PwC und OpenAI: KI-Agenten übernehmen Finanzabteilungen
26.06.2026 - 14:04:03 | boerse-global.de
Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC und OpenAI rüsten die Finanzabteilungen der Welt mit autonomer Künstlicher Intelligenz aus.
Die am heutigen Freitag vorgestellte Partnerschaft zielt auf komplexe Aufgaben von Finanzvorständen ab – von der Finanzplanung über Prognosen und Berichtswesen bis hin zu Beschaffung und Steuermanagement. Zum Einsatz kommen die Modelle ChatGPT und Codex, die eigenständig Zahlungen überwachen und Verträge prüfen können. PwC wird die Lösungen bei seiner globalen Kundschaft implementieren, pflegt daneben aber auch eine separate Zusammenarbeit mit Anthropic und dessen Claude-Modellen.
OpenAI testet die Technologie am eigenen Leib
OpenAI selbst fungierte als erster Anwender der neuen Treasury-Agenten. Interne Daten vom gestrigen Donnerstag belegen: Die KI-Agenten ermöglichten es dem Unternehmen, die fünffache Menge an Verträgen zu bearbeiten – ohne zusätzliches Personal.
Bei einer jüngsten Fundraising-Veranstaltung steuerten die Agenten mehr als 200 Investorengespräche. Sie sind zudem in Arbeitsabläufe für Finanzprognosen und Berichtsvorbereitung integriert. Die Nutzung hat sich laut unternehmenseigenen Erhebungen von einfacher Programmierhilfe hin zu komplexem, funktionsübergreifendem Workflow-Management verschoben.
Explosionsartiges Wachstum bei Nicht-Entwicklern
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Die Nutzungszahlen sprechen eine deutliche Sprache: Rund 97,9 Prozent aller OpenAI-Mitarbeiter setzen inzwischen Codex-basierte Agenten ein – ein sprunghafter Anstieg von 40 Prozent im August 2025. Die Zahl der aktiven Nutzer hat sich im ersten Halbjahr 2026 verfünffacht.
Besonders bemerkenswert: Das Wachstum bei Nicht-Entwicklern. Deren individuelle Nutzung stieg seit August 2025 um das 137-Fache, innerhalb von Organisationen sogar um das 189-Fache. Die Rechtsabteilung verzeichnete einen 13-fachen Anstieg der Token-Ausgabe. Mehr als zehn Prozent aller Nutzer steuern mittlerweile drei oder mehr Agenten gleichzeitig.
OpenAI-Forscher stellten fest, dass 80,6 Prozent der Nutzer Aufgaben an Agenten delegieren, die normalerweise mehr als 30 Minuten menschlicher Arbeit erfordern würden. Über ein Viertel der Nutzer überträgt sogar Tätigkeiten mit einem geschätzten Aufwand von über acht Stunden. Kritiker weisen allerdings darauf hin, dass diese Zahlen von OpenAI selbst stammen und nicht unabhängig überprüft wurden.
Branche rüstet auf – mit strengen Kontrollen
Die Ankündigung von PwC und OpenAI fällt in eine Welle ähnlicher Entwicklungen. Gleich mehrere große Anbieter präsentierten in dieser Woche spezialisierte Finanzwerkzeuge:
- Trintech launchte Agenten zur Automatisierung des Jahresabschlusses. Die Tools identifizieren Kontoschwankungen und Soll-Ist-Abweichungen, während sie Prüfpfade für menschliche Kontrollen erhalten.
- BlackLine führte eine zentrale Kontrollkonsole für KI-Agenten ein. Das System setzt auf das „Human-in-the-Loop“-Prinzip und Echtzeit-Überwachung.
- Microsoft rüstete Copilot in Excel mit neuen Finanzfunktionen aus – für Discounted-Cashflow-Analysen und Monatsabschlüsse, inklusive Datenanbindung an Anbieter wie S&P Global und FactSet.
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Auch die Regulierungsbehörden reagieren. Beim Point Zero Forum in Zürich diskutierte ein Gremium am vergangenen Dienstag die rechtliche Verantwortung bei autonomen Finanzagenten. Der EU AI Act stuft KI in der Kreditwürdigkeitsprüfung und Versicherung bereits als hochriskant ein. Der Verband Financial Executives International veröffentlichte am Donnerstag einen neuen Rahmen für interne Kontrollen bei KI-gestützter Finanzberichterstattung.
