffel in Sachsen unterstützt Betroffene
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 15:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deBildungseinrichtungen und Hilfsorganisationen bauen ihre Ausbildungsangebote spürbar aus, um Privatpersonen und Beschäftigte in Unternehmen gezielt auf seelische Krisen sowie auf Notlagen bei verzögertem Eintreffen des Rettungsdienstes vorzubereiten. Das Spektrum reicht von spezialisierten Erste-Hilfe-Lehrgängen für die psychische Gesundheit über präventive Informationsangebote bis hin zu Kursformaten des zivilen Selbstschutzes.
Schulungen für seelische Ausnahmesituationen
Dass der Bedarf an Aufklärung im Bereich der mentalen Gesundheit hoch ist, zeigen statistische Erhebungen: Demnach entwickelt jede zweite bis dritte Person in Deutschland im Laufe ihres Lebens eine psychische Erkrankung. Bei Suizidtodesfällen liegt der Anteil von Männern bei etwa 70 Prozent, während Frauen etwa 30 Prozent ausmachen.
Um seelische Krisen frühzeitig zu erkennen und Betroffene nicht allein zu lassen, setzen Initiativen vermehrt auf zielgerichtete Bildung. In Kitzingen wird ein spezifischer Erste-Hilfe-Kurs für psychische Notfälle angeboten.
Auch im institutionellen Katastrophenschutz gewinnt die Betreuung Betroffener an Gewicht. Der Landkreis Görlitz stellte eine neue Katastrophenschutz-Einheit für die Psychosoziale Notfallversorgung Betroffener (PSNV-B) in Dienst.
Die in der Feuerwache Kodersdorf-Wiesa präsentierte Formation gilt als erste PSNV-B-Staffel in Sachsen. Ihre Aufgabe besteht darin, Menschen nach Unglücksfällen oder Katastrophen direkt beizustehen, bestehende Einsatzstrukturen zu ergänzen und den Kontakt zum sozialen Umfeld sowie zu langfristigen Hilfen zu bahnen.
Aufklärung und Entstigmatisierung stehen zudem im akademischen Umfeld im Fokus. An der Universitätsmedizin Halle richtet die Universitätsklinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am 14. Oktober 2026 auf dem Medizin-Campus Steintor einen Tag der offenen Tür aus.
Neben Einblicken in Kunsttherapie und Workshops steht ein Fachvortrag von Prof. Dr. Oliver Tüscher zur Prävention psychischer Erkrankungen auf dem Programm. Vorgestellt werden dabei auch das Schulprojekt „Kleine Helden für mentale Gesundheit“ für dritte und vierte Klassen sowie eine Fortbildungsreihe mit der Polizeiinspektion Halle.
Jede zweite bis dritte Person in Deutschland entwickelt im Laufe ihres Lebens eine psychische Erkrankung — im Betrieb bemerkt das oft niemand rechtzeitig. Wer als Ersthelfer psychische Notfälle früh erkennt und richtig anspricht, verhindert Eskalationen und holt Betroffene früher in professionelle Hilfe. Unser kostenloser Leitfaden zeigt die Warnsignale und die ersten Schritte. Krisen-Leitfaden jetzt anfordern
Selbstschutz bei verzögerter Rettung und Katastrophenlagen
Ergänzend zu seelischen Notlagen rückt die Handlungsfähigkeit der Bevölkerung bei allgemeinen Krisen in den Mittelpunkt, insbesondere wenn professionelle Rettungsdienste überlastet sind oder verspätet eintreffen.
Die DLRG-Ortsgruppe Leonberg setzt für den 24. Oktober 2026 im Leobad einen kostenlosen Kurs unter dem Titel „Medizinische Hilfe in außergewöhnlichen Situationen“ an. Das auf 20 Teilnehmende ab einem Mindestalter von zehn Jahren begrenzte Format vermittelt Grundlagen für Szenarien mit verzögerter Rettungskette.
Ebenso greifen Volkshochschulen Programme des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) auf. Die KVHS Saarpfalz-Kreis führt gemeinsam mit dem DRK Kreisverband St. Ingbert an der Gemeinschaftsschule Gersheim kostenfreie Module zur „Ersten Hilfe mit Selbstschutzinhalten“ durch. Das erste Modul am 27. Oktober widmet sich der Vorbeugung und Reaktion im Zivilschutz und Katastrophenfall, gefolgt von einer Einheit zur medizinischen Erstversorgung am 3. und 5. November.
Regionale Vorsorgestrukturen und Infrastruktur
Parallel zu individuellen Lehrgängen arbeiten Organisationen und Kommunen an der krisenfesten Infrastruktur. Der ASB Berlin offeriert ebenfalls BBK-geförderte Kurse zur Krisenvorsorge bei Stromausfällen.
Wenn der Rettungsdienst verspätet eintrifft, entscheiden die ersten Minuten — und die Vorbereitung davor. Der Leitfaden bündelt eine Selbstschutz-Checkliste für genau diese Lage und einen 5-Schritte-Plan, mit dem Sie Krisenvorsorge im Betrieb verbindlich verankern. Selbstschutz-Checkliste jetzt sichern
Bei den behördlichen Katastrophenschutz-Leuchttürmen der Hauptstadt zeigt sich jedoch ein geteiltes Bild: In sechs von zwölf Bezirken ist mindestens eine Anlaufstelle betriebsbereit, in sechs weiteren bislang keine. In Marzahn-Hellersdorf stehen elf Standorte bereit, von denen wegen Material- und Personalengpässen jedoch maximal vier gleichzeitig betrieben werden können.
Mehrere Bezirke planen eine Inbetriebnahme fehlender Anlaufstellen im Laufe des Jahres 2027, während für Friedrichshain-Kreuzberg mit zwei, Neukölln mit vier und Tempelhof-Schöneberg mit drei Leuchttürmen noch kein konkreter Zeitrahmen feststeht.
