Psychotherapie-Krise, Wartezeiten

Psychotherapie-Krise: Wartezeiten auf 108 Tage gestiegen

13.06.2026 - 01:12:09 | boerse-global.de

Neues Gesetz zur Beitragsstabilisierung gefÀhrdet laut Experten die psychotherapeutische Versorgung und könnte Wartezeiten weiter verlÀngern.

GKV-PlÀne: Psychotherapie-Versorgung durch Budgetdeckelung bedroht
Psychotherapie-Krise - Eine einzelne Person sitzt nachdenklich in einem schummrigen Therapieraum, der Isolation und psychische Belastung symbolisiert. 13.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Doch ihr Gesetzentwurf droht die psychotherapeutische Versorgung massiv zu verschlechtern.

Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz sieht eine striktere Deckelung der Ausgaben vor. Besonders umstritten: Psychotherapeutische Leistungen sollen zurĂŒck in die morbiditĂ€tsbedingte GesamtvergĂŒtung (MGV) wandern. Bisher waren sie extrabudgetĂ€r vergĂŒtet – die Neuregelung kommt einer Budgetierung gleich.

Wartezeiten könnten weiter steigen

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Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) schlĂ€gt Alarm. „Das fĂŒhrt zu einem massiven Abbau von Versorgungsangeboten“, warnt PrĂ€sidentin Dr. Andrea Benecke. Bereits jetzt sind die Wartezeiten auf einen Therapieplatz kritisch. In Bayern liegt der Durchschnitt bei 108 Tagen – ein Anstieg um 15 Tage in den letzten sechs Jahren.

Unbehandelte psychische Erkrankungen verursachen hohe Folgekosten: Lange ArbeitsunfĂ€higkeitszeiten, Krankengeldbezug und vorzeitige Erwerbsminderungsrenten. Die Kammer befĂŒrchtet, dass die geplanten Einsparungen das Sozialsystem am Ende teurer zu stehen kommen.

Existenzangst in den Praxen

Die wirtschaftlichen Folgen fĂŒr einzelne Praxen sind dramatisch. Bereits im FrĂŒhjahr 2026 wurde eine HonorarkĂŒrzung von 4,5 Prozent wirksam. Kommt die Deckelung der Leistungen dazu, drohen Einnahmeverluste von bis zu 56 Prozent, warnt der WĂŒrzburger Psychotherapeut Uwe Waldmann.

Kritiker aus der Politik wie Janosch Dahmen (GrĂŒne) bemĂ€ngeln die Einseitigkeit des Sparpakets: „Es belastet Leistungserbringer und Patienten, wĂ€hrend die Pharmaindustrie geschont wird.“

Kliniken in der Zange

Auch die stationÀre Versorgung gerÀt unter Druck. Die NiedersÀchsische Krankenhausgesellschaft (NKG) warnt vor einer gefÀhrlichen Doppelbelastung. Neben den Budgetrestriktionen setzen Sanktionen aus der Personalrichtlinie (PPP-RL) die HÀuser unter Druck.

Verbindliche PersonalschlĂŒssel bei gleichzeitiger finanzieller Verknappung fĂŒhren zu wirtschaftlicher InstabilitĂ€t. Die Folge: Kliniken schließen Betten oder schrĂ€nken ganze Abteilungen ein. Das benötigte Personal ist entweder nicht refinanzierbar oder am Markt nicht verfĂŒgbar. Die Kliniken fordern ein Moratorium der Sanktionen.

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Widerstand formiert sich

Auf dem 5. Deutschen Psychotherapie Kongress in Berlin diskutierten ĂŒber 1.300 Teilnehmende ĂŒber die Sicherung der Versorgung. Dr. Enno Maaß von der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung (DPtV) warnte: „KĂŒrzungen verstĂ€rken nicht nur individuelles Leid, sie verschieben die Kosten lediglich in andere Bereiche des Gesundheitssystems.“

Regional wĂ€chst der Protest. FĂŒr den 13. Juni 2026 sind Kundgebungen in WĂŒrzburg und Detmold angekĂŒndigt. Auch Landesminister wie Kerstin von der Decken (Schleswig-Holstein) fordern eine ÜberprĂŒfung der Sparfolgen. Das Gesetz soll noch vor der Sommerpause bis zum 11. Juli verabschiedet werden.

de | wissenschaft | 69530887 |